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Proteste in den USA Eine Nation glaubt zu ersticken

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US-Gewaltwelle ebbt nicht ab
Aus Tagesschau vom 31.05.2020.
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Die Bilder sind dramatisch: Ausschreitungen, Tränengas, geplünderte Läden, brennende Autos – in Minneapolis, Los Angeles, Atlanta, New York oder vor dem Weissen Haus. Militärpolizei in mehr als der Hälfte der Bundesstaaten und über 2500 Verhaftungen. Aufgewühlte Menschen. Verletzte auf beiden Seiten, drei Todesopfer. Chaos. Rage.

Was dabei vergessen geht: Die Mehrzahl der Proteste ist friedlich, doch niemand berichtet gerade darüber. Die Kameras sind auf die paar hundert gewalttätigen Protestler gerichtet, die an verschiedenen Schauplätzen in den USA jeweils die Auseinandersetzung mit den Sicherheitskräften suchen. In Minneapolis fotografieren die angereisten Journalisten dieselbe geplünderte Ladenstrasse wieder und wieder. Ja, die Ausschreitungen sind real – aber sie sind auch lokal.

Hupkonzerte dringen tiefer

Breiter, tiefer ist das Protestpotential der Masse der friedlichen Demonstrierenden. Sie treibt eine diffusere, aber nicht mindere Wut auf die Strasse. In Washington D.C. veranstaltete die Organisation «Black Lives Matter» beispielsweise eine Autokarawane, #WeKeepUsSafe lautete das Motto. Frauen, Männer, weiss, schwarz, alt, jung hupten und fuhren in vielen hunderten von Autos durch die Innenstadt. «Wir konnten nicht mehr zu Hause sitzen und die News schauen», sagen sie. Oder einfach: «Wir haben die Nase voll.» Viele halten Präsident Trump für einen gefährlichen politischen Brandstifter. Alle sagen, sie seien verstört, seit sie das Video gesehen hätten, in dem der des Mordes angeklagte Polizist aus Minneapolis dem schwarzen Bürger George Floyd das Knie in den Nacken drückt, bis er erstickt.

Seine letzten Worte: «I can’t breathe» werden zum Kampfruf der Menschen in den USA, die zunehmend unter akuten Erstickungsgefühlen leiden. Sie können nicht mehr atmen in einer politischen Atmosphäre des Hasses und der Menschenverachtung. Sie haben während der Pandemie ihre Jobs verloren oder wissen nicht, wie es mit der Ausbildung weitergeht. Sie kommen aus der monatelangen Lockdown-Isolation und haben Angst, sich anzustecken. Sie fragen sich: «Warum müssen wir das ertragen?». Sie protestieren gegen exzessive und rassistische Polizeigewalt, für George Floyd und die Rückkehr der amerikanischen Zuversicht.

Isabelle Jacobi

Isabelle Jacobi

USA-Korrespondentin, SRF

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Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. Danach war sie in New York als freie Journalistin tätig. 2008 kehrte sie zu SRF zurück, als Produzentin beim Echo der Zeit, und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist Jacobi USA-Korrespondentin in Washington.

Tagesschau, 31.05.2020

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87 Kommentare

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  • Kommentar von Dorothea Sullivan  (D S)
    Nach der Lektüre verschiedener Bücher (gut recherchierte Romane und Autobiographien), die ich sehr empfehle, habe ich den Eindruck, dass es für "Weisse" - egal ob Europäer oder Amerikaner - auch wenn man sich als noch so antirassistisch einstuft - , es fast ein Ding der Unmöglichkeit ist, "Schwarze" oder wohl jegliche andere Ethnie wirklich zu verstehen.
    - Kleine grosse Schritte von Jodi Picoult
    - Black like me von John Howard Griffin
    - Becoming von Michelle Obama
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    1. Antwort von Dorothea Sullivan  (D S)
      Kleine Präzisierung : ... es fast ein Ding der Unmöglichkeit ist, ihre Situation wirklich zu verstehen, sprich sich in sie hineinzuversetzen.
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    2. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Man muss trotzdem versuchen zu lernen. Das braucht aber Einsicht und die Staerke sich selber kritisch zu hinterfragen. Fehler zugeben verlangt Charakterstaerke, davon haben nicht alle gleich viel. Denn, niemand wird von sich selber denken man sei Rassist. Fast jeder der bezichtigt wird etw. fremdenfeindliches oder rassistisches von sich gegeben zu haben wird sofort sagen: 'Ich bin aber kein Rassist!' Anstatt zuerst zu hinterfragen ob das Gesagte das Gegenueber eventuell verletzt haben koennte.
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    3. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Der Vergleich von Mikroaggressionen und Mueckenstichen in Bezug auf Rassismus ist ein oft gebrauchtes Bild. Ein Mueckenstich alle paar Monate ist nicht so schlimm, das vertraegt man auch wenn man sensible ist. Immer wieder Mueckenstiche jeden Tag aber, ist extrem nervig, egal wie sensibel man ist. Nur sieht man die angesammelten Mueckenstiche dem Gegenueber nicht an, und wenn dann noch einer dazu kommt, und das Gegenueber sich nervt darob, kann man leicht sagen, 'Ach sei nicht so sensibel'.
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    4. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Vlt. koennten die Ablehner statt nur abzulehnen ja auch noch Stellung dazu nehmen?
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    5. Antwort von Charles Grossrieder  (View)
      Dem ist sicher so, und wahrscheinlich nicht ohne Grund; andere Ethnien andere Sitten und Kulturen. Ethnien bleiben Von Grund her Ethnien egal der Landesgrenzen. Das Ziel sollte sein harmonisches zusammenleben. Nicht seine Ideology über jene anderer stellen, oder gar eintrichtern wollen. Wenn schon dann eine neue Kultur/Ideology zusammen aufbauen. Was Kanada ziemlich gut hinkriegt; aber in den USA vom Denken her, noch lange dauern wird. Das ist z.B. schon an der Macht der NRA her zu sehen.
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  • Kommentar von Nunzio DiResta  (Nunzio)
    Die Welt des Neoliberalismus und ihre kleine (weisse) Schicht der Profiteure und Milliardäre, sie wird immer mehr zu einem System der Repression gegenüber einer Mehrheit, die immer mehr ausgeschlossen werden soll von jeder Teilhabe. Weiss gegen Schwarz, ein willkommenes Ablenkungsmanöver, dass gewährleistet, dass diejenigen, die Zusammenhalten sollten, einander bis aufs Blut hassen.
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  • Kommentar von Monika Mitulla  (momi)
    Hier handelt es sich um soziale Proteste. Warren Buffett sagte einmal: "Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen". Die Tötung des Schwarzen George Floyd war nur der berühmte Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte.
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