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Chinas Tech-Riese Pinduoduo legt in grossen Schritten zu
Aus Echo der Zeit vom 09.03.2021.
abspielen. Laufzeit 07:06 Minuten.
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Plattform Pinduoduo Chinas digitaler Supermarkt boomt auch dank der Pandemie

Chinas Online-Früchtehändler Pinduoduo startet durch. Zusammen einkaufen und Rabatte rausschlagen ist besonders beliebt.

Vom chinesischen Tech-Konzern Pinduoduo haben in Europa wohl die wenigsten schon gehört. Dabei hat seine Plattform mehrere hundert Millionen Kundinnen und Kunden und ist an der Nasdaq-Börse in New York gelistet.

Pinduoduo.
Legende: In einer Lagerhalle in der südchinesischen Provinz Jiangxi rollen auf einem Förderband Passionsfrüchte vorbei. Eine Maschine sortiert sie nach Gewicht, unförmige Früchte werden von Hand aussortiert. SRF

«Dank Pinduoduo können wir online und ohne Zwischenhandel direkt an die Endkundschaft verkaufen, das ist gut für uns Obstbauern», erklärt Huang Honglin, der vor drei Jahren bei Pinduoduo eingestiegen ist.

Per App in die Sortierhalle

Am Rand der Lagerhalle steht ein Stativ mit einem Smartphone, über welches Nutzerinnen und Nutzer die Sortieranlage beobachten und via App Fragen stellen können: «Sie fragen zum Beispiel, ob man die Haut der Passionsfrucht essen könne. Andere beschweren sich, dass die Haut verschrumpelt sei, obwohl das zeigt, dass die Frucht reif ist», erzählt Huang Honglin.

Pinduoduo.
Legende: Der Gemüsebauer Huang Honglin nutzt die Plattform auch für Werbung: «Wir zeigen zum Beispiel, wie man die Passionsfrucht isst, anbaut und geben Tipps zum Verbrauch.» SRF

Ein bis zwei Stunden täglich wendet er für Online-Erklärungen per Smartphone auf. Manchmal wollten die Kundinnen und Kunden auch nur plaudern. Und ganz wichtig: Rabatte erhalten: «Sie sagen zum Beispiel, 25 Yuan, das ist zu teuer. Wenn ich zehn Kisten Passionsfrüchte kaufe, ist es dann günstiger? Dann geben wir zum Beispiel zehn Prozent Rabatt.»

Mehr Rabatt dank Sammelbestellungen

Rabatte sind denn auch eines der wichtigsten Merkmale von Pinduoduo. Und solche Rabatte erhalten die Kundinnen und Kunden, wenn sie zusammenspannen, erklärt Xin Yi Lim, Direktorin für Unternehmensentwicklung beim Konzern: «Als Kunde können Sie einen Kauf initiieren, und dann Einladungen via ihres sozialen Netzwerkes versenden, um jemanden zu finden, der beim Gruppenkauf mitmacht. Dafür haben Sie 24 Stunden Zeit, bevor der Gruppenkauf abgeschlossen wird.»

Mit Freunden einkaufen, wie im echten Leben, aber einfach digital.
Autor: Xin Yi LimDirektorin

Und damit gibt es nicht nur Rabatte, sondern Freunde animieren sich gegenseitig, einzukaufen. Potenzielle Kunden sehen auf der Plattform, was ihre Bekannten auf Pinduoduo gerade kaufen. Statt für sich allein kaufe man auf Pinduoduo mit Freunden ein, so Direktorin Xin Yi Lim. Wie im echten Leben, aber einfach digital.

Social Shopping und Spiele

Eine Art soziales Shopping-Erlebnis also: «Häufig suchen die Leute nicht nach etwas Bestimmtem, sondern werden von Bekannten beeinflusst, die etwas kaufen.

Dazu kommen Online-Spiele, die in der App integriert sind und mit denen die User sogar Preise gewinnen können. Das alles dient dazu, die Kundschaft möglichst oft und möglichst lang auf der Plattform zu halten.

Umsatzverdoppelung erwartet

Das Modell gibt dem Unternehmen recht: 2019 wurden auf Pinduoduo Agrarprodukte im Wert von umgerechnet 18 Milliarden Franken verkauft. Für das Jahr 2020 rechne man mit einer Verdopplung, sagt Lim.

Colin Huang Zheng.
Legende: Das Unternehmen Pinduoduo ist gerade einmal fünf Jahre alt. Gegründet wurde es vom heute 40-jährigen Colin Huang Zheng, der inzwischen zu den reichsten Chinesen gehört. imago images

Corona änderte Gewohnheiten

Profitiert hat der Konzern auch von der Pandemie. Diese habe einiges verändert, sagt Xin Yi Lim. Zum Beispiel das Konsumverhalten: «Vor der Pandemie waren viele chinesische Konsumenten gewöhnt, fast täglich physisch zu einem Geschäft zu gehen, um frische Lebensmittel einzukaufen.»

Chinesinnen und Chinesen gehen im Verhältnis viel öfter auf den Markt, als Menschen im Westen, weil sie frische Lebensmittel bevorzugen. Doch mit dem Lockdown waren viele dieser Kundinnen und Kunden laut Xin Yi Lim gezwungen, die Lebensmittel zum ersten Mal online einzukaufen.

Echo der Zeit, 09.03.2021, 18:00 Uhr

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Manu Meier  (Manuel Meier)
    Ob man das jetzt will oder nicht, Digitale Ideen haben sie. Leider geht es auch in China nur um Konsum Konsum Konsum. Die haben das voll von uns Westlern übernommen und treiben es jetzt auf die Spitze. Ob das eine gute Entwicklung wird ist fraglich. "Weniger ist mehr" wäre für die Zukunft unseres Planeten besser.
    1. Antwort von Kurt Flury  (Simplizissimus)
      Wenn die Bauern so ein besseres Auskommen haben, können sie doch nachhaltiger Lebensmittel produzieren. Unter Umständen ist dieses Vorgehen ein Teil der Lösung und nicht des Problems?