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Nach Pjöngjangs Bombentests Radioaktive Gase in Südkorea entdeckt

Mehrere Messstationen weisen Spuren von Xenon-133 nach. Stammt das Isotop aus Nordkorea?

Bombentest von Nordkorea.
Legende: Die Bomben sind die «Lebensversicherung» für das Regime in Nordkorea. Ein Abrücken vom Programm kommt nicht in Frage. Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Rund eineinhalb Wochen nach dem jüngsten nordkoreanischen Atomtest haben südkoreanische Experten Spuren radioaktiven Gases entdeckt.
  • Der UNO-Sicherheitsrat hat neue Sanktionen gegen Nordkorea verhängt.
  • Die USA wünschen sich aber weitergehende Massnahmen der internationalen Gemeinschaft.
  • Nordkorea will trotz Sanktionen mit dem Atomprogramm fortfahren.

Zwar kann man laut Experten allein aus diesen Gasen keine Rückschlüsse darauf ziehen, welcher Sprengsatz gezündet worden sei. Das entdeckte Xenon-133-Isotop stammt jedoch nicht aus natürlichen Quellen und wurde auch nach früheren nordkoreanischen Atomtests nachgewiesen.

Nordkorea hat nach eigenen Angaben Anfang September eine Wasserstoffbombe getestet. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verhängte darauf neue Sanktionen. Nordkorea kritisierte diese scharf und kündigte an, sich noch stärker gegen einen aus seiner Sicht drohenden Einmarsch der USA zu wappnen.

US-Präsident Donald Trump forderte noch erheblich schärfere Strafmassnahmen. Die jüngsten Sanktionen seien «nur ein weiterer kleiner Schritt» gewesen, sagte er. «Aber diese Sanktionen sind nichts verglichen mit dem, was letztlich passieren muss.»

Wir werden das praktische Gleichgewicht zu den USA schaffen.
Autor: SprecherAussenministerium Nordkorea

Nordkorea erklärte, die Sanktionen seien eine Verletzung des Rechts auf Selbstverteidigung. Sie zielten darauf ab, das Land und seine Bevölkerung durch eine vollständige wirtschaftliche Blockade «zu ersticken». Nordkorea werde seine Bemühungen zum Schutz seiner Souveränität und seines Existenzrechts sowie zum Erhalt von Frieden und Sicherheit in der Region verdoppeln, indem es «das praktische Gleichgewicht zu den USA schafft».

Der ursprüngliche Sanktionsentwurf der USA war abgeschwächt worden, um die Unterstützung der Veto-Mitglieder Russland und China zu erhalten. Insbesondere ein komplettes Embargo auf Öllieferungen nach Nordkorea, von denen die meisten aus China kommen, wurde abgewendet.

Dennoch zeigen die Strafmassnahmen nach Angaben chinesischer Händler und regelmässiger Besucher des international nahezu völlig isolierten Landes inzwischen durchaus Wirkung. So werde unter anderem Treibstoff knapper und teurer.

Der Nordkorea-Konflikt

Nach mehreren Raketen- und Atomtests hat sich der seit Jahren anhaltende Konflikt mit Nordkorea massiv verschärft. Trump will verhindern, dass es Nordkorea gelingt, eine Langstreckenrakete mit einem Atomsprengkopf zu bestücken. Jüngster Höhepunkt war der mutmassliche Wasserstoffbomben-Test. Es war der sechste und bislang stärkste Atomtest. Satellitenbilder zeigten massive Schäden am Testgelände.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    So nebenbei bemerkt, wird Xenon-133 vorallem in der Medizin eingesetzt und ist, im Gegensatz zum Xe-135, kein Spaltprodukt einer Wasserstoffbombe.
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    1. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Xe-133 ist aber ein Spaltprodukt bei der Urankernspaltung und eine solche Uranatombombe kann für die Zündung einer Wasserstoffbombe genutzt werden, denn diese zündet nicht von alleine.
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    2. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Mica: Stimmt. Aber in Anbetracht, dass das Testgelände in Nordkorea doch mehrere Hundert Kilometer vom "Fundort" entfernt ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass das gemessene Xe-133 wohl eher aus Medizin-Abfällen stammt, doch grösser. Zumal Xe-133 in gasförmigen Zustand unter dem Namen Xeneisol (WHO Nummer: V09EX03) offiziell erhältlich ist. Und... keine Spur von massiv häufigerem Fissionsprodukt Xe-135 zu messen war, dies trotz der Xe-135-Halbwertszeit von 9.5 Stunden...
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Sobald die USA ihre eigene Sicherheit oder die ihrer Verbündeten unmittelbar bedroht sehen, werden sie zuschlagen. Die USA fragen dann zurecht weder die UN noch sonst jemanden um Erlaubnis. Und da Kim Jong-un wohl über Zweitschlagspotenzial verfügt, wird es dann nicht bei einem eher symbolischen Angriff wie in Syrien (GBU-43/B) blieben. Ein weiteres Problem für Kim Jong-un ist, dass die USA im Moment einen recht impulsiven "Commander-in-Chief" haben.
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    1. Antwort von Andreas Würtz (Andhrass)
      Das Problem mit dem impulsiven Commander haben sie mit der ganzen Welt gemeinsam. Der weltweite Atomkrieg war schon lange nicht mehr so nah wie heute...
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