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Raus aus dem Westjordanland Junge suchen digital Anschluss an die Arbeitswelt

In den Palästinensergebieten hat die Hälfte aller 20-Jährigen keine Arbeit. Ausreisen wird ihnen durch Israel erschwert.

Legende: Audio Reisebeschränkungen behindern palästinensische Wirtschaft abspielen. Laufzeit 05:46 Minuten.
05:46 min, aus Rendez-vous vom 11.01.2019.

Die junge Palästinenserin Dina Zabaneh hatte Glück. Sie bekam von den israelischen Behörden eine Ausreisebewilligung, um in Grossbritannien zu studieren. Tausende von Palästinensern dürfen nicht ausreisen, wenn ihnen das die israelischen Behörden verweigern. Dina durfte raus aus dem Westjordanland.

Und sie kam wieder zurück. Nicht ganz freiwillig. Die britische Regierung bezahlte ihr das Studium. Mit der Auflage: zurückkehren und ihr Wissen weitergeben. Das macht die Finanzwirtschafterin jetzt auch mit Herzblut. «Ich nütze hier mehr als in England, wo es Tausende gibt mit meinen Fähigkeiten», sagt sie. Und diese Einsicht habe ihre Rückkehr nach Ramallah erleichtert.

Landkarte Israels eingezeichnet mit den palästinensischen Gebieten
Legende: Ramallah ist das palästinensische Wirtschaftszentrum im Westjordanland. SRF

Dina Zabaneh arbeitet als Projektmanagerin für die Organisation Leaders International. Sie hilft Studentinnen und Studenten, ihre Forschung in Marktideen umzusetzen und Startups zu gründen. Sie ermöglicht ihnen Zugang zu Wissen, das es in der digitalen Welt braucht. Etwas, was palästinensischen Uni-Abgängern häufig fehlt.

Ausgewählte Startups erhalten in der Gründungsphase finanzielle Hilfe, danach beratende Begleitung. Das ist alles einfacher gesagt als getan. Gesetze und Tabus behindern nämlich ihre Arbeit.

Männer laufen einer Mauer entlang
Legende: Der Kalandia-Checkpoint zwischen Ost-Jerusalem und Ramallah ist für viele Palästinenser ein grosses Hindernis. Keystone/Archiv

Auf der einen Seite sind das die Israelis mit ihren Reisebeschränkungen. Sie erschweren Reisen von Fachkräften und Studierenden. Auf der anderen Seite sind das die Palästinenser selbst mit ihren Tabus. Tabu sei leider der Austausch mit israelischen Fachkräften – ebenso Frauen, die Karriere machten, so Dina.

Als junge Frau ohne Kopftuch, Mann und Kinder fühle sie sich manchmal isoliert, weil sie nicht der sozialen Norm entspreche, sagt die Projektmanagerin.

Laut einer Studie der Weltbank tragen Technologie-Startups noch kaum etwas zur palästinensischen Wirtschaft bei. Aber es gebe Lichtblicke. Einer davon sei die gute Vertretung von Frauen in dieser Branche.

Gebäude in Ramallah
Legende: Blick aus Dina Zabanehs Büro auf Gebäude in Ramallah, wo Geschäftsideen und Startups entstehen. Susanne Brunner/SRF

Dazu hat Dina Zabaneh in den letzten zwei Jahren etwas beigetragen. Hat sich die Rückkehr ins Westjordanland für sie also gelohnt? Ja und nein, sagt sie. Sie sehe, dass ihre Arbeit bei einigen wirklich etwas bewirkt habe. Gleichzeitig sei das Leben im palästinensischen Westjordanland stark von Einschränkungen geprägt, sowohl beruflich wie auch persönlich.

Ob sie in ihrer palästinensischen Heimat bleiben wird oder nicht, weiss Dina noch nicht. Aber immerhin hat sie die Wahl – denn sie darf wieder ausreisen.

