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Apps führen zu regierungstreuen und -kritischen Geschäften
Aus Tagesschau vom 23.11.2019.
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Proteste in Hongkong Apps teilen die Geschäftswelt in Freund und Feind ein

Restaurants und Läden mit Sympathie für die Proteste werden unterstützt. Regierungstreue Betriebe boykottiert.

Der Kampf für mehr Demokratie in Hongkong ist im Alltag angekommen. Es kursieren immer mehr Apps und Webseiten, welche die Haltung von Restaurant- und Ladenbesitzer offenlegen.

Ich will jene unterstützen die gleich denken wie ich.
Autor: Lok HinAktivist

Regierungskritische Betriebe erhalten ein gelbes Gütesiegel, regierungstreue ein blaues. Gelb ist die Farbe der Regenschirm-Bewegung. Blau steht für Polizeiuniformen.

Restaurant hat an den Protesten gratis Essen verteilt

Vor dem Take-Away Hungry Dino warten Lok Hin und Hanna in der Schlange. Das Paar geht nur noch in Restaurants mit gelber Gesinnung essen: «Ich will jene unterstützen die gleich denken wie ich.» Lok Hin nutzt eine Google-Karte, seine Freundin einen Instagram-Account.

Carly wiederum weiss aus erster Hand, dass das Hungry Dino regierungskritisch ist: «Ich war an den Protesten und habe gesehen, dass die Mitarbeiter gratis Reiskugeln verteilten.»

Tim Law, Manager des Take-Aways, engagiert sich seit Juli in der Protestbewegung: «Ich habe gelesen, dass es Junge gibt, die nicht nach Hause können, weil sie eine andere politische Meinung haben als ihre Eltern.»

Wegen den Protesten kamen nur 10 statt 150 Kunden

Seither haben er und sein Team 8000 Reiskugeln an Demonstranten verschenkt – obwohl der Betrieb unter den Protesten leidet. «Metrostationen waren geschlossen und Strassen blockiert», sagt Tim Law. An gewissen Tagen kamen nur 10 Kunden statt wie sonst 150.

Es gibt berühmte Geschäftsleute, die sich öffentlich hinter die Regierung stellen. Ich will denen nicht mein Geld geben.
Autor: Plastic FlowerApp Entwickler

Wie viele dieser Wegweiser es gibt, ist unklar. Der Entwickler mit dem Alias Plastic Flower gehörte zu den ersten, welche eine entsprechende Seite programmierten. «Es gibt berühmte Geschäftsleute, die sich öffentlich hinter die Regierung stellen. Es ist im Grunde ganz einfach», sagt Plastic Flower. «Ich will denen nicht mein Geld geben.»

Social-Media-Portale enthüllen die Gesinnung

Jeden Tag nutzen rund 6000 Konsumenten neoguidehk.com. Und es werden täglich mehr. Die Plattform listet aktuell 1786 Betriebe. Knapp 60 Prozent gelten als gelb. Plastic Flower und sein Team von 20 Freiwilligen haben jeden der knapp 1800 aufgeführten Betriebe auf ihre Gesinnung überprüft.

Dazu nutzen sie öffentlich zugängliche Quellen wie Social-Media-Profile oder Zeitungsartikel. «Wenn ein Besitzer auf Facebook seine Meinung sagt, egal ob es für oder gegen die Regierung ist, machen wir einen Screenshot und verlinken das auf unserer Webseite», so der Entwickler.

Gibt es Zweifel oder beklagt sich ein Betrieb, werde der Eintrag vorübergehend stumm geschaltet, bis die Angaben überprüft seien. Die Plattform unterteilt die Geschäftswelt in zwei Klassen. Immer wieder werden regierungstreue Betriebe verwüstet. Plastic Flower lässt nicht gelten, dass solche Plattformen Angriffe begünstigten. Gerade bei den Besitzern der grossen Ketten wisse man längst wo sie stünden – ohne sein Zutun.

Essen sollte der Grund für die Restaurantwahl sein

Tim Law vom Take-Away Hungry Dino ist auch auf neoguidehk.com gelistet. Er freut sich über die Unterstützung seiner Kunden, ist aber trotzdem hin und her gerissen: «Die gelbe Gesinnung sollte nicht der Hauptgrund für die Restaurantwahl sein, sondern das Essen.»

Trotzdem profitiert sein Take-Away. Die Gäste Lok Hin und Hanna sind vergeblich angestanden. Um Viertel vor Acht, waren bereits alle Gerichte ausverkauft.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser  (Klarsicht)
    Diese Chinesendiktatur kann man nur mit den eigenen Waffen schlagen. Das digitale System schlägt nun zurück . Die Jungen sind selbstbewusst und lassen sich nicht mehr versklaven und traktieren wie einst ihre Eltern noch. Das wird weltweit nun so weiter gehen und der Neoliberalen Fratze das Ende bereiten .
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  • Kommentar von Christa Wüstner  (Saleve2)
    Eine sehr gute Vorgehensweise, sich so gegen die Diktatur Chinas zu wehren. Nur zwei
    Dinge sollten sie bedenken, man vertreibt damit auch dem Inhaber die Kunden, obwohl
    er zu den gelben Einträgen gehört, genau wie dem Regierungstreuen die anderen.
    Ausserdem nicht über das Ziel schiessen, zerschlagen muss man die Einrichtungen der
    Gegner nicht auch noch.
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