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Präsidentenwahl in Brasilien «Haddad muss eine Allianz von Mitte-Wählern schmieden»

Brandheisse Stichwahl: Im zweiten Wahlgang könnte sich die Lage durchaus ändern, sagt SRF-Korrespondent Ueli Achermann.

Legende: Audio Brasilien: Bei der Stichwahl kommt es auf die Mitte-Wähler an abspielen. Laufzeit 02:24 Minuten.
02:24 min, aus HeuteMorgen vom 08.10.2018.

In Brasilien kommt es zur Stichwahl. Der Rechtspopulist Jair Bolsonaro hat die meisten Stimmen geholt. Er tritt gegen den zweitplatzierten Fernando Haddad an. Auch dieser hat noch Chancen, Präsident zu werden, sagt SRF-Lateinamerika-Korrespondent Ulrich Achermann.

Ulrich Achermann

Ulrich Achermann

Südamerika-Korrespondent, SRF

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Ulrich Achermann ist seit 2003 SRF-Korrespondent und berichtet über alle Länder Südamerikas. Er lebt in Santiago de Chile.

SRF News: Wieso hat Jair Bolsonaro so viele Stimmen erhalten?

Das hat mit dem ziemlich gefährlichen Mix aus Zorn, Verzweiflung und Frustration zu tun. Der Zorn ist auf die Vernachlässigung der Bevölkerungsmehrheit durch korrupte Eliten zurückzuführen. Die Verzweiflung hängt mit der grossen Kriminalität zusammen und die Frustration damit, dass auch linke Regierungen wie die von Lula da Silva und Dilma Rousseff korrupt geworden sind. Das hat die Wählerschaft nicht erwartet.

In die Endrunde kommen genau die zwei Kandidaten, denen auch die grösste Ablehnung seitens der Wähler entgegenschlägt.

Fernando Haddad von der linksorientierten Arbeiterpartei hat ein knappes Drittel der Stimmen erhalten. Hat – wer ihn gewählt hat – im Grunde das Gegenteil von Bolsonaro gewählt?

Das ist so. Brasilien hat bis jetzt noch nie eine derart polarisierte Wahl erlebt. In die Endrunde kommen genau die zwei Kandidaten, denen auch die grösste Ablehnung seitens der Wähler entgegenschlägt.

Läuft es darauf hinaus, dass es einen Präsidenten gibt, der nicht alle Menschen in Brasilien vertritt?

Ja. Diese Polarisierung bereitet natürlich Sorgen über die Wahlen hinaus. Niemand weiss so genau, ob Regierung und Opposition in Zukunft gemässigtere Töne anschlagen, ob man miteinander spricht und verhandelt, und ob sich die Lage vielleicht dann doch etwas entschärft.

Wer hat denn nun die besseren Chancen in der Stichwahl?

Es ist klar, dass Bolsonaro als Favorit ins Rennen geht. Das ist am Wahlergebnis abzulesen. Aber wenn es Fernando Haddad gelingt, eine Allianz mit den Mitte-Wählern zu schmieden und ein ausgewogenes Regierungsprogramm vorzulegen, dann hat auch er durchaus Chancen.

Das Gespräch führte Joël Hafner.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Samuel Müller (Samuel Müller)
    Wenn die Mitte nicht zufriedenstellt geht es in die Extreme. Funktioniert zur Zeit fast überall gleich.
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  • Kommentar von Simon Weber (Weberson)
    Wie auch schon in vorhergehenden Berichten gesagt, kann es bei diesen Wahlen eigentlich nur Verlierer geben. Denn selbst der Gewinner wird nur gerade mal ein bisschen mehr als die Hälfte des Landes und vielleicht nicht einmal die Hälfte der Sitze im Parlament haben. Viel schlimmer die Lage in der Bevölkerung. Man kann nur hoffen, dass es nicht zu gewaltsamen Auseinandersetzungen/Protesten bis hin zu Bürgerkriegen kommt in einem sonst schon extrem unstabilen Südamerika..
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  • Kommentar von Ueli von Känel (uvk)
    Ich hoffe sehr, dass sich das Blatt noch hin zu Haddad wenden wird. Denn Bolsonaro ist auf Grund seiner zu einem guten Teil menschenverachtenden Parolen m. E. nicht wählbar. Es geht auch nicht an, dass in- und ausländische politisch rechts gerichtete Leute mit einer Wahl von Bolsonaro liebäugeln. Damit würden sie im Grunde dessen menschenverachtende Gedankengut billigen und indirekt mittragen. Aber Haddad hätte dann mit den Seinen die Mitverantwortung, Brasilien wieder einigermassen zu einen.
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    1. Antwort von Michael Räumelt (Monte Verita)
      uvk@ 7 Morde pro Stunde usw. dies seit Jahren unter den täglichen Augen der Sozialistischen Erfüllungsgehilfen .. das ist Menschenverachtend!
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    2. Antwort von Beni Fuchs (Beni Fuchs)
      Mit Bolsanaro an der Macht werden's wohl noch weit mehr Morde/h, Herr Räumelt. vom Regen in die Traufe...
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    3. Antwort von Ueli von Känel (uvk)
      Herr Räumelt: 7 Morde pro Stunde sind sehr schlimm. Aber ich fürchte, dass es unter Bolsonaro längerfristig noch schlimmer werden könnte - mit politischen Gefangenen und Opfern, und das immer mehr....vor allem dann, wenn B. dazu übergehen sollte, schrittweise die Demokratie auszuhebeln.... B. ist nach meiner Wahrnehmung ein Mann der Ausgrenzung. Dies schafft Spannungen, die sich verhehrend auswirken könnten. Allerdings müsste Haddad seinerseits dann auch die rechten pol. Kräfte einbeziehen.
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