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Moser (AM)
    "Die britische Regierung bezahlte ihr das Studium. Mit der Auflage: zurückkehren und ihr Wissen weitergeben." Diese Aussage ist die interessanteste im ganzen Text. Genau das sollten wir mit Asylbewerbern auch machen: sie ausbilden (in handwerklichen Berufen) mit der Auflage, dass sie danach in Ihr Land zurückkehren (nat. nicht die an Leib und Leben bedrohten, was wohl auf die allermeisten zutrifft) und beim Aufbau einer funktionierenden Wirtschaft mithelfen! Das wäre Entwicklungshilfe!!
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  • Kommentar von Erwin Jenni (ej)
    Es leben ca, 1,2 Millionen pal. Araber im israelischen Kernland und die meisten von ihnen finden dort Arbeit. Sie haben die gleichen Rechte und Möglichkeiten, sich etwas aufzubauen und sind Teil der Gesellschaft, wie andere Minderheiten. Was soll also das ewige Gejammer? Wer will und sich von den ewig gestrigen Ideologien und dem Terror von Hamas und Co. loslösen kann, wird in Israel eine Perspektive finden! Vielleicht sollte man nicht immer die israelischen Firmen im Westj.land boykottieren!
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    1. Antwort von Marc Bühler (Capten Demokratie)
      Das ist siwas von Falsch. Besuchen sie das Westjordanland mal selber bevor sie sollche reden schwingen!
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    2. Antwort von Nina Fink (ninaalessandra)
      Das stimmt so leider nicht, die palästinensischen Israelis sind nicht im gleichen Masse Teil der Gesellschaft, man siehe nur die vielen Rechte, welche an den Militärdienst gebunden sind, für den PalästinensterInnen nicht aufgefordert werden. Und PalästinensterInnen können nicht einfach nach Israel reisen, geschweige denn sich dort niederzulassen, siehe citizenship and entry into israel law.
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    3. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Hr. Jenni, viellecht haben Sie verpasst, dass es hier eben nicht um Leute im Kernland geht, sondern um Leute im Westjordanland. Ihnen ist es nicht ohne weiteres möglich nach Israel einzureisen und auch nicht in andere Länder. Schon gar nicht haben sie die von Ihnen erwähnten politischen Rechte. Das ist ein bestehendes Problem das hier im Artikel thematisiert wird.
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    4. Antwort von Erwin Jenni (ej)
      Ein ziemlich happiger Vorwurf von ihnen. Ich denke, dass ich oft genug dort war, um dies beurteilen zu können, aber vielleicht nehmen sie mal die pal. Brille ab und versuchen es mit der Realität. Es gibt keine Volksgruppe auf der Welt, welche pro Kopf mehr Geld bekommt wie die Palästinenser. Das Problem sind ihre pol. Führer und die Versuchung des Terrors. Ohne dies würde es den Pal. noch besser gehen. Warum gehen die Pal. denn nicht nach Jordanien Hr. Bühler?
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    5. Antwort von Erwin Jenni (ej)
      @BR: Wenn Sie meinen Text genau lesen, geht es mir ja genau darum, denn wenn kein Terroverdacht besteht, können Pal. sehr wohl in das Kernland einreisen. Es ist die permanente Terrorgefahr, welche dies erschwert und nichts anderes. Es wird hier im Artikel aber sugeriert, dass es den Pal. nur schlechter geht, weil die Israeli die Einreise erschweren, nicht aber was der wirkliche Grund dafür ist. Wenn wir in Europa eine solche Situation hätten, würden wir noch viel riguroser vorgehen.
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    6. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      "Warum gehen die Pal. denn nicht nach Jordanien..." entlarvend! - genau das hätten ja die Isrealis gerne, am besten das ganze Land für sich. Dafür drangsalieren sie die Palestinenser wie sie nur können. Erliegen diese der Versuchung des Terrors, sehen die Isrealis erst recht ein Grund, die Paestinenser zu drangsalieren: ethnische Säuberung auf Sparflamme ist das. Dass einige Kreise in Israel die Palestinenser vernichten wollen (und umgekehrt auch!), ist kein Geheimniss.
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  • Kommentar von Daniel Schmidlin (Queren life)
    Wann getraut sich wenigstens das SRF mal an den Satz, "Wenn Religion das Leben zerstört" . Das wäre wahre Grösse im Journalismus.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Das hängt bestimmt damit zusammen, dass man bei genauem Hnisehen das Meiste davon nicht an der Religion festmachen kann. Das Meiste ist kulturell bedingt.
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