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Prominente Opfer Basta! Italienerinnen wehren sich gegen geraubte Fotos

Auf Porno-Seiten und in Foren wurden manipulierte und gestohlene Fotos von prominenten Frauen verbreitet. Jetzt fordern sie Massnahmen.

Auf Porno-Seiten und Online-Foren sind manipulierte Fotos von italienischen Frauen aufgetaucht, darunter auch von prominenten Politikerinnen in gefälschten Sexposen. Betroffen ist zum Beispiel Premierministerin Giorgia Meloni. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Im Internet kursieren tausende geraubte Fotos, auch von Minderjährigen, versehen mit Kommentaren, die zu sexueller Gewalt aufrufen. Oder Fotos, die Ehemänner von ihren Frauen ohne deren Zustimmung publizierten.

«Nicht wir Opfer müssen uns schämen»

Es sind viele Opfer. Lange haben sie nichts gesagt oder wurden nicht gehört. Doch nun ist das Schweigen gebrochen. Gestern in der Hauptausgabe der Rai-Tagesschau sagte die bekannte Journalistin und Moderatorin Valentina Bisti, dass auch sie betroffen sei. «Es war furchtbar zu sehen, wie ein privates Foto von mir, ohne meine Erlaubnis, publiziert und sexistischen Kommentaren ausgesetzt wurde.»

Seit Tagen erzählen Frauen genau das: Dass Fotos, die sie mit Freundinnen und Freunden zum Beispiel auf Instagram teilten, gestohlen, manipuliert und vor allem mit sexistischen, gewaltverherrlichenden Kommentaren versehen wurden. Bisti wehrt sich dagegen, dass man die Schuld daran den Frauen zuweist: «Nicht wir Opfer müssen uns schämen. Das ist Gewalt, Basta! Wir müssen Anzeige erstatten.»

Männer publizieren intime Fotos ihrer Partnerinnen

Das tun nun viele Frauen. Die Internetseite, die Tausende solcher Fotos publizierte, ist unterdessen offline. Gegen solche Seiten vorzugehen, ist gar nicht so einfach. Die Betreiber verstecken sich hinter Decknamen, meist im Ausland. Das Fotomaterial, das sie verwenden, ist zumindest teilweise öffentlich. Aber die Fotos werden ohne Bewilligung publiziert und mit Kommentaren versehen, die oft zu sexueller Gewalt aufrufen. 

Betroffene können wegen Verletzung des Urheberrechts, wegen Diffamierung oder wegen Anstachelns zur Gewalt klagen. Dabei geschieht der Raub von Fotos zum Teil auch in der eigenen Familie. Bis vor kurzem gab es eine rege frequentierte Facebook-Gruppe mit dem Namen «mia moglie», meine Frau. Dort publizierten Männer intime Fotos ihrer Partnerinnen, ohne dass die davon wussten. 

Diese teuflische digitale Maschine gehört demontiert.
Autor: Giorgia Cardinaletti Italienische Moderatorin

Giorgia Cardinaletti ist eine beliebte Tagesschaumoderatorin. Auch ihr wurden Fotos geraubt und mit sexistischen Kommentaren versehen. Cardinaletti fordert eine schnelle Kehrtwende: «Diese teuflische digitale Maschine gehört demontiert.» 

In seltener Einigkeit fordern Frauen und Männer aller politischer Couleur eine Verschärfung der Gesetze. Es bräuchte aber auch eine andere Kultur im Internet und in der Gesellschaft. Respekt vor allem. Ein langer Weg. 

Eines immerhin ist erreicht. Betroffene schämen sich nicht, tun sich zusammen und sagen: «Basta!».

Rendez-vous, 29.08.2025, 12:30 Uhr; noes

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