Zum Inhalt springen

Header

Rot-weiss-grüne Kartonsärge sind in einer langen Reihe auf einer Strasse aufgereiht.
Legende: Symbolische Trauerfeier: Über 600 symbolische Särge sind vor dem UNO-Gebäude aufgereiht. SRF
Inhalt

International Ramallah trauert um getötete Palästinenser

Wut und Trauer: In Ramallah im Westjordanland solidarisieren sich Palästinenser mit ihren Brüdern und Schwestern in Gaza. Sie fordern ein Lockerung der Blockade und ein Ende der israelischen Besatzung. Ein Augenschein.

Sarg neben Sarg, bedeckt mit der palästinensischen Flagge: 632 sind vor dem UNO-Gebäude in Ramallah im besetzten Westjordanland aufgereiht. Es ist eine symbolische Trauerfeier, die Särge sind aus Karton und leer.

Bewohner von Ramallah haben sie am Mittwoch hierher getragen. Unter ihnen ist der palästinensische Politiker Mustafa Barghouti. «Jeder symbolische Sarg trägt den Namen eines getöteten Kindes in Gaza, einer Frau, eines Mannes», erklärt er. Die Botschaft an die internationale Gemeinschaft laute: «Es ist genug. Beendet diesen Krieg!»

Die Palästinenser im Westjordanland solidarisieren sich mit den Brüdern und Schwestern im Gazastreifen. Auch mit der Hamas? Mustafa ist ein Verfechter des gewaltlosen Widerstandes. «Die Palästinenser stehen für ihre Sache auf», sagt er. «Das ist kein Krieg gegen die Hamas, sondern gegen das palästinensische Volk, das sich vereint gegen die israelische Besatzung wehrt.»

Ein Mädchen hält ein gemaltes Plakat mit der Auffschrift «Gaza» unter dem Arm.
Legende: «Wir sind alle Gaza»: Menschen in Ramallah zeigen Solidarität. SRF

Angst vor schlimmer Nachricht

Ein kleines Mädchen, Yasmin, hält ein grosses Schild unter dem Arm: «Wir alle sind Gaza», steht darauf. Yasmins Mutter, Safaah Abdel Rahman, hält ihr iPhone fest in der Hand – die Verbindung mit Gaza. «Meine Eltern leben in Gaza-Stadt, meine Brüder und Schwestern, die ganze Familie. Meine Mutter sagte, es sei als ob ein Tsunami über die Stadt fegte. Man kann es nicht mehr beschreiben, uns fehlen die Worte», sagt Safaah. Diese Ohnmacht sei unerträglich.

Safaah sagte ihren Eltern, sie sollten vor dem Bomben fliehen. «Aber wohin denn?», fragt sie. Die Eltern sind Flüchtlinge seit 1948, als sie aus ihrem Dorf vertrieben wurden. «Nicht noch einmal», sagen sie nun, erzählt Safaah. «Sie bleiben im Haus in Gaza und riskieren zu sterben.»

Die Angst vor der schlimmen Nachricht treibt viele um – auch Lamah Ghorani. Sie ist Mitarbeiterin der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah. «Noch ist glücklicherweise niemand von meinen Bekannten verletzt oder getötet worden. Aber ich erwarte eine solche Nachricht jederzeit», sagt sie.

Forderungen nach Ende der Besatzung

Die Besatzung trennt die Palästinenser, die Familien, die Freunde. Die israelische Besatzung sei der Kern des Konflikts, sagen viele in Ramallah. Und darum gehe es jetzt, nicht um die Hamas und ihre Raketen. «Israel verlangt Schutz und Sicherheit. Das erreicht es nur mit dem Ende der Besatzung, nicht mit Bomben», so Lamah von der Böll-Stiftung.

Zieht ab aus unserem Land und ihr seid sicher. Erfüllt die UNO-Resolutionen und es gibt Ruhe.
Autor: Lamah GhoraniMitarbeiterin der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah

«Zieht ab aus unserem Land und ihr seid sicher. Erfüllt die UNO-Resolutionen und es gibt Ruhe», sagt Lamah. «Nicht nur Israel habe das Recht auf Selbstverteidigung, sondern auch die Kinder in Gaza», fügt der Politiker Mustafa an.

Im Westjordanland ist heute viel die Rede von einer dritten Intifada, einem Aufstand der Palästinenser. Jeder neue Kriegstag nährt den Zorn im Gazastreifen, in der Westbank und in Ostjerusalem. «Bis wir frei sind, werden wir Widerstand leisten», sagt Safaah. Ihre kleine Tochter Yasmin trägt noch immer das Plakat mit den Worten: «Wir sind alle Gaza.»

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von A. Zimmermann , Zürich
    Was sind diese Israelis bloss für Menschen, welche bewusst und gezielt jeden Tage Kinder töten?
  • Kommentar von Walter Starnberger , Therwil
    @Gehrig, dass auf palästinensischer Seite wesentlich mehr Tote zu beklagen sind als auf israelischer liegt daran dass letztere über eine funktionierende Luftabwehr verfügt. Sollen jetzt die Israeli ernsthaft ihre Bevölkerung von den zahllosen palästinensichen Raketen ermorden lassen, nur damit sie in der Wahrnehmung einzelner Leute nicht mehr als die Bösen dastehen ? Seltsame Logik das !
  • Kommentar von Guido Haefelo , Bassersdorg
    Im nahen Osten kriegen sie schon im alten Testament und werden es noch einmal so lange tun....
    1. Antwort von Albert Planta , Chur
      Naja, die Jsraelis glänzten 1900 Jahre durch Abwesenheit. Aber in Europa wollte sie auch niemand, dann sind sie halt wieder in ihre Stammlande gegangen.