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Escobars Hinterlassenschaft wird zum Problem
Aus SRF 4 News aktuell vom 05.02.2021.
abspielen. Laufzeit 06:32 Minuten.
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Privatzoo des Drogenbarons Kolumbien: Verwilderte Escobar-Hippos sind eine Herausforderung

Für seinen Privatzoo hat der Kriminelle afrikanische Nilpferde importiert. Sie zerstören das einheimische Ökosystem.

Pablo Escobar, der kolumbianische Drogenhändler aus den 1980er-Jahren, verdiente ein Vermögen mit Kokain. Er bestach Politiker, kontrollierte Teile der Sicherheitskräfte und liess jeden ermorden, der ihm im Weg stand. Er war so reich, dass er sich einen auf seiner Hacienda Nápoles einen eigenen Zoo leisten konnte.

Dort siedelte er einst vier afrikanische Flusspferde an. Nach der Erschiessung von Escobar 1993 verfiel die Ranch und die Tiere zogen in die umliegenden Wälder.

Wer war Escobar?

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Pablo Emilio Escobar Gaviria war ein kolumbianischer Drogenboss und -schmuggler. Durch gross angelegten und erstmals in der Kriminalgeschichte industrialisierten Drogenhandel wurde er als Oberhaupt des sogenannten Medellín-Kartells zu einem der reichsten Menschen der Welt. Er wurde 1993 von kolumbianisch-amerikanischen Sicherheitskräften erschossen. (Quelle: Britannica/Wiki)

Nun werden sie zum Problem. «Die Tiere bewegen sich frei in Kolumbien. Sie vermehren sich unkontrolliert», sagt David Karasek, SRF-Südamerika-Korrespondent. Sie wurden nicht wie die anderen Tiere in Zoos gebracht. Die Gründe dafür sind nicht klar. «Aus den vier Nilpferden wurden hundert. In zehn Jahren seien es 1500 Nilpferde, schätzen Biologen.»

Keine natürlichen Feinde

Dass sich die Tiere schnell vermehren können, liege daran, dass sie am Magdalenafluss – in dessen Nähe auch die Hacienda von Escobar liegt – ideale Bedingungen vorfänden, so Karasek. «Das Nahrungsangebot ist reichlich und die natürlichen Feinde fehlen. Auch der Mensch als Bedrohung fällt weg, die Ufer des Magdalenaflusses sind weitgehend nicht besiedelt.»

Die invasive Art gefährdet aber andere Tiere und verändert die Sauerstoffdynamik des Flussbeckens, mit konkreten Folgen für das Ökosystem.

Obwohl die Nilpferde eigentlich zu einer bedrohten Art gehören, können sie laut den einheimischen Biologen nicht anders als durch Abschuss dezimiert werden. Kastration und Sterilisierung hätten zu wenig Wirkung gezeigt.

Die Armen verehrten Escobar

«Viele Menschen in Kolumbien können sich einen Abschuss der Tiere aber nicht vorstellen», sagt der Korrespondent. Umgangssprachlich werden sie Kokain-Hippos genannt.

Die Menschen haben Sympathien für die Tiere und vor allem sind diese eine Touristenattraktion. «Einige sind noch auf dem Gelände der Escobar-Villa. Dort wurde wieder ein Zoo mit einem Escobar-Themenpark eingerichtet. Damit lässt sich Geld verdienen.

Escobar habe in den 1980er-Jahren den kolumbianischen Staat gespalten, sagt der Korrespondent. Er habe die Armen auf seine Seite gezogen, indem er sie unterstützt habe. Die Reichen habe er bezahlt und damit Einfluss auf Gesetze und Justiz genommen.

Heute steckt der Staat in einem Dilemma: «Kolumbien will das Kokain- und Escobar-Klischee loswerden, aber gleichzeitig bewirtschaftet der Staat die Faszination daran», so Karasek.

SRF 4 News, 05.02.2021; 06:45 Uhr; ;

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Für die meisten tödlichen Angriffe von Wildtieren auf Menschen in Afrika sind Flusspferde verantwortlich. So ungefährlich wie viele meinen sind diese Tiere bei weitem nicht.
  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Bevor die Tiere richtig großen Schaden anrichten, sollten die reduziert und die restlichen sterilisiert werden. Mit beschlagnahmten Drogengeldern, ließ sich das bestimmt finanzieren.
    1. Antwort von Mark Stalden  (Mark)
      Im Beitrag steht klar das dies nicht die Lösung ist. "Obwohl die Nilpferde eigentlich zu einer bedrohten Art gehören, können sie laut den einheimischen Biologen nicht anders als durch Abschuss dezimiert werden. Kastration und Sterilisierung hätten zu wenig Wirkung gezeigt."
  • Kommentar von Verena Schär  (Nachdenklich)
    Ich verstehe nicht ganz, warum die Hyppos ein Problem darstellen. Wird aus diesem Artikel nicht ersichtlich. Hypos sind Pflanzenfresse und bedrohen die Fischwelt nicht.
    Sind die Hyppos aggressiv?
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Die invasive Art gefährdet andere Tiere und verändert die Sauerstoffdynamik des Flussbeckens mit konkreten Folgen für das Ökosystem.
    2. Antwort von Namor Brisk  (Namor)
      Eingeführte Tiere stellen meist ein Problem dar. Sie fressen die Nahrung anderer Tiere, beanspruchen derer Lebensraum und haben allgemein Auswirkungen auf das Ökosystem. Ein Nilpferd lässt sich auch nicht einfach so wegscheuchen…:)
    3. Antwort von Christian Baumann  (Christian Baumann)
      Für ausführlichere Informationen siehe

      https://de.wikipedia.org/wiki/Flusspferd#Ein_Neozoon_in_Südamerika

      und die darin zitierte Literatur.
    4. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Flusspferde gelten in Afrika als ziemlich aggressiv und dadurch gefährlich. Sie sind leicht reizbar. Kommt ihnen ein Boot zu nahe, wird es für die Menschen ungemütlich. Geschätzt sterben in etwa 100 Menschen jährlich durch Flusspferde. Dass sie ihre direkte Umgebung verändern, wurde bereits erwähnt.
    5. Antwort von Franz NANNI  (Aetti)
      In Suedafrika, im Kruger NationalPark, da ist / war ein schoener See, besser, sehr grosser Weiher.. und Hyppos.. es war mein Lieblingsort... nun ist er tot... nichts lebt mehr in ihm, nur noch Hyppos ab und zu.. die haben den schoenen Ort "Totgeschissen"... jetzt ein stinkender Sumpf.. und ja sie sind aggressiv, sehr aggressiv! Ihr Biss ist meist toedlich! Und sie fuehlen sich sehr schnell bedroht! Das kann man wohlauch googeln..