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PLO-Generalsekretär nach Corona-Erkrankung gestorben
Aus Rendez-vous vom 10.11.2020.
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PLO-Generalsekretär gestorben PLO-Ex-Chefunterhändler Saeb Erekat stirbt an Covid-19

  • Der Generalsekretär der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Saeb Erekat, ist tot. Der ehemalige Unterhändler bei den Friedensgesprächen starb an Covid-19.
  • Der 65-Jährige lag wegen schwerer Atemprobleme nach einer Corona-Erkrankung seit Mitte Oktober in einem Jerusalemer Spital.
  • Nach Verschlechterung seines Zustands war er in Vollnarkose versetzt und künstlich beatmet worden.

Nach Angaben der Ärzte war die Behandlung besonders schwierig, weil Erekats Immunsystem nach einer Lungentransplantation vor drei Jahren unterdrückt war.

Erekat galt als enger Vertrauter von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Der promovierte Politikwissenschaftler war seit Mitte der 1990er-Jahre Chefunterhändler bei den Verhandlungen mit Israel. Seit 2014 liegen die Gespräche brach.

Kampf für Zwei-Staaten-Lösung

Erekat hatte sich für eine Zwei-Staaten-Lösung eingesetzt und den israelischen Siedlungsausbau stets als Hindernis für den Frieden kritisiert. Den im Januar veröffentlichten Nahost-Plan von US-Präsident Donald Trump wies er als «Betrug des Jahrhunderts» und einseitig pro-israelische Initiative zurück.

Erekat hatte auch heftige Kritik an der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und zwei Golfstaaten geübt, weil die Vereinbarungen ohne Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts getroffen worden waren.

Dass zuletzt israelische Ärzte um sein Leben kämpften, löste in sozialen Medien viele hämische Kommentare aus. Erekat hinterlässt eine Frau und vier Kinder.

Tätigkeit als Chefunterhändler

Der promovierte Politikwissenschaftler war seit Mitte der 1990er-Jahre Chefunterhändler bei den Verhandlungen mit Israel. Seit 2014 liegen die Gespräche allerdings brach. Menschen aus seiner näheren Umgebung beschrieben Erekat als intelligent und effektiv. Zugleich galt er als harter Verhandlungspartner, der loyal die Vorgaben seiner politischen Führung umsetzte.

Der palästinensische Politiker wurde 1955 in einem Vorort von Jerusalem geboren. Er entstammt einer grossen und weit verzweigten Familie, die wegen ihres Wohlstands zur palästinensischen Oberschicht gerechnet wird. Anfangs war er ein enger Gefolgsmann des 2004 gestorbenen PLO-Vorsitzenden Jassir Arafat. Nachdem ihn Abbas 2015 zum PLO-Generalsekretär beförderte, sahen ihn manche schon als künftigen Vorsitzenden.

Lehrtätigkeit an Universität in Nablus

Erekat sprach zwar kein Hebräisch, aber fliessend Englisch. In Gesprächen mit westlichen Fernsehstationen erklärte er pointiert die Sichtweise der Palästinenser. Er studierte unter anderem in San Francisco und im britischen Bradford. Dort erlangte er einen Doktortitel in Friedens- und Konfliktstudien.

In Großbritannien sei ihm auch erstmals klar geworden, dass der Nahost-Konflikt nicht mit Gewalt, sondern nur durch Verhandlungen gelöst werden könne, sagte er später. Nach seiner Rückkehr in die Palästinensergebiete wurde Erekat Professor für Politikwissenschaft an der Universität in Nablus. Nebenbei arbeitete er als Journalist.

SRF 4 News, 11:00 Uhr;

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Annemarie Engler-Jakober  (wöma)
    Herr Erekat hat vor 3 Jahren i den USA 1 Lungentransplantation erhalten. Er hat jetzt in Jerusalem 1 Medizinische Behandlung erhalten. Zu Beginn der Covid Krise hat er in den arabischen Medien Israel beschuldigt, dass die israelische Polizei/die Soldaten die Palästinenser mit d. Virus anstecken
    den „gewöhnlichen“Palästinensern verweigerte er zeitlebens med.Behandlungen in Israel,Erekat hat Israel über Jahre verunglimpft....keine Grundlage um als Friedensstifter in Erinnerung zu bleiben
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    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      A.Engler-Jakober. Angesichts der Politik der Israelis und der USA würde ich als Palestinenser ebenso handeln. Camp David, sagt Ihnen das was?
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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Einfach zum festhalten, er war vor 3 Jahren Lungentransplantier worden. Das hier Covid die Todesursache ist ist nicht wirklich abgeklärt, was ist mit Pneumacoken. Es ist nicht nur Irreführend es ist gefährlich so vorzugehen.
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  • Kommentar von Claudia Beutler  (Claudia)
    Es wird über diesen Mann berichete, weil er wichtig für die Beziehungen der Palästinenser und Israelis war. Das er an Covid gestorben ist wird genau so berichtet, wie wenn er an Krebs gestorben wäre oder bei einem Unfall. Sich darüber zu beschweren ist einfach albern. Oder macht es manchen hier Angst zu hören, dass Menschen an Covid sterben.
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