Portugal will nun bei der Bildung sparen

Das portugiesische Verfassungsgericht hat Teile des Budgets ausser Kraft gesetzt. Gespart werden muss trotzdem: neu im Sozialbereich, im Gesundheitswesen und – in der Bildung. Just im letzten Bereich aber könnten die Folgen verheerend sein.

Studenten demonstrierten bereits vor zwei Jahren in Lissabon für bessere soziale Bedingungen. Nun soll im Bereich Bildung das Budget gekürzt werden. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Studenten demonstrierten bereits vor zwei Jahren in Lissabon für bessere soziale Bedingungen. Nun soll im Bereich Bil... Keystone

Für Portugal klingt es wie eine Drohung, wenn von Kürzungen bei Schulen und Universitäten die Rede ist. Noch weiss niemand, was die Regierung genau im Schilde führt. Aber eigentlich müsste klar sein, dass der Spielraum hier sehr klein ist: «In unserem Land», sagt der Ökonom Ricardo Paes Mamede, «ist ein grosser Teil der Bevölkerung schlecht ausgebildet. Und: Wir liegen da immer noch unter dem Durchschnitt der industrialisierten Länder.»

An der Bildung hat man seit dem Ende der Diktatur, 1974, nicht gespart. Aber jetzt passiert genau das. Die Budgets der Hochschulen sind bereits gekürzt worden – eine brutale Kürzung, beklagt Carlos Laitão Maia. Er ist Rektor des Polytechnikums der Stadt Castelo Branco.

Aber er spürt die Krise nicht nur im Budgetstreit. Immer häufiger müssten talentierte Studenten aufgeben, weil sie das Schulgeld nicht mehr bezahlen können. Deren Eltern hätten den Job verloren und verfügten über keine Mittel für eine höhere Ausbildung ihrer Kinder.

Wer nicht zahlt, fliegt raus

Und der Staat bleibt hart, weil auch ihm die Mittel fehlen. Wer nicht zahlt, fliegt raus. Ein Widerspruch, sagt Maia: «Mit welchem Recht schliessen wir Studenten von einer Schule aus, für die sie die Fähigkeiten hätten, für die ihnen nur das Geld fehlt?» Die Regierung verbaue dem Land so die Zukunft.

An der Universität Lissabon zeigt sich das Problem von einer andern Seite. Pedro Pita Barros, Wirtschaftsprofessor, hat noch keine Studenten verloren. Aussteiger gebe es bei ihm bisher nicht, aber das Panorama bleibe düster: «Fast alle meine Studenten reden schon jetzt vom Auswandern. Hier finden wir ohnehin keine Arbeit, sagen sie.»

Hochqualifizierte wandern aus

Portugal bildet also hochqualifizierte Fachkräfte aus, die ihr Wissen anderen Ländern zur Verfügung stellen. Deutschland, Frankreich, der Schweiz – und immer mehr Angola, Moçambique und Brasilien.

Dessen Botschafter Mario Vilalva bestätigt das. «Wir locken sie nicht zu uns, sie kommen von selbst: Die Zahl steigt schnell in den letzten Jahren», sagt er und denkt dabei nur an jene, die offiziell einreisen, mit Arbeitsvisum.

Etwa 4000 waren es letztes Jahr. Die Dunkelziffer dürfte bei weit über 10'000 liegen. Und es sind die besten die gehen. «Wir suchen Ingenieure, Naturwissenschaftler, Ärzte. Und sie kommen»,  sagt Brasiliens Botschafter weiter.

Zu Hause aber, in Portugal, fehlen sie, fehlt ihr Wissen – «es fehlt, was das Land wieder auf Kurs bringen könnte», sagt Ökonom Paes Mamede. Portugal sei jetzt schon ein Land mit grossen sozialen Unterschieden, chronische Armut gebe es heute schon. Und das verschärfe sich in der Krise weiter und führe zu Verzweiflung, Hunger und Hoffnungslosigkeit.

(basn;snep)