Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Inhalt

Putins Verbindungen zur Lega Hat Salvini Gelder aus Russland erhalten?

Ein Journalist kommt zum Schluss: Kreml-nahe Unternehmer haben versucht, Italiens Innenminister Salvini zu unterstützen – mit drei Millionen Euro.

Legende: Audio Billiges Öl gegen Aufhebung von Sanktionen? abspielen. Laufzeit 05:11 Minuten.
05:11 min, aus Echo der Zeit vom 14.03.2019.

Im vergangenen Herbst trafen sich in Moskau, im vornehmen Hotel Metropol, drei Italiener und drei Russen. Die Italiener seien Vertraute von Lega-Chef und Vize-Premier Matteo Salvini gewesen und die Russen hätten zum Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin gehört, sagt Journalist Giovanni Tizian.

Öl zu reduziertem Preis

Diese Männer hätten über einen Deal gesprochen: «Wir können dokumentieren, dass diese Männer damals darüber verhandelten, wie Millionen Euro von russischen auf italienische Konten hätten fliessen sollen.»

Das Vehikel dazu sei ein Öl-Geschäft gewesen: «Die Russen wollten dem italienischen Staat Öl zu einem reduzierten Preis verkaufen. Wobei dieser Preisrabatt – drei Millionen Euro – der Lega hätte zukommen sollen.»

Für diese Verhandlungen lägen ihm Beweise vor, sagt Tizian, der Recherchejournalist des Magazins «L'Espresso», der immer wieder auch zur kalabrischen Mafia 'Ndrangheta publiziert hat.

Keine Stellungnahme seitens Salvini

Ob dieses Öl beziehungsweise Geld dann tatsächlich von Moskau Richtung Italien, Richtung Lega, geflossen sei, wisse er allerdings nicht. Aber nur schon, dass darüber verhandelt wurde, sei politisch relevant: «Wie kommen Leute aus dem Umfeld Putins dazu, mit Vertrauten von Lega-Chef Matteo Salvini über einen Millionendeal zu verhandeln?», fragt sich Tizian.

Matteo Salvini selbst habe dazu nur gesagt, die Lega habe nie Geld aus Russland angenommen. Aber zu den Verhandlungen darüber hätten bisher weder der Vize-Premier noch andere Lega-Vertreter Stellung genommen.

Das Interesse Russlands ist es, die von der EU verhängten Wirtschaftssanktionen loszuwerden.
Autor: Giovanni TizianRecherchejournalist des Magazins «L'Espresso»

Wenn also damals im Hotel Metropol tatsächlich über Öl verhandelt wurde – was hätte die Lega im Gegenzug dafür liefern müssen? Dem Journalisten kommt dazu nur eine Antwort in den Sinn: «Das Interesse Russlands ist es, die verhängten Wirtschaftssanktionen loszuwerden.» Also jene Sanktionen, welche die EU auf dem Höhepunkt der Ukraine-Krise gegen Russland verhängt hatte und die noch immer in Kraft sind.

Matteo Salvini
Legende: Lega-Chef Salvini habe viel mit Russlands Präsident Putin gemeinsam, so der Journalist Giovanni Tizian. Keystone

Lega-Chef Salvini hatte noch im Wahlkampf, vor gut einem Jahr, verschiedentlich das Ende dieser Sanktionen gefordert. Aber auch sonst seien sich Salvini und Putin in diversen Fragen einig. Beide verbinde eine tiefe Abneigung gegenüber Brüssel und der EU, sagt Tizian.

Es gebe aber viele weitere Gemeinsamkeiten: Migration, Wirtschaftspolitik, Familie. Italiens Familienminister, der Lega-Mann Lorenzo Fontana, stehe zum Beispiel äusserst konservativen, russisch-orthodoxen Kreisen nahe. Fontana fiel in Italien vor allem mit abschätzigen Aussagen etwa gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren auf.

Will Putin rechte Parteien an sich binden?

Matteo Salvini und Marine Le Pen
Legende: Matteo Salvini mit Marine Le Pen: Mehrere Millionen Euro seien aus Moskau an die französische Rechtspopulistin geflossen. Reuters

Die Nähe der Lega zu Putins Partei Einiges Russland bestehe seit jenem Tag, als Salvini 2013 zum Chef der Lega gewählt wurde: «Damals sass Alexej Komov in der ersten Reihe des Saals, ein Mann aus dem Umfeld Putins.» In der Folge habe Salvini regelmässig Moskau besucht und weitere Fäden gesponnen.

Kein Einzelfall in Europa, sagt Tizian. Marine Le Pen, Chefin vom französischen Front National, der heute Rassemblement National heisst, habe von einer Kreml-nahen Bank einen Kredit erhalten. 9.4 Millionen Euro seien von Moskau nach Paris geflossen. Für den Journalisten steht fest: Das Russland Wladimir Putins versuche rechte und rechtsextreme Parteien in Europa zu unterstützen und so an sich zu binden.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

34 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Wenn sich die USA in europäische Angelegenheit einmischen, z.B. Sanktikonen zu erteilen gegen Feindstaat X, kräht kein Hahn danach. Dabei ist deren demokratisch nicht legitimierten Einfluss auf Europa enorm. Das ist das viel grössere Problem für Europas Demokratien, als eine ev. schwache Einmischung Russlands. Paul Craig Roberts, Ex-US-Vizefinanzminister sagte, mit einem haufen Geld würden die USA europäische Politiker dazu führen, gegen die Interessen Europas und für die der USA zu stimmen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Roland Gadient (Roland Gadient)
    Wäre das schlimm, wenn Russland Italien finanzierte oder diese Finanzkrake EZB/EU, bitte mehr Objektivität und nicht Einseitigkeit, ihr Westler.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jakob Tschudi (Jake7)
    Die story wurde schon Ende Februar publik, allerdings mit einem anderen Spin: Es sei angeblich um die Unterstützung von Salvinis Wahlkampf (EU-Wahlen) gegangen. Das löste in Italien ein paar antirussische Reflexe aus (Putin wurde als "Erzfeind" der EU bezeichnet, etc.). Die ganze Story ist etwas dünn. Nix Genaues weiss man nicht, also muss man spekulieren.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen