Zum Inhalt springen

Header

Audio
Wer sind Lukaschenkos Unterstützer?
Aus SRF 4 News aktuell vom 28.08.2020.
abspielen. Laufzeit 06:03 Minuten.
Inhalt

Proteste in Weissrussland Russland-Korrespondent: «Lukaschenkos Fans sind jetzt Komplizen»

In Minsk sind erneut zahlreiche Demonstranten festgenommen worden. Und auch international steht Lukaschenko unter massivem Druck. Die EU anerkennt seine Wahl nicht an und hat Sanktionen gegen Weissrussland beschlossen. Trotzdem sind sie noch da, die Menschen, die den langjährigen Machthaber unterstützen. SRF-Korrespondent David Nauer glaubt angesichts der Proteste jedoch, dass die Anhänger inzwischen in der Minderheit sind.

David Nauer

David Nauer

Russland-Korrespondent, SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

David Nauer ist Korrespondent von Radio SRF in Russland. Von 2006 bis 2009 hatte Nauer für den «Tages-Anzeiger» aus Moskau berichtet, anschliessend aus Berlin.

SRF News: Wer unterstützt den weissrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko – abgesehen von Wladimir Putin in Moskau?

David Nauer: Das sind, vereinfacht gesagt, Leute, die eher älter sind, die eher auf dem Land leben und die eher eine tiefe Bildung haben. Und viele dieser eisernen Lukaschenko-Fans sind zudem direkt von staatlichen Zuwendungen abhängig. Sie sind Rentner, Beamte oder Arbeiter in staatlich kontrollierten Firmen. Und viele sind eher konservativ. Das heisst, sie wollen nicht, dass sich etwas ändert. Aber auch bei der Elite des Landes gibt es noch solche, die ihn unterstützen. Die bürokratischen Eliten im oberen Staatsapparat sind zweifellos ein weiterer Pfeiler, auf den sich Lukaschenko stützen kann.

Diese Leute verdanken dem Regime nicht nur ihre Jobs. Sie haben sich zum Teil auch schuldig gemacht.

Das sind Leute, die dank ihm aufgestiegen sind, die zum Teil auch reich geworden sind. Dazu kommt der Sicherheitsapparat, die Polizei, der Geheimdienst, auch die Justiz. Diese Leute verdanken dem Regime nicht nur ihre Jobs. Sie haben sich zum Teil auch schuldig gemacht. Sie haben Menschenrechtsverletzungen begangen, und sie sind jetzt Komplizen von Lukaschenko. Klar, dass auch diese Leute das System verteidigen.

Haben die Unterstützer Lukaschenkos schlicht Angst vor dem, was nach einem allfälligen Sturz des Diktators kommen könnte?

Ja. Die einfachen Leute haben in der Regel wenig. Sie haben Angst, dass sie das wenige, das sie haben, auch noch verlieren, wenn Lukaschenko stürzt. Ganz unbegründet ist diese Furcht nicht. Denn wenn es zu grossen Umwälzungen kommt, wenn sein System zusammenbricht, dann sind es diese Leute, die sich am wenigsten in der Lage sind, sich neuen Gegebenheiten anzupassen. Und aus Sicht dieser Menschen ist es durchaus rational, sich für Lukaschenko einzusetzen. Die Profiteure des Systems haben sehr viel zu verlieren: Job, Geld, Status und manchmal vielleicht auch ihre Freiheit – etwa Polizisten, die Gefangene gefoltert haben.

Kann man sagen, wie zahlreich diese Unterstützer noch sind?

Das zu beziffern ist schwierig. Lukaschenko hat sicher noch einen gewissen Rückhalt. Es sind Hunderttausende, vielleicht sogar Millionen, die hinter ihm stehen. Aber der Widerstand gegen sein System ist zahlenmässig sehr gross.

Lukaschenko ist gegen den Willen einer Mehrheit der Bürger an der Macht und will es bleiben.

Wie dieses Kräfteverhältnis aussieht, weiss man nicht. Das liegt auch daran, dass die Präsidentschaftswahl gefälscht wurde. Man kann vermuten, dass Lukaschenko keine Mehrheit hatte. Sonst hätte er sie nicht so dreist fälschen müssen, und müsste nun auch nicht derart brutal gegen die Opposition vorgehen. Man kann mit einer gewissen Sicherheit sagen, dass Lukaschenko gegen den Willen einer Mehrheit der Bürger an der Macht ist und bleiben will.

Das Gespräch führte Claudia Weber.

SRF 4 News, 28.08.2020, 06:45 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

43 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Adriano Granello  (adgr)
    Mit der ersten und zweiten Teilung Polens gelangte das Gebiet des heutigen Weißrussland bis 1793 vollständig unter russische Herrschaft, was von der russischen Seite als eine Wiedervereinigung gesehen wurde. Der Anschluss der Weißen Rus wurde durch Katharina die Große ... vollzogen – „ich habe das Entrissene zurückgeholt“.(Quelle Wikipedia). Wladimir Wladimirowitsch Putin möchte "das erneut Entrissene" seit langem schon zurückholen, Aljaksandr Lukaschenka stellte sich allerdings bisher dagegen.
  • Kommentar von Franz NANNI  (Aetti)
    Logisch will er an der Macht bleiben... ansonsten, und das weis er ganz genau wird er das Land verlassen muessen und irgndwo um Asyl betteln.. Logisch habe seine engsten Unterstuetzer Angst vor denselben Folgen... aber der Zahltag naht...
  • Kommentar von Adriano Granello  (adgr)
    Wenn "der Westen" glaubt, nach dem Sturz von Lukaschenka würden in Belarus Freiheit und Demokratie einkehren, ist das ein Fehlschluss. Das Land ist eng mit Russland verwoben, die Eigenstaatlichkeit garantiert ausgerechnet Diktator Lukaschenka. Ist er erst weg, wird das Land wohl sehr bald die "Wiedervereinigung" mit Russland anstreben, so wie es Putin schon lange vorgesehen hat. Von der einen Diktatur in die nächste...
    1. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Adriano Granello, was ist denn für sie Demokratie? So wie in der Schweiz, wo zwar Abgestimmt werden kann, aber der Volkswille nicht umgesetzt wird? Oder Demokratie wie in Deutschland wo alle 4 Jahre Gewählt werden kann, das Volk aber sonst nichts zu sagen hat? Oder der Demokratie wie sie in den Irak, in Libyen oder Syrien usw. " gebracht " wurde?
    2. Antwort von Adriano Granello  (adgr)
      @Konrad Schläpfer: Demokratie bedeutet für mich echte Gewaltenteilung und ein funktionierendes, gerechtes Rechtssystem. Plus weitgehende politische Transparenz. Und Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Recht auf freie Meinungsäusserung. Und wohl oder übel auch die Regel, eine Abstimmungs-Niederlage selbst bei 49% zu 51% akzeptieren zu müssen. In der westlichen Welt gibt es zwar auch viele politische Ränkespiele und Machenschaften, aber im Prinzip funktioniert hier die Demokratie.