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International Quasi-Rauswurf: Front National suspendiert Jean-Marie Le Pen

Das ist alles andere als ein Abgang durch die Vordertür: Der Gründer des rechtsextremen Front National wurde von der eigenen Partei suspendiert. Zudem soll er in Kürze den Ehrenvorsitz der Partei verlieren. Gründe für die Eskalation gibt es viele.

Legende: Video Der Front National suspendiert Jean-Marie Le Pen abspielen. Laufzeit 02:32 Minuten.
Aus Tagesschau Nacht vom 04.05.2015.

Die Parteispitze des rechtsextremen Front National hat sich bei einer Sitzung gegen dessen einstige Gallionsfigur gestellt. Vorerst ist der Ehrenvorsitz Jean-Marie Le Pens lediglich ausgesetzt. Innerhalb von drei Monaten soll er dem 86-Jährigen dann aber von einem ausserordentlichen Parteitag endgültig aberkannt werden. Dies teilte der Front National am Abend in Nanterre bei Paris mit.

Jean-Marie Le Pen selbst hatte sich geweigert, an der Sitzung des Exekutivbüros teilzunehmen, da dieses einem Gericht gleiche und seine Würde verletze. Schliesslich sei er absolut unschuldig: «Ich spreche frei, was einige Leute schockiert», sagte Le Pen.

Der Beschluss der Parteispitze ist auch ein Sieg der aktuellen Parteichefin Marine Le Pen im Machtkampf mit ihrem Vater. Sie hatte sich endgültig von diesem distanziert, nachdem er die Gaskammern der Nationalsozialisten zum wiederholten mal als «Detail der Geschichte» verharmlost hatte.

Für seine Tochter und Nachfolgerin war der Parteigründer mit solchen Aussagen zunehmend zur Belastung geworden. Marine Le Pen versucht seit Jahren, dem rechtsextremen Front National ein bürgerliches Image zu verschaffen.

Le Pen will sich auch künftig nicht zurückhalten

Jean-Marie Le Pen verurteilte seinen Quasi-Rausschmiss als «Treuebruch» seitens seiner Tochter. Er sei überzeugt, dass die Parteimitglieder über die Vorgehensweise des Exekutivkomitees «empört» sein werden und kündigte an, einen möglichen Einspruch gegen die Entscheidung prüfen zu wollen.

Marine Le Pen konterte laut der Zeitung «Le Figaro», ihr Vater ertrage den Gedanken nicht, dass der Front National ohne ihn voranschreiten und gute Ergebnisse erzielen könne. Mit einer Strategie, die nicht die seine sei und an die er nie geglaubt habe.

Jean-Marie Le Pen hatte den Front National 1972 mitbegründet und während rund vier Jahrzehnten geführt. Anfang 2011 trat er die Parteiführung an seine Tochter Marine ab.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Alberto da Vinci, Pratteln
    Ein Patriot ist kein Rassist wer so etwas sagt ist ein Landesverräter. Zuerst kommt das eigene Land und dann die EU und seine Interesse. Die linken und ihre Ansichten sind weit schädlicher für Frankreich als die Partei Front National. Hollande hat Frankreich nur in den Abgrund regiert es wird Zeit das er abgewählt wird. Die Zeit der linken Versprechungen ist vorbei die Menschen haben die Schnauze voll. Sobald ein rechter mal etwas sagt ist es mit Meinungsfreiheit vorbei.
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Gut, dass dieser alte Tropf endlich abserviert wird, wenn er nicht freiwillig geht. Es kann ja wohl nicht sein, dass dieser Mann mutwillig die ganze Aufbauarbeit von Marine Le Pen mit seinem antisemitischen Dünnpfiff kaputt macht. Geh woanders Nazi spielen, Jean-Marie!
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    1. Antwort von F. Alex, Atrh-Goldau
      @ Christen: Einverstanden wegen des "alten Tropfs". Aber lassen Sie sich nicht täuschen von Marine: Sie ist ein versteckter Wolf im blonden Schafspelz. Falls Sie daran zweifeln, schauen Sie sich mal deren 1. Mai-Rede im Internet an - unterschwellig viele erschreckende Aussagen.
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  • Kommentar von Urs Keller, Binningen
    Gemäss Zeitungen aus Frankreich soll es sich um eine taktische Massnahme handeln, so dass Jean-Marie Le Pen eine radikale rechte Partei gründen kann und somit das ultra rechte spektrum in die Wahlen führen soll, die gemässigten würden unter Marin le Pen dann das Mitte-Rechts Spektrum abdecken, so dass eine rechte Mehrheit entstehen könnte. Interessante Spekuklation.
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    1. Antwort von Reto v.Gunten, Thun
      Das glaube ich sofort. Marine le Pen will franz. Präsidentin werden, dafür ist so eine Inzinierung sicher nicht zu teuer. Geschickt will sie den normalen Wutbürger in die Partei locken. Schlimme Aussichten sind das für Europa!
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    2. Antwort von Rolf Bolliger, Orpund
      Wer also zur laufenden Ausrottung (gesellschaftlicher Umbau) Europas und eine vollständige religiöse oder kulturelle Veränderung ist, gehört bei Ihnen, Herr von Gunten, zu den "Wutbürgern"! Ihr Lieblingswort, Andersdenkende zu verunglimpfen! Sie erscheinen aber hier im Forum immer wieder als "Wutschreiber", gegenüber Andersdenkenden oder Meinungen, die nicht ihrer "staatenlosen" Ideologie entsprechen! Wir (und auch die Franzosen) leben in einem Land mit Meinungsfreiheit! Ich schätze das!
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