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Der russische Regierungschef Michail Mischustin hat sich mit dem Coronavirus angesteckt
Aus SRF 4 News aktuell vom 01.05.2020.
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Premier Mischustin infiziert «In Russland gibt es nur einen, der unersetzbar ist»

Auch Russland kämpft mit der Corona-Pandemie. Prominentester Erkrankter ist Regierungschef Michail Mischustin. Zur besten Sendezeit haben er und Wladimir Putin sich mit der Nachricht ans Volk gewandt. Der Gesundheitszustand des Präsidenten dagegen werde behandelt wie ein Staatsgeheimnis, berichtet Russlandkorrespondent David Nauer.

David Nauer

David Nauer

Russland-Korrespondent, SRF

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David Nauer ist Korrespondent von Radio SRF in Russland. Von 2006 bis 2009 hatte Nauer für den «Tages-Anzeiger» aus Moskau berichtet, anschliessend aus Berlin.

SRF News: Wie wirkt es sich aus, wenn ausgerechnet Putins Corona-Krisenmanager sich angesteckt hat?

David Nauer: Mischustin hat sich nach dieser Videoschaltung in ein Spital begeben. Er fällt als Regierungschef bis auf Weiteres aus. Die Videoschaltung vom Donnerstag war sehr interessant. Sie wirkte auf mich wie eine orchestrierte Inszenierung, um die Bevölkerung zur Einhaltung der Ausgangssperre zu bewegen. Putin betonte explizit: ‹Was Ihnen passiert ist, kann jedem passieren›. Mischustin sagte zur Bevölkerung: ‹Ich weiss, dass bald die Maifeiertage sind, aber bleiben Sie bitte zu Hause›.

Es gibt in Moskau ein effizentes, elektronisches Überwachungssystem. Wer U-Bahn oder Auto fahren möchte, braucht einen elektronischen Passierschein.

Wie steht es um die Gesundheit von Wladimir Putin?

Das ist ein Staatsgeheimnis. Soweit man abschätzen kann, ist er bisher nicht infiziert. Putin regiert seit Wochen aus seiner Residenz ausserhalb Moskaus. Bei Fernsehauftritten sieht es jeweils so aus, als hätte er sich eingebunkert. Aus diesem «Bunker» wurde er auch am Donnerstagabend zugeschaltet.

Werden in Moskau die Schutzmassnahmen eingehalten?

Die Regeln in Moskau sind sehr strikt. Es gibt ein effizientes elektronisches Überwachungssystem. Wer U-Bahn oder Auto fahren möchte, braucht einen elektronischen Passierschein. Den muss man im Internet beantragen. Auch wenn man auf die Datscha oder zur Arbeit will, braucht man ein solches Dokument.

Provinzbeamte melden traditionell nur gute Nachrichten nach Moskau.

Deswegen sind viele Orte in der Stadt wie leer gefegt. Ich war vor ein paar Tagen auf dem normalerweise sehr belebten Roten Platz. Er war menschenleer. Das ist sehr eindrücklich. Ohne Passagierschein darf man nur in den Supermarkt oder mit dem Hund im Viertel spazieren gehen. Viele Menschen tragen inzwischen Masken, aber gerade in den Supermärkten werden die Abstandsregeln nicht eingehalten.

Wie sieht es in den Provinzen aus?

Das Hauptproblem in den Provinzen ist, dass die Neuinfektionen dort noch ansteigen. Und das sind nur die offiziellen Zahlen. Es gibt in Russland die unselige Tradition, dass Provinzbeamte nach Möglichkeit nur gute Nachrichten nach Moskau melden.

An den Maifeiertagen äuft ohnehin nicht viel in Russland, ganz unabhängig von den Corona-Massnahmen.

So ist mir zum Beispiel aufgefallen, dass aus den Provinzen oft eine grosse Zahl von akuten Lungenentzündungen gemeldet wird, aber kein Coronafall. Deswegen ist es schwierig, sich ein Bild zu machen.

Doch Präsident Putin hatte Mischustin beauftragt, Exit-Strategien aus dem Corona-Regime zu entwickeln. Kommt das nicht etwas früh?

Die Pandemie hat ihren Höhepunkt in Russland sicher noch nicht überschritten. Allein gestern wurden 7000 Neuinfektionen gemeldet, so viele wie nie zuvor. Im Moment sind allerdings sowieso Maifeiertage. Sie dauern noch bis am 10. und 11. Mai. Da läuft nicht viel in Russland, ganz unabhängig von den Corona-Massnahmen. Es kann aber sein, dass in gewissen Regionen nachher die Regeln gelockert werden.

Verzögert die Erkrankung des Regierungschefs die Exit-Pläne?

Das denke ich nicht. Die Epidemie selbst ist das grössere Problem als die Abwesenheit von Mischustin.

Wenn Putin ausfallen würde, wäre es ein grosses Problem für das Land.

Er ist nicht unersetzbar und er ist erst seit Januar im Amt. In Russland gibt es nur einen, der unersetzbar ist. Das ist Wladimir Putin. Wenn er ausfallen würde, wäre es ein grosses Problem für das Land.

Video
Aus dem Archiv: Corona-Krise stürzt Moskau ins Chaos
Aus Tagesschau vom 18.04.2020.
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Das Gespräch führte Claudia Weber.

SRF 4 News, 01.05.2020; 06:15 Uhr;

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Alexander Weljaminoff  (AndererMeinung)
    Apropos "inszeniert". Welches Gespräch von Putin mit einem seiner Regierungsbeamten, das auch vor Corona im Fernsehen gezeigt wurde, wirkt nicht im höchsten Grad inszeniert, - was heisst wirkt - es ist!
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  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    @pla was verstehen sie Unterboden Begriff DIKTATOR?
    Ich weiss, das Gegenteil einer sogenannten Demokratie mit möglichst vielen kleinen Parteien. Dann wird ein Land richtig gehend unregierbar, weil gar keine brauchbare Vorschläge da sind. Diskutieren und nochmals diskutieren. Die heutige Welt braucht je länger mehr
    Macher, nicht Spezialisten aber Politiker welche den Puls der Bevölkerung spüren und kennen. Leute die auch Arbeit kennen
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    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      In einer Diktatur wird die Opposition gegängelt und drangsaliert. Die Medien räumen der Opposition wenig Möglichkeiten ein, sich zu äußern. Regierungskritiker werden verhaftet oder gar ermordet. Dies trifft alles auf das Regime Putin zu.
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    2. Antwort von David Neuhaus  (Um Neutralität bemüht)
      Wissen sie @Planta, auch wenn ihre, meiner persönlichen Meinung nach, sehr dumpfen Aussagen hier auf passendes Publikum treffen, ist es offensichtlich das ihre Behauptungen in Bezug auf Russland keinerlei Überprüfung standhalten, das Gegenteil davon (Betreffend Opposition/Regierungskritiker/Medien) dagegen mit minimalem Rechercheaufwand beweisbar ist.
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  • Kommentar von Klaus KREUTER  (SWISSKK)
    Aussage Gerhard SCHRÖDER, ehem. Bundeskanzler: PUTIN ist ein lupenreiner Demokrat. Gibt es daran noch Zweifel? PUTIN handelt nach dem Motto: was gut ist bestimme ich, alles andere kommt vom dekadenten WESTEN
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    1. Antwort von David Neuhaus  (Um Neutralität bemüht)
      Haben sie etwas gegen Gerhard Schröder der sich geweigert hat am Irakkrieg teilzunehmen? Meiner Meinung nach der letzte Kanzler nach Helmut Schmidt der Respekt verdient hat.
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