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Schweizer Fotograf in Hongkong vor Gericht
Aus SRF 4 News aktuell vom 09.09.2020.
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Prozess in Hongkong Schweizer Fotograf überschreitet Pekings «rote Linie»

Dem Romand Marc Progin droht wegen «Unruhestiftung» im schlimmsten Fall ein Jahr Gefängnis. Heute beginnt der Prozess.

In Hongkong steht heute ein Schweizer vor Gericht: Der Romand Marc Progin. Dem freischaffenden Fotografen wird öffentliche Unruhestiftung und Mithilfe bei einem Angriff auf einen chinesischen Staatsbürger vorgeworfen. Das machte das Westschweizer Fernsehen RTS publik.

Hintergrund der Vorwürfe: Progin ist im Herbst 2019 in Hongkong, als pro-demokratische Demonstranten einen chinesischen Banker bedrängen. Ein Mann in Sturmhaube schlägt auf diesen ein. Progin fotografierte die Szene, wie er im welschen Fernsehen sagt.

Marc Progin im Interview mit RTS (06.09.2020, ab Minute 34:44)

Die Polizei hoffe wohl, mithilfe seiner Fotos den Übeltäter identifizieren zu können, sagt Progin. Deshalb habe man ihn verhaftet. Nun droht dem 74-Jährigen im schlimmsten Fall ein Jahr Gefängnis.

Ein Schweizer Fotograf vor Gericht in Hongkong – das sei ein aussergewöhnlicher Fall, sagt Steffen Wurzel, China-Korrespondent von der ARD. «In Hongkong stehen ausländische Journalistinnen und Journalisten nicht sehr häufig vor Gericht. Und auch wenn Herr Progin kein ‹klassischer› Journalist ist: Er war vor Ort klar erkennbar als Fotograf.»

Kein alltäglicher Fall – aber ein böses Omen

Tatsächlich sieht man Progin auf Videos, die im Netz kursieren. Auf den Aufnahmen trägt er eine Signalweste; solche tragen jeweils auch ausländische Berichterstatter, um kenntlich zu machen, dass sie nicht Teil des Demonstrationszugs sind.

Marc Progin
Legende: Dem freischaffenden Fotografen Marc Progin droht wegen Aufnahmen an einer Protestkundgebung eine Haftstrafe. Keystone

Dass eine derart gekennzeichnete Person aus dem Ausland vor Gericht gestellt werde, sei alles andere als alltäglich, so Wurzel. Aber: «Es passt auch ins Bild, denn es folgt einem Trend.» Denn ganz grundsätzlich sei journalistisches Arbeiten in Hongkong in den letzten Jahren deutlich schwieriger geworden. «Das gilt für Auslandskorrespondenten, aber erst recht für die sehr vielen Journalisten aus Hongkong selbst.»

Die Regierung in Peking entzieht der Hongkonger Protestbewegung zusehends die demokratischen Rechte. Und auch für Journalisten wird die Luft dünner, berichtet Wurzel. Es herrsche eine grosse Unsicherheit: «Ein Professor der Journalismus-Fakultät an der University of Hongkong erklärt es so: Niemand weiss, wo die rote Linie verläuft.»

In der Konsequenz setzt eine Art Selbstzensur ein, eine Schere im Kopf.
Autor: Steffen WurzelChina-Korrespondent der ARD

Was die pekingtreuen Behörden und der Sicherheitsapparat dulden und wo die Grenze zur Illegalität verläuft, ist demnach zunehmend unklar.

Die Schere im Kopf

Für den deutschen Journalisten folgt dies einem ähnlichen Prinzip wie das «Sicherheitsgesetz», das die Hongkonger Regierung gegen den Willen der Demokratiebewegung durchgesetzt hat: «Diese Schwammigkeit gibt es in Festland-China schon seit vielen Jahren. In der Konsequenz setzt eine Art Selbstzensur ein, eine Schere im Kopf.»

Heisst: Im Zweifel würden chinesische Journalistinnen und Journalisten auf kritische Berichterstattung verzichten, um das eigene Medium, die eigene Existenz und Familie zu schützen. «Und viele in Hongkong sind sich einig, dass wir gerade genau das erleben», so Wurzel.

Video
Trotz Sicherheitsgesetz wieder Demonstrationen in Hongkong
Aus Tagesschau vom 06.09.2020.
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Heute Morgen vom 09.09.2020, 6:15 Uhr;

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas F. Koch  (dopp.ex)
    Gestern berichtete die BBC über die Rückkehr der letzten beiden australischen Journalisten aus China.
    Diese wurden mussten vorab in die AUS-Botdchaft fliehen und die Ausreise wurde nur erlaubt, mit vorgängigem Polizeiverhör (us über Hong Kong) Alles nur, weil China zunehmend eine über diverse Punkte umfassende politische Auseinandersetzung mit Australien hat.
    Presse- und allgemeine Freiheiten sehen anders aus.
    1. Antwort von Charles Grossrieder  (View)
      Eher ein “tit for tat” Herr Koch. Der australische Geheimdienst hatte ja auch chinesische Journalisten vernommen. Aber die BBC meldet das natürlich nicht von einem der UK Five Eyes Partner.
  • Kommentar von Verena Schär  (Nachdenklich)
    Sehr interessante Bilder.

    rts.ch/galeries/10674734-les-photos-de-marc-progin-a-hong-kong.html
  • Kommentar von Verena Schär  (Nachdenklich)
    Mich würde interessieren, was Bundesrat Cassis dazu sagt und ob die Schweiz und der gesamte BR interveniert (hat).
    Ausserdem beeindruckt es mich sehr die Demonstranten zu sehe, die Masken tragen. Eindrücklich dieses Verständnis von Demokratie, welche den Nächsten und die Gemeinschaft, miteinschliessen. Da könnten sich die Eurodemonstranten noch was abschauen.
    Hoffe sehr, dass SRF News weiter darüber berichtet.
    1. Antwort von Andreas Morello  (Andreas Morello)
      Ich gehe davon aus, dass Herr Progin den konsularischen Schutz des Schweizer Generalkonsulats in Hong Kong in Anspruch genommen hat.

      Ob darüber hinaus die Schweiz auch auf diplomatischen Weg tätig geworden ist, werden wir wohl frühestens erfahren wenn Herr Progin zurück in der Schweiz ist.