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Venezuela: Der Bolivar verliert sechs Nullen
Aus News-Clips vom 09.08.2021.
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PR-Aktion für den Bolivar Venezuela streicht sechs Nullen auf den Banknoten

Statt fünf Millionen Bolivar kostet ein Franken ab Oktober noch fünf Bolivar. An der Misere im Land ändert das aber nichts.

Darum geht es: Angesichts der extremen Inflation streicht die venezolanische Regierung bei der Landeswährung Bolivar sechs Nullen. Die Währung wird also durch eine Million geteilt. Dadurch soll das Geld in Venezuela im täglichen Umgang etwas besser verwendet werden können. Ein Franken ist derzeit rund fünf Millionen Bolivar wert, nach der neuen Formel sind es noch fünf Bolivar. «Künftig wird man weniger Säcke voller Geld mitnehmen müssen, wenn man ein Brot kaufen geht», sagt dazu SRF-Wirtschaftsredaktorin Maren Peters.

Deshalb ist das nötig: Allein im vergangenen Mai lag die Teuerung in Venezuela bei 2700 Prozent, für das laufende Jahr rechnet der Internationale Währungsfonds mit einer Inflationsrate von 5500 Prozent. Das einst dank seiner Ölvorkommen reiche Venezuela steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise, 2021 soll die Wirtschaftskraft laut IWF um zehn Prozent zurückgehen. Die Ölförderung im Land mit den grössten Reserven der Welt ist auf den niedrigsten Stand seit mindestens 80 Jahren gesunken. Angesichts der humanitären Krise haben rund 5,6 Millionen Venezolaner ihre Heimat verlassen.

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Venezuela streicht Nullen von Banknoten
Aus SRF News vom 09.08.2021.
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So heisst die neue Währung: Ab Oktober gilt also der «Bolivar Digital» in Venezuela. «Eine solche Reform ist aufwändig – aber angesichts der massiven Probleme, welche die venezolanische Wirtschaft hat, ist das eine der kleineren Herausforderungen», sagt Peters. Mit der Streichung der sechs Nullen ändert sich der Wert des Geldes aber nicht. Auch habe die Aktion keinen Einfluss ausserhalb Venezuelas. Denn der Bolivar wird angesichts des Wertezerfalls nirgends mehr gehandelt. Und: Auch in Venezuela selber wird der Bolivar immer weniger verwendet. Bereits heute wird ein grosser Teil der Geschäfte in Dollar abgewickelt, nachdem das die Regierung 2019 offiziell zugelassen hat.

Das kann die Aktion bringen: Schon vor drei Jahren waren am Bolivar fünf Nullen gestrichen worden. Doch gebracht hat das nicht viel – sonst müsste man nicht jetzt schon wieder so viele Nullen streichen. «Es brachte höchstens eine kurzfristige Entspannung», sagt Peters. Am grundlegenden Problem einer Hyperinflation ändere das aber nichts. Diese wäre nur durch massive Wirtschaftsreformen zu stoppen. Kurz: «Die Note sieht mit ein paar Nullen weniger darauf etwas stabiler aus, mehr aber nicht.» Insofern habe die Aktion höchstens einen gewissen «PR-Effekt», so Peters.

SRF 4 News, 09.08.2021, 08:50 Uhr;

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Rudi Hardy  (Wombat)
    Habe dasselbe in Afrika erlebt, ohne US$ oder Suedafrikanischem Rand konnte ich nichts kaufen und keiner wollte Kredit- oder Reisekarten akzeptieren. Venezuela ist da nicht allein.
  • Kommentar von Robert Frei  (RFrei)
    Das ist gar nichts Neues in Südamerika. Brasilien hatte den Cruzeiro, dann folgend den Cruzeiro Novo und dann folgend den Cruzado, jeweils um einen Faktor 1000 verschieden. Vor 30 Jahren hatte ich Banknoten im Sack, alle mit gleichem Bild und gleichem Wert, aber mit der Aufschrift "1", "1000" oder "1000000". Als Identifikation des offiziellen Wertes diente nicht primär die Aufschrift, sondern das Bild. Das war noch lange vor Da Silva und Bolsonaro.
  • Kommentar von Christian Casutt  (Christian_C_57)
    Sozialismus wie er leibt und lebt. Und dann gibt es Leute, die wollen auch bei uns - zum Beispiel zur Rettung des Klima’s oder zur Wiederherstellung von „sozialer Gerechtigkeit“ - eine als „Ökowirtschaft“ getarnte sozialistische Planwirtschaft einführen. Es wäre beinahe lustig, wenn es nicht so traurig wäre.
    1. Antwort von Krebs Alfred  (A.Santiago)
      Christian Casutt, wenn Sie das Problem von Venezuela mit den Vorschlägen der Rettung des Klimas vergleichen, da haben Sie vieles im Leben verpasst. Bitte orientieren Sie sich nochmals sehr genau, wie die Unterschiede zwischen Venezuela und der Schweiz sind.