Zum Inhalt springen

International Proteste in Ägypten münden in Gewalt

Ein Jahr ist der Präsident im Amt und die Ägypter, die Mursi zum Rücktritt auffordern, werden immer lauter und zahlreicher. Im ganzen Land gingen sie auf die Strasse und riefen «Verschwinde!». In der Nacht schlugen die friedlichen Proteste in Gewalt um.

Bei landesweiten Protesten haben hunderttausende Ägypter Präsident Mohammed Mursi zum Rücktritt aufgefordert. Am ersten Jahrestag seines Amtsantritts riefen sie dem Staatschef «Verschwinde!» entgegen. Während die Proteste zunächst friedliche verliefen, kam es später an verschiedenen Orten zu blutigen Zusammenstössen. Mindestens sieben Menschen sind laut den ägyptischen Sicherheitsbehörden getötet worden. Weitere 600 wurden verletzt.

In der südlichen Provinz Assiut eröffneten bewaffnete Männer auf einem Motorrad das Feuer auf protestierende Aktivisten, wie die Sicherheitsbehörden melden. Dabei seien drei Menschen getötet und mindestens acht verletzt worden. Ein Demonstrant starb laut lokalen Medienberichten in der ebenfalls südlichen Stadt Bani Sueif bei Zusammenstössen zwischen Unterstützern und Gegnern Mursis. Zudem seien mehrere Büros der Muslimbruderschaft mit Brandsätzen angegriffen worden, unter anderem im Kairoer Stadtteil Mokattam.

Grösste Demo in Kairo

Rund 500'000 Ägypter sind am Sonntagabend auf dem Tahrir-Platz im Zentrum der Hauptstadt Kairo zusammengekommen, um Präsident Mohammed Mursi zum Rücktritt zu bewegen. «Die Menschen wollen den Sturz des Regimes», riefen die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz, der bereits das Zentrum des Aufstands von 2011 war. 

Legende: Video «Ägypter lehnen sich gegen Mursi auf» abspielen. Laufzeit 4:26 Minuten.
Vom 30.06.2013.

Wenige Kilometer von den Protestierenden entfernt versammelten sich im Kairoer Vorort Nasr-City Zehntausende Anhänger der islamistischen Parteien, um ihre Solidarität mit Mursi zu bekunden. Einige von ihnen trugen Stöcke bei sich.

Militärhubschrauber kreisten über der Stadt. Viele Menschen gingen aus Angst vor gewalttätigen Ausschreitungen am Jahrestag des Amtsantritts von Präsident Mohammed Mursi nicht zur Arbeit. Tausende von Ausländern hatten Kairo am Samstag verlassen.

Laut dem Gesundheitsministerium wurden die Spitäler in Alarmzustand versetzt. Bereits in den vergangenen Tagen hatte es in Kairo und anderen Städten Demonstrationen von Gegnern und Anhängern Mursis gegeben. Acht Menschen wurden dabei getötet.

Auch in der Hafenstadt Alexandria, in Port Said und in der Tempelstadt Luxor gingen Menschen auf die Strassen. In einem südlichen Kairoer Stadtteil explodierte ein selbst gebauter Sprengsatz. Das Innenministerium erklärte zudem, dass in den vergangenen Tagen zahlreiche Gewehre beschlagnahmt worden seien.

22 Millionen Unterschriften gegen Mursi

Ziel der Protestbewegung ist es, Mursi zum Rücktritt zu zwingen. Die Opposition wirft Mursi vor, nicht wie versprochen als Präsident aller Ägypter zu handeln, sondern vor allem die Macht der Muslimbruderschaft auszubauen. Die massiven wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes gehe er nicht an. Deshalb habe er seine Legitimität verloren und müsse abtreten.

Mursi betonte unterdessen, an seinem Amt festhalten zu wollen und bot erneut an, die islamistisch geprägte Verfassung des Landes zu überarbeiten. Diese war Ende vergangenen Jahres per Volksabstimmung in Kraft gesetzt worden. Die Kritik reisst seither allerdings nicht ab.

Die Protestbewegung «Tamarud» (Rebellion) hat in den vergangenen Monaten nach eigenen Angaben über 22 Millionen Unterschriften von Bürgern gegen Mursi gesammelt. Ägypten hat insgesamt rund 80 Millionen Einwohner.

5 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von B. Muller, Zurich
    Für eine Demorkatie muss ein Volk zuerst einmal demokratiefähig sein. Davon ist der Mittlere Osten noch zu weit entfernt. Es herrscht dort trotz moderner Technologie aus dem Westen noch immer das Mittelalter. Leider gehören dazu auch moderne Waffen, geliefert vor allem von den Kommunisten, deren Ziel es ist, ein Land zu destabilisieren. Wie in Afrika, Vietnam, Afganistan etc
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von B. Kneubühler, Luzern
    Was, wenn Putin schwul wäre?????
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Marco DeZonc, Solothurn
    Es wird wohl einige Zeit verstreichen, bis ich wieder Ferien in einem Land buche, wo brüllende Männer und schreiende Frauen Steine werfen. Wieso nur machen sich die Moslems das Leben so schwer. Wir sind doch nicht von Frauen geboren worden um diese dann so zu unterwerfen und andersgläubige als Heiden abzustempeln. In moslemischen Ländern fühlen sie sich nicht wohl und hier möchten dieselben den Islam einführen. Das ist in sich ein Wiederspruch.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Alois Wutz, Gerlafingen
      Religion an sich ist ein Widerspruch, respektive die Leute, welche die vor tausenden Jahren angeblich aufgeschriebenen Lehren nach ihrem Gusto auslegen und anwenden. Ein ewiges Spiel um Macht und Unterdrückung. In Aegypten ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis das Militär eingreift und danach wird ein Genaral den Tarif durchgeben...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von JP.Simon/ Nietzscheaner, Bern
      ....ein General den Tarif durch geben, wenn, dann unter Federführung von Washington.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen