- 1200 Beamte stürmten Wohnungen, Lagerhallen und eine Werkstatt in Nordrhein-Westfalen.
- Die Ermittler nahmen den Präsidenten des noch jungen Hells-Angels-Ablegers in Leverkusen fest.
- Der Klub wurde verboten, sein Vermögen beschlagnahmt – insgesamt sollen es bis zu 2.5 Millionen Euro sein.
«Wer mit Waffen, Drogen, Gewalt und Einschüchterung sein Geld verdient, muss jederzeit damit rechnen, dass die Polizei morgens im Schlafzimmer steht», sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul nach dem Einsatz. Sichtlich zufrieden erklärte Reul, dass dies einer der grössten Einsätze gegen Rocker in der Geschichte Deutschlands war.
Ursprünglich hatte man wegen diverser Straftaten ermittelt, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden. Die Polizei hat für das knapp 70-seitige Papier zahlreiche noch laufende Ermittlungsverfahren zusammengetragen, die am Ende immer wieder zu dem Rockerklub in Leverkusen führten. Darauffolgend wurde der Ableger verboten. Der Präsident des Ablegers wurde während der Razzia festgenommen, gegen ihn gibt es einen Haftbefehl.
Vermögenswerte bis zu 2.5 Mio. sichergestellt
Um 4 Uhr morgens schlug die Polizei im Westen Deutschlands zeitgleich an 56 Adressen in 28 Städten im Bundesland Nordrhein-Westfalen zu. Neben der Suche nach Beweisen ging es der Polizei bei der gross angelegten Aktion auch um die Sicherung von Vermögenswerten. Insgesamt wurde Vermögen von bis zu 2.5 Millionen Euro sichergestellt.
In der Werkstatt eines Mannes in Langenfeld entdeckte die Polizei zahlreiche Motorräder. Wem die Maschinen gehören, muss laut Nordrhein-Westfalens Innenminister Reul noch geklärt werden. Man habe bei den Razzien aber auch Waffen gefunden, ein Bankschliessfach durchsucht und Hinweise auf professionellen Drogenanbau entdeckt. Insgesamt gebe es 44 Beschuldigte, so Reul.
Weitere Ableger im Visier
Auch wenn der Ableger in Leverkusen im Fokus stand, durchsuchten die Beamten Wohnungen und Geschäftsräume von Vereinsmitgliedern und Unterstützern in ganz NRW. Polizisten aus zahlreichen Städten waren dabei, darunter auch Spezialeinsatzkommandos.
Wir bleiben da dicht dran, wir zerschlagen Strukturen, wir legen Vermögen trocken.
Eine Auflistung des Landeskriminalamts, über die zunächst die «Neue Westfälische» berichtet hatte, beinhaltet Stand Dezember vergangenen Jahres 29 Hells-Angels-Ableger. Ermittler zählten 469 Mitglieder. Auf dem zweiten Platz rangierten die Freeway Riders mit 403 Mitgliedern. Die Bandidos hatten nur 12 Ableger und 124 Mitglieder – allerdings war der Klub vor Jahren komplett verboten worden, er breitet sich jetzt neu wieder aus.
Die Polizei hat mit ihrer grossen Aktion die ganze Szene aufgemischt. Das Bundesland zeige «Nulltoleranz» und sei «kein Rückzugsraum für Kriminelle», sagte Reul. «Wir bleiben da dicht dran, wir zerschlagen Strukturen, wir legen Vermögen trocken», fügte er hinzu.