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Putschversuch in Venezuela? Präsident Maduro droht mit Gewalt

Venezuelas Präsident Nicolas Maduro hat den Beschuss des Innenministeriums und des Obersten Gerichts aus einem gestohlenen Polizeihelikopter als Terroranschlag und Putschversuch verurteilt.

Legende: Video Jetzt kommt es auf das Verhalten des Militärs an abspielen. Laufzeit 02:08 Minuten.
Aus Tagesschau vom 28.06.2017.
  • In der venezolanischen Hauptstadt Caracas sind aus einem entwendeten Polizeihelikopter Granaten auf das Oberste Gericht abgeworfen worden. Zudem wurden 15 Schüsse aus dem Helikopter auf das Innenministerium abgefeuert.
  • Venezuelas Präsident Nicolás Maduro verurteilte im Staatsfernsehen die bewaffneten Angriffe als «terroristischen Putschversuch».
  • Um die Ordnung im Land wieder herzustellen, habe er «die gesamten Streitkräfte aktiviert, um den Frieden zu verteidigen», erklärte Maduro.

Bei dem Beschuss kam offenbar niemand zu Schaden. Aber der Angriff hat vor allem symbolische Bedeutung: In der Nähe des Gebäudes des Obersten Gerichtshofs liegt der Präsidentenpalast.

In sozialen Medien wurden Bilder gepostet, auf denen zu sehen ist, wie aus dem offenen Polizeihelikopter ein Spruchband gehalten wird, auf dem «Libertat [Freiheit] und «350» steht. Die Zahl bezieht sich auf den Verfassungsartikel, der Bürgern das Recht einräumt, sich gegen undemokratische Regierungen zur Wehr zu setzen.

Die Regierung machte einen Polizeipiloten verantwortlich, der den Helikopter entwendet habe. Präsident Maduro vermutet hinter dem Vorfall eine Verschwörung zur Destabilisierung seiner sozialistischen Regierung. Der Polizeipilot habe Verbindungen zum ehemaligen Innenminister Miguel Rodríguez Torres und damit zum US-amerikanischen Geheimdienst CIA.

Die Opposition verlangt eine Neuwahl und Massnahmen gegen die Wirtschaftskrise. Ausserdem fordert sie die Freilassung Hunderter inhaftierter Regierungskritiker.

Maduro dagegen beschuldigt die Opposition, einen Putsch gegen ihn anzuzetteln. Dabei werde sie von den USA unterstützt, die sich die Ölreserven des Landes, die grössten der Welt, aneignen wollten.

Maduro will Verfassungsreform durchdrücken

Wenige Stunden zuvor hatte Staatschef Maduro mit einem «bewaffneten Kampf zur Verteidigung seines sozialistischen Projekts» gedroht. Mit Blick auf eine geplante Verfassungsreform, die Maduros Rolle stärken soll, betonte er: «Wenn wir es nicht mit den Stimmen schaffen, dann mit Waffen.»

Wenn Venezuela in Chaos und Gewalt gestürzt und die Bolivarische Revolution zerstört werden soll, werden wir in den Kampf ziehen.
Autor: Nicolás MaduroPräsident Venezuelas vor dem Angriff

Maduro plant für den 30. Juli eine Wahl zur Einberufung einer Verfassungsgebenden Versammlung – doch es gibt massive Proteste gegen den Plan. Maduro will mit der Verfassungsreform die dramatische politische und wirtschaftliche Krise bewältigen. Durch die geplante Zusammensetzung der Versammlung mit einer Mehrheit für Sympathisanten der Sozialisten fürchtet die Opposition einen endgültigen Übergang in eine Diktatur.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Oliver Schmid (Oliver Schmid)
    Das sieht nach copy-paste des Putsches in der Türkei aus. Der Präsident inszeniert einen Militärputsch und lässt dann seine Gegner verhafen. Dass er nun sogar offen droht, wenn er seine Macht-Abstimmung (siehe ebenfalls Erdogan) nicht mit Stimmen gewinnt, sondern mit Waffen zeigt sein wahres Gesicht. Diesem Diktator ist es egal einen Bürgerkrieg loszutreten. Wobei die Bürger hier nicht viele Chancen haben, da die Maduro Leute, offizielle und inoffiziele, fast alle Waffen in den Händen haben.
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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
    Das ist auch so ein verrückter Diktator, der das Volk in den Abgrund führt. Doch auch hier hat das Problem viele Seiten. Sicher ist Maduro wie Chavez ein bedenkliche Gestallt, aber auch Tatsache ist das Amerika die Finger im Spiel hat. Es ist den Venezolaner Ihr Problem wenn sie wählen, das die USA ihre dreckigen Finger immer wieder im Spiel hat gibt dem Problem den Rest. Dabei geht es den USA nicht um die Menschen, den Menschen ist den USA immer egal, es geht nur um Profit!
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    1. Antwort von Fabio Krauss (FabioK)
      Es überrascht mich wenig, dass Sie versuchen, die Schuld für die grossen Probleme des sozialistisch geführten Venezuela auf die USA zu schieben. Für mich ist das lächerlich. Der Sozialismus als Ideologie ist nicht nicht nur extrem realitätsfremd, sondern auch auf dumme Weise naiv. Sozialismus verursacht Leid und Armut. Dass "die Linken" dies nicht wahrhaben wollen, liegt auf der Hand; Anstatt sich zu hinterfragen (was mehr Sinn machen würde), gibt man halt anderen die Schuld (das ist bequemer).
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  • Kommentar von Bruno Vogt (bru.vogt)
    Es handelt sich jetzt schon um eine Diktatur, denn keines der Gesetze welche durch die Nationalversammlung beschlossen wurde, wird von Maduro angewendet. Die von der Junta kontrollierten Richter schmettern alle ab. Der klägliche Versuch mit einem Helikopter eine Granate über dem Gerichtshof abzuwerfen und als Putschversuch darzustellen ist klar inszeniert, ansonsten wäre Maduro nicht eine Stunde später bereits lachend im Fernsehn und bezichtigte die Opposition der Tat. Das Leiden geht weiter.
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