Putin zu Kerry: «Sie lügen wunderschön»

Kein Krieg auf Verdacht: Russland misstraut den Belegen der USA für einen Chemiewaffeneinsatz Assads in Syrien. Putin bezichtigt US-Aussenminister in der Debatte gar der Lüge.

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Bildlegende: Will keinen Krieg ohne objektive Beweise: Russlands Präsident Wladimir Putin. Keystone

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Auf der Flucht

Aus Angst vor einem Militärschlag der USA haben erneut Hunderte Russen Syrien verlassen. Innerhalb von zwei Tagen traten rund 700 russische Staatsbürger die Heimreise nach Moskau an, wie es gemäss Flughafenkreisen heisst.

Kremlchef Wladimir Putin hat die USA dazu aufgefordert, ihre Beweise für einen Giftgaseinsatz in Syrien vom UNO-Sicherheitsrat prüfen zu lassen. Erst wenn objektiv feststehe, wer einen möglichen Giftgasangriff zu verantworten habe, werde Moskau «äusserst entschieden» reagieren. Dies sagte Putin im TV-Sender Channel One.

Russland: Giftgasangriff der Rebellen

Syriens Verbündeter Russland hat bereits mehrfach Resolutionen im Sicherheitsrat zur Verurteilung der Gewalt in Syrien verhindert. Das Land geht davon aus, dass Rebellen hinter den Giftgasangriffen stecken – nicht Präsident Baschar al-Assads Regierung.

Zudem attaktiert Putin US-Aussenminister John Kerry frontal – er bezichtigt ihn gar der Lüge. Putin verwies auf Kerrys Aussage vor dem US-Kongress zur Rolle der Al-Kaida im Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad. Der Minister habe auf Anfrage eines Abgeordneten erklärt, die Al-Kaida sei nicht beteiligt.

«Sie lügen natürlich wunderschön», sagte Putin. «Die Einheiten der Al-Kaida sind die tragende militärische Säule und das wissen sie», sagte Putin über die USA. «Wir reden mit ihnen, wir gehen von der Annahme aus, dass sie anständige Leute sind. Aber er lügt und er weiss, dass er lügt. Es ist traurig.»

Die USA und Frankreich erwägen einen militärischen Einsatz in Syrien. US-Präsident Barack Obama wirbt derzeit im Kongress um eine Zustimmung für einen solchen Militärschlag.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • G-20 im Zeichen des Syrienkonflikts

    Aus Tagesschau vom 4.9.2013

    Am morgen beginnenden Gipfel der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in St. Petersburg dürfte nebst Wirtschaftsfragen die Diskussion um einen möglichen Militärschlag gegen Syrien im Mittelpunkt stehen. Und das abgekühlte Verhältnis zwischen Russland und den USA. Der russische Präsident Wladimir Putin musste heute vor den Medien unangenehme Fragen beantworten.