Die Brücke zwischen dem italienischen Festland und Sizilien sollte eine Brücke der Superlative werden. Ganze 3.3 Kilometer lang sollte sie in schwindelerregender Höhe hängen, getragen von nur zwei Pfeilern. Es wäre ein Weltrekord. Doch seit Jahren macht dieses italienische Prestigeprojekt nur negative Schlagzeilen.
Eigentlich hätte der Bau längst beginnen sollen, doch es tut sich nichts. Die Kosten laufen aus dem Ruder. Es gibt Widerstand in der Bevölkerung. Seit vergangenem Dienstag ermittelt nun auch noch die Justiz wegen des Verdachts auf Korruption. Der Vorwurf: Ein Richter am Rechnungshof soll geschmiert worden sein, damit der Rechnungshof das etwa 13 Milliarden Euro teure Brückenprojekt ohne Kritik genehmigt.
Abgehörte Telefongespräche
Konkret soll einem Richter am Rechnungshof eine lukrative Stelle versprochen worden sein, wenn er dafür im Gegenzug Informationen über das Verfahren herausrückt und zudem versucht, das Urteil des Rechnungshofs zu beeinflussen. Mit dem Ziel, die Brücke und vor allem ihre exorbitanten Kosten schlank durchzuwinken.
Ausgegangen sei die Bestechung von einem ranghohen Vertreter jener Firma, die die Brücke bauen soll. Ihren Verdacht stützen die Ermittlungsbehörden – wie so oft in Italien – auf abgehörte Telefongespräche zwischen dem Richter und dem Manager der Baufirma. Italiens Zeitungen zitieren heute ausführlich aus diesen Abhörprotokollen, weil diese – wie ebenfalls oft in Italien – unerlaubterweise von den ermittelnden Behörden an die Medien weitergegeben wurden.
Als militärisches Investment getarnt
Noch ist völlig unklar, wohin diese Ermittlungen führen. Es gilt die Unschuldsvermutung und es kann sein, dass das Ganze versandet. Doch eines ist klar: Die Brücke, die Italien dereinst mit Sizilien verbinden soll, steht unter einem denkbar ungünstigen Stern.
Im Herbst 2025 zum Beispiel machten die Kosten Schlagzeilen. Infrastrukturminister Matteo Salvini versuchte, Milliarden für den Brückenbau ins Militärbudget zu schmuggeln. Denn Italiens Regierung hatte US-Präsident Trump und der Nato versprochen, ihre Militärausgaben drastisch zu erhöhen. Und so behauptete Salvini, die Brücke sei strategisch wichtig und damit eben auch ein militärisches Investment. Es war ein allzu fadenscheiniger Versuch, sein Prestigeprojekt finanzierbarer zu machen.
Lega auf dem absteigenden Ast
Überhaupt wollte Infrastrukturminister und Lega-Chef Salvini mit dem Brückenbau zu Messina massiv punkten, persönlich und für seine Partei. Nun droht das Projekt zum Symbol seines Scheiterns zu werden. Nur noch etwa sechs Prozent der Italienerinnen und Italiener wollen Salvinis Partei wählen.
Sollte sich der Korruptionsvorwurf tatsächlich erhärten, so könnte dies das ohnehin schon angegriffene Fundament sowohl der Brücke als auch der Lega weiter bröckeln lassen.