Zum Inhalt springen

Header

Audio
Bergbauunglück in Brasilien - Bergbaukonzern will zahlen
Aus Echo der Zeit vom 05.02.2021.
abspielen. Laufzeit 05:51 Minuten.
Inhalt

Probleme in Bergbauindustrie Die brasilianischen Dämme bleiben ein grosses Risiko

Es war Brasiliens grösster Industrie-Unfall: Vor genau zwei Jahren brach der Damm einer Eisenerz-Mine in der brasilianischen Stadt Brumadinho. 259 Menschen starben in der Schlammlawine, elf werden noch immer vermisst. Nun hat der betroffene Bergbaukonzern Vale ein Abkommen zur Zahlung einer Entschädigung von umgerechnet rund sechs Milliarden Franken geschlossen. Gegen den Bergbaukonzern läuft aber immer noch ein Verfahren wegen Mordes. Und die Probleme in Brasiliens Bergbauindustrie bestehen weiter.

Der Schock sass damals in ganz Brasilien tief, besonders weil die Menschen die Bilder von tödlichen Schlammmassen schon kannten. Drei Jahre zuvor war 120 Kilometer von Brumadinho entfernt ebenfalls der Damm einer Eisenerz-Mine gebrochen. Damals starben 19 Menschen.

«Dann ist die Katastrophe eben da»

Es gibt in ganz Brasilien noch über 700 weitere Dämme dieser Art. Das beunruhigt Susanne Friess. Sie ist Expertin für Bergbau beim deutschen Hilfswerk Misereor, das sich seit Jahren für die Opfer der brasilianischen Unglücksminen engagiert. Sie sagt im Interview mit Radio SRF: «Diese Dämme sind tickende Zeitbomben. Der Damm, der gebrochen ist in Brumadinho, der wurde elfmal erhöht und irgendwann kollabierte das. Und dann ist die Katastrophe eben da.»

In vielen Ländern Südamerikas und in Europa sind Dämme dieser Bauweise verboten. Diese sogenannten Upstream-Dämme sind mit grossen Risiken verbunden. Seit Ende letzten Jahres dürfen sie nun in Brasilien nicht mehr gebaut werden. Die bereits gebauten sind aber weiterhin ein Risiko. Derzeit verfügen in Brasilien 55 Dämme über keine gültige Zertifizierung, 45 Dämme sind stillgelegt und könnten jederzeit brechen.

Die nächste Katastrophe lauert bereits

Die nationale Bergbau-Behörde hat Ende letzten Jahres ein Überwachungszentrum eingerichtet. Da sollen die als kritisch eingestuften Dämme ständig per Video und mit Datenanalysen überwacht werden. Aber das reicht nicht.

Die meisten Dämme werden höchstens lückenhaft durch Inspektoren vor Ort beaufsichtigt. Minas Gerais ist mit Abstand der Bundesstaat mit den meisten derartigen Dämmen; von dem in Brasilien geförderten Eisenerz stammt mehr als die Hälfte aus diesem vom Bergbau geprägten Bundesstaat.

Fünf Fachleute für 364 Dämme

Für die 364 Dämme in Minas Gerais sind gerade mal fünf Fachleute für die Überwachung angestellt. Derzeit arbeitet aber nur einer: Einer ist im Urlaub, ein weiterer krank und zwei sind wegen Corona beurlaubt.

Im März soll das Gerichtsverfahren beginnen, um die Verantwortlichen für den Dammbruch von Brumadinho zur Rechenschaft zu ziehen. Doch die nächste Katastrophe lauert bereits.

David Karasek

David Karasek

Südamerika-Korrespondent, SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

David Karasek ist seit Anfang 2021 Südamerika-Korrespondent von SRF. Von 2015 bis 2018 lebte und arbeitete er als freier Journalist in Kolumbien und berichtete aus verschiedenen Ländern wie Ecuador, Venezuela oder Kuba für mehrere Medienunternehmen – unter anderem für SRF, die «Neue Zürcher Zeitung» und den «Tages-Anzeiger». Danach war er als Produzent und Redaktor bei SRF 4 News tätig. Karasek studierte in Bogotá an der Universität Javeriana Politologie.

Echo der Zeit vom 5.02.2021

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Fritz Hostettler  (hoss)
    Brasilien ist schon im Allgemeinen ein Risiko(gebiet). Und seit das Bolsonaro an der Macht ist brechen eh alle Dämme.
    Und die Probleme die dieses Land sonst noch hat sind schon seit Jahren bekannt und dazu gehören die richtigen Dämme.
  • Kommentar von Urs Heinimann  (uh4000)
    Das Hilfswerk Misereor könnte doch 2 ihrer Spezialisten/innen nach Brasilien schicken, um die wegen Corona nicht Arbeitenden zu ersetzen und so aktiv zum Bevölkerungsschutz beitragen.
  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Und dabei war der gebrochene Damm sogar TÜV geprüft! Stehen diese "Prüfer" auch vor Gericht?