Zum Inhalt springen

Header

Audio
Weitere Proteste in Hongkong trotz Schlägertruppen
Aus Echo der Zeit vom 27.07.2019.
abspielen. Laufzeit 03:51 Minuten.
Inhalt

Proteste in Hongkong Es geht um mehr als das Auslieferungsgesetz

Die Proteste gehören in Hongkong diesen Sommer schon fast zum Alltag – heute nun trugen die Aktivisten ihre Forderungen an jenen Ort, an dem Passagiere in der U-Bahn von Triaden-Schlägern brutal verprügelt wurden.

Schirme fliegen durch die Luft, in Richtung Polizisten – diese schiessen Tränengas zurück in die Menge. Die Protestierenden sind aufgebracht, einige von ihnen blenden die Polizisten mit Lasern.

Die Kundgebung ist nicht bewilligt – trotzdem sind sie gekommen. Schüler und Studentinnen, Angestellte und Arbeiter. Bis nach Yuen-Long, einem Vorort von Hongkong unweit der chinesischen Grenze.

Auch Lam Cheuk-ting ist hier. Lam ist Abgeordneter im Stadtparlament, er gehört zur Demokratischen Partei – und somit zur Opposition. Er wünsche sich eigentlich eine friedliche Demonstration.

Es geht um Demokratie

Denn: Gewalt hat Lam am eigenen Leib erfahren. Er trägt seinen rechten Arm in der Schlinge, gebrochen wurde er von Gangstern, beim brutalen Überfall auf die U-Bahnstation hier in Yuen-Long vor einer Woche. «Seit dieser Attacke ist den Hongkongern bewusst geworden, dass die chinesische und die Hongkonger Regierung – ja die Polizei, es den Gangstern erlaubt, Zivilpersonen anzugreifen», sagt Lam.

Demonstranten stossen mit der Polizei zusammen in Hongkong.
Legende: In Hongkong ist es zu schweren Ausschreitungen zwischen der Polizei und regierungskritischen Demonstranten gekommen. Keystone

Und die Menschen würden jetzt erst recht für ihre Freiheiten demonstrieren. Ihre Forderungen gehen längst über das umstrittene Auslieferungsgesetz und die Rücktrittsforderung hinaus: «Am Ende wollen wir Demokratie, wir wollen das allgemeine Wahlrecht – auch in Hongkong. Das wurde uns von Peking versprochen, bevor Hongkong nach China zurückkehrte. Ich weiss, das wird sehr schwierig sein. Aber wir werden weiter dafür kämpfen.»

«Die Demonstranten haben es verdient»

Ständig wird Lam Cheuk-ting von Demonstranten unterbrochen, sie wollen ihm die Hand schütteln – andere posieren für ein Selfie mit ihm. Der Abgeordnete ist hier ein Held, er steht stellvertretend für die Opfer des Angriffs der Mafia-Schläger. Dass die Polizei diese gewähren liess, daran zweifelt an der Demonstration niemand.

Doch: Viele Anwohner in Yuen-Long haben kein Mitleid mit den Aktivisten. Auch Herr Huang nicht. Er ist Mitte fünfzig, lehnt lässig an einem Zaun, trägt ein weisses T-Shirt, so wie auch die Angreifer vor einer Woche. Ein paar Schläge würden diesen Aktivsten ganz guttun, findet er. Hat er etwa selbst mitgemacht? Huang schaut seine Kollegen an, und lacht: «Ich prügle nicht gerne, wirklich! Aber diese Demonstranten, diese Randalierer haben es doch verdient.»

Video
Schwere Ausschreitungen bei erneuten Protesten in Hongkong
Aus Tagesschau vom 27.07.2019.
abspielen

Zurück nach Yuen-Long

Yuen-Long – der Ort ist bekannt für seine Mafia-Netzwerke. Sogenannte Triaden. Auch dafür zeigen Herr Huang und seine Freunde Verständnis. «Die gibt es doch überall. Ich kann also nicht verneinen, dass es auch hier welche gibt», sagt er. «Das organisierte Verbrechen – das sind doch auch nur Menschen, die müssen irgendwo leben. Wenn sie angegriffen werden, dann wehren sie sich eben.»

Später am Abend blockieren Demonstranten auch noch die U-Bahnstation von Yuen-Long – wehren sich mit Feuerlöscher gegen die Polizei. Morgen Sonntag sind weitere Kundgebungen geplant, ebenfalls unbewilligt. Die Spirale der Gewalt wird sich weiterdrehen. Die Regierung wird den Forderungen der Demonstranten nicht nachgeben.

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Ursula Keller  (Note)
    Und die Regierung arbeitet selbstverständlich mit "Triade-Schlägern" zusammen. Ist doch logisch! Einfach zu wenig erfinderisch die heutigen Journis - Hollywood wird im 21. Jh. als Bashingreservoir nicht mehr genügen können.
  • Kommentar von Ursula Keller  (Note)
    Diese Mini-Strassenschlachten sind meiner Ansicht nach längst von NGOs und Think Tanks mitorganisierte Provokationen, die aus der anfänglich ehrlichen Befürchtung nun gerne Profit schlagen und eine Art "Colour-Revolution" anstacheln möchten. Die "Protestler" sind zunehmend professionell ausgerüstet (inkl. Schlagstöcken) und mit Presseleuten geradezu überhäuft. Und wie immer lobt unsere Presse im Ausland, was sie im Inland heftigst verurteilen würde.
    1. Antwort von M. Fretz  (MFretz)
      Also sind der Kampf für Rechtsstaat und Demokratie eine Verschwörungstheorie?
  • Kommentar von martin blättler  (bruggegumper)
    Gehen wir auf die Erpressung der EU ein und unterschreiben
    die Kolonialverträge,könnten solche Bilder bald in unserer Heimat
    entstehen,wenn Bürger Demokratie und Abstimmungen fordern und
    EU-Turbos EU- Gesetze über unsere Verfassung stellen.
    1. Antwort von M. Fretz  (MFretz)
      Gibts irgendwann mal mit Substanz oder reichts nur diesen plumpen EU-Hass?