Zum Inhalt springen

Reaktionen auf Trump-Entscheid EU und Teheran halten am Atomabkommen fest

US-Präsident Donald Trump macht seine Drohung wahr und kündigt das Atomabkommen mit dem Iran. Damit stösst er weltweit auf Kritik und Ablehnung – mit zwei Ausnahmen. Die Reaktionen im Überblick.

Legende: Video Die EU will am Atomabkommen festhalten abspielen. Laufzeit 02:05 Minuten.
Aus Tagesschau vom 09.05.2018.

Die Kritiker des US-Ausstiegs

Iran: In einer ersten Stellungnahme wird die Kündigung des Atomdeals harsch kritisiert. Die Entscheidung sei «illegal und unzulässig und untergräbt internationale Verträge», lässt das Staatsfernsehen verlauten.

Aussenminister Mohamed Dschawad Sarif schrieb am Mittwoch auf seiner Twitter-Seite, er werde demnächst auf Anweisung von Präsident Hassan Rohani eine Pendeldiplomatie starten. Danach werde der Iran sich endgültig entscheiden, ob er weiterhin im Abkommen bleiben werde.

Wir haben statt eines Abkommens mit sechs Staaten nun eines mit fünf.
Autor: Hassan RohaniPräsident Iran

Allerdings ist für SRF-Korrespondent Pascal Weber der iranische Präsident der grösste politische Verlierer im Kampf um das Abkommen. «Er hat seinen leisen Kurs der Öffnung und Annäherung an den Westen innerhalb des Iran immer damit begründet, dass der Iran im Gegenzug eine Abhebung der Sanktionen und ein Erblühen der Wirtschaft erhalten würde».

Legende: Video Die Einschätzung von SRF-Korrespondent Pascal Weber abspielen. Laufzeit 01:14 Minuten.
Aus News-Clip vom 08.05.2018.

UNO: Generalsekretär Antonio Guterres äusserte sich über die Entscheidung Trumps besorgt. Er forderte alle anderen Unterzeichnerstaaten auf, sich an die Vereinbarungen zu halten. Das Abkommen sei eine «grosse Errungenschaft» und habe signifikant zum Frieden und zur internationalen Sicherheit beigetragen.

Europäische Union: Die EU will trotz der Entscheidung der USA am Atomabkommen festhalten. Das sagte die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini. SRF-Korrespondent Oliver Washington sagt dazu: «Mogherini hat sich zudem direkt ans iranische Volk gewandt. Sie hat es aufgefordert, sich vom Abkommen nicht abzuwenden». Zudem haben Deutschland, Frankreich und Grossbritannien an den Iran appelliert, sich weiterhin an das Abkommen zu halten. «Wir ermuntern den Iran, mit Augenmass auf die US-Entscheidung zu reagieren», heisst es in einer gemeinsamen Erklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britischen Premierministerin Theresa May.

Legende: Video Die Einschätzung von SRF-Korrespondent Oliver Washington abspielen. Laufzeit 00:51 Minuten.
Aus News-Clip vom 08.05.2018.

Russland: Moskau will sich um den Erhalt des Abkommens bemühen. Aussenminister Lawrow betont, Russland wolle weiterhin an der Abmachung festhalten. Die russische Führung sei in Kontakt mit der EU und Iran, zitiert die Nachrichtenagentur RIA den russischen Botschafter bei der EU. Gleichzeitig machte der russische UN-Botschafter klar: «Wir sind enttäuscht.»

Schweiz: Die Schweiz zeigt sich besorgt über mögliche Folgen des US-Ausstiegs aus dem Atomabkommen. Der Entscheid Washingtons bedeute aber nicht dessen Ende, schreibt das Aussendepartement (EDA) in Bern. Die Schweiz ruft zudem alle Vertragspartner zur Zurückhaltung und Weiterführung auf.

Deutschland: Der US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, forderte nach Trumps Entscheid deutsche Unternehmen auf, sich aus dem Iran zurückzuziehen. Daraufhin meldete sich neben Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich im Rahmen der EU-Reaktion geäussert hatte, auch die deutsche Wirtschaft zu Wort. Der deutsche Industrie- und Handelskammertag erklärte, dass sich nun die Perspektiven für die deutsch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen verdüsterten. Er rief die deutsche Regierung und die EU auf, das europäische Iran-Geschäft zu schützen.

China: Die chinesische Regierung hat den Ausstieg der USA kritisiert. Der Aussenamtssprecher bedauerte die Entscheidung Trumps. Es ginge um ein multilaterales Abkommen, das vom UN-Sicherheitsrat gebilligt wurde. Er betont: «Alle Seiten sollten es ernsthaft umsetzen.» Die Vereinbarung sei wichtig für die Stabilität im Nahen Osten und sie setze ein positives Beispiel für eine politische Lösung von Krisen.

Die Befürworter des US-Ausstiegs

Israel: Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu begrüsste den Entscheid des US-Präsidenten in einer Fernsehansprache. Er sei mutig und richtig. Das Abkommen in bisheriger Form zu behalten, wäre katastrophal gewesen für den Nahen Osten und den weltweiten Frieden. Iran sei, so Netanjahu, aussenpolitisch aggressiver geworden seit Abschluss des Abkommens. Dies zeige sich besonders in Syrien.

Saudi-Arabien: Das Königreich begrüsst den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit Iran. Iran nutze die finanziellen Vorteile des Abkommens, um die Region weiter zu destabilisieren. Saudi-Arabien hofft laut dem staatlichen Fernsehen, dass die internationale Gemeinschaft Schritte ergreifen wird, um der «iranischen Gefahr» zu begegnen – schliesslich fördere Iran Terrororganisationen wie die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah und die Huthi-Rebellen im Jemen. Wichtig: Saudi-Arabien ist ein Erzrivale des schiitischen Irans. Eine von Saudi-Arabien angeführte Koalition fliegt darüber hinaus im Jemen Luftangriffe gegen die Huthis.

Legende: Video Die USA kündigen Atom-Abkommen: Reaktionen und Einschätzungen abspielen. Laufzeit 06:38 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 09.05.2018.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

14 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hans Fürer (Hans F.)
    Ein deutliches Signal für die Welt ausser Israel und Saudi-Arabien: den USA vermehrt die Stirne bieten und sich abnabeln von Trumps "First-America". Wäre doch gelacht, wenn man zusammen mit China, Russland, Japan und vielen andern Ländern nicht ein ernsthaftes Gegengewicht schaffen könnte, bis in den USA wieder ein vernünftiger Präsident ans Ruder kommt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Bruno Bär (ursinho007)
    Das ist das Resultat, wenn ein grössenwahnsinniger zum Präsident eines mächtigen Landes gewählt wird. Jeder Tag ist eine Schande für die USA, bis dieser Egomane, Kriegstreiber und Lügner aus dem Amt gejagt wird! Man kann nur hoffen, dass die Europäer mit Russland und China zusammenspannen, damit das Abkommen gerettet werden kann.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Thomas F. Koch (dopp.ex)
    Es freuen sich neben den USA auch Israel und Saudi-Arabien - was für eine unheilige Allianz.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen