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Quereinsteiger gesucht In Deutschland fehlen 10'000 Lehrer

Deutschland kämpft mit einem akuten Lehrermangel. Mit Crashkursen versucht man, Quereinsteiger für den Lehrberuf zu begeistern. Lehrerverbände fürchten um die Qualität der Schule – und das nicht nur in diesem Jahr.

Legende: Audio Lehrermangel in Deutschland abspielen. Laufzeit 02:04 Minuten.
02:04 min, aus Heute um Vier vom 22.08.2018.
  • In Deutschland fehlen zurzeit 10'000 Lehrpersonen.
  • Einige Bundesländer reagieren mit Crashkursen.
  • Der deutsche Lehrerverband ist besorgt.

Noch liegen nicht alle Zahlen im Detail auf dem Tisch, aber das ändert nichts an der Dramatik. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Hans-Peter Meidinger schlägt Alarm: «Wir schätzen, dass etwa 10'000 Stellen gar nicht besetzt werden können, also 10'000 Lehrer komplett fehlen, und etwa weitere 30'000 nur durch nicht ausreichend qualifizierte Personen besetzt werden können.»

Händeringend suchen die Bundesländer nun nach Quereinsteigern. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt, dass das Bundesland Berlin einen siebentägigen Crashkurs für Lehrerinnen und Lehrer anbietet – anstelle einer mehrjährigen Ausbildung.

«Unterrichten statt Kellnern» in Berlin

Doch damit nicht genug. «Wir haben eine Aktion in Berlin, wo mit dem Slogan ‹Unterrichten statt Kellnern› Studenten der Lehrberuf als Nebenjob schmackhaft gemacht werden soll», so Meidinger weiter.

Er fürchtet, dass in manchen Bundesländern – namentlich Sachsen und Berlin – «eine ganze Schülergeneration Schaden nimmt».

Ich fürchte, dass wir auch die nächsten zwei, drei Jahre mit solchen extremen Notmassnahmen arbeiten müssen.
Autor: Hans-Peter MeidingerPräsident Deutscher Lehrerverband

Es handle sich nicht um ein einjähriges Phänomen, denn der Lehrermangel ziehe sich bereits ins zweite bzw. dritte Jahr. «Weil die Ausbildung von hochqualifizierten Lehrkräften seine Zeit dauert, fürchte ich, dass wir auch die nächsten zwei, drei Jahre mit solchen extremen Notmassnahmen arbeiten müssen.»

Vielseitige Gründe

Grund für den Mangel an Lehrerinnen und Lehrern sind einerseits der deutliche Geburtenanstieg und eine Pensionierungswelle – beides kam nicht über Nacht. Nicht voraussehbar war andererseits die Flüchtlingskrise – mit etwa 200'000 Kindern im schulpflichtigen Alter, die nach Deutschland kamen.

Ein Lehrer putzt die Tafel
Legende: Viele Lehrer in Deutschland werden in den nächsten Jahren Quereinsteiger sein. Keystone

Die Folgen der Lehrer-Misere seien gravierend, bilanziert der höchste Lehrer Deutschlands. Durch die Not, die Stellen besetzen zu müssen, werden alle Qualitätsstandards derzeit über Bord geworfen – «zumindest in den Bundesländern, wo der Lehrermangel am dramatischsten ist. Da wird nicht mehr viel auf das gegeben, was in den Verordnungen und im Gesetz steht.»

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Brauchli (Rondra)
    Vermutlich gäbs noch Einige, die gerne den Beruf des Lehrers ausüben würden. Damit meine ich die eigentliche Aufgabe. Wenn sie aber mitverfolgen, dass man vorwiegend mit Erziehungsaufgaben, administr. Leerlauf und Anfeindungen, gar Drohungen durch Eltern und Schüler beschäftigt ist, löschts halt vielen schon ab.
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  • Kommentar von pedro neumann (al pedro)
    Bologna-Syndrom auch in der Schweiz. Nicht die Geeignetsten werden Lehrer, sondern, die, welche die oft hinrissigen theoretischen Anforderungen und Prüfungen bestehen. Die meisten Lehrpersonen scheitern dann nicht am Wissen, sondern an mangelder Praxistauglichkeit, Belastbarkeit und fehlender Fähigkeit zur Selbstorganisation. Zudem sind die gestellten Anforderungen oft gar nicht mehr zu erfüllen...
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  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Man sollte die Anforderungen auf das Minimieren was wirklich nötig ist.
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    1. Antwort von Matthias Krähenbuehl (Mattthecrow)
      Hoffentlich sitzen sie nicht irgendwo in entscheidender Position, wenn mal Ärzte- oder Pilotenmangel ist...
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    2. Antwort von Alex Volkart (Lex18)
      An Herr Krähenbüehl: Sagen sie das mal den Ärzten die in einem Buch nachschauen mussten wie man mir eine Zecke aus dem Fuss nehmen kann. Oder Studierten die mich kritisieren wenn ich mal aus Versehen Windel statt Einlage sage aber ich muss ihnen dann zeigen wie man ein solches Ding jemandem anlegt weil sie es nicht können. Wer studiert hat ist nicht automatisch klüger denn da fehlt es oft an eigenständigem Denken wie auch an Praxis.
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    3. Antwort von Matthias Krähenbuehl (Mattthecrow)
      Mit solch platten Gegenüberstellungen à la studiert=Kein „Praxiswissen“ oder nicht studiert=voll der MacGyver kann ich nichts anfangen. Das stimmt manchmal und manchmal nicht. Das Beispiel mit den Ärzten verwirrt mich. Das würde ja eher für eine längere Ausbildungszeit sprechen. Bei Personalmangel in einem Beruf kurzerhand die Anforderungen runterzuschrauben finde ich gefährlich und würde sicher zu Qualitätseinbussen führen.
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    4. Antwort von Tim Buesser (TimBue)
      A.Volkart: kann Ihnen nur beipflichten. Kenne selber eine Reihe "Nicht-Studierter", denen würde ich ohne Zögern mein "Vermögen" anvertrauen, kenne aber weit viel mehr Studierte, denen würde ich keinen Franken geben, weil sie nichts anderes damit anfangen könnten als ihn in ihrer besserwisserischen Ichbezogenheit für sich oder ihre völlig weltfremden Ideen auszugeben.
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