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Rechtsnationale Botschaften Ein Radiosender als Propaganda-Instrument der FPÖ

Die rechtsnationale österreichische Oppositionspartei FPÖ hat das Internetradio «Austria First Radio» in Betrieb genommen. Die Hintergründe kennt die Journalistin Barbara Tôth von der Zeitschrift «Falter».

Barbara Tôth

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Die Österreicherin Barbara Tôth beobachtet die Medienbranche Österreichs und beschäftigt sich mit dem Thema Rechtspopulismus. Sie arbeitet für die österreichische Wochenzeitschrift «Falter».

SRF News: Wie kommt das FPÖ-Radio daher?

Barbara Tôth: Es klingt wie ein kommerzieller, auf die breite Masse ausgerichteter Radiosender mit Hits aus den 1980er- bis 2000er-Jahren. Dazwischen gibt es immer wieder Nachrichten, die deutlich von der FPÖ-Sicht gefärbt sind. Zudem gibt es Gesprächsformate, vor allem mit Parteichef Herbert Kickl oder anderen FPÖ-Parlamentsabgeordneten. Insgesamt ist der Wortanteil aber gering. Und die Musik klingt wie irgend ein Dudel-Radio, das im Hintergrund läuft.

Zehntausende haben App heruntergeladen

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Logo von Austria First auf blauem Hintergrund.
Legende: fpö

Laut FPÖ haben bereits 40'000 Personen die App heruntergeladen. Ob die den Sender aber auch wirklich hören, kann man nicht nachprüfen. Klar aber ist: Die App steht im App Store in Österreich derzeit an erster Stelle der Downloads.

Welche Chance geben Sie dem FPÖ-Sender?

Das Radio ist ein weiteres Propagandainstrument der FPÖ – wie FPÖ-TV oder all die Social-Media-Kanäle, die die Partei mit ansprechendem Erfolg betreibt. Dass jetzt ein Radiosender lanciert wird, erscheint auf den ersten Blick ungewöhnlich. Denn Radio gilt ja eigentlich als veraltet. Offenbar will die FPÖ so aber die Menschen im Alltag erreichen und zwischen der Musik gezielt ihre politischen Botschaften platzieren.

Die anderen Parteien beobachten ganz genau, was die FPÖ macht.

Wie reagieren die anderen Parteien auf die FPÖ-Wähleroffensive?

Die FPÖ ist in allen Umfragen stärkste Partei – wie sie es schon seit den letzten Wahlen vom Herbst 2024 ist. Damals wäre FPÖ-Chef Kickl fast Kanzler geworden, aber er fand keinen Koalitionspartner. Jetzt gibt es eine Regierung aus SPÖ, konservativer ÖVP und liberalen Neos. Diese beobachten sehr genau, was die FPÖ macht.

Laut FPÖ bilden die anderen Medien ihre Position zu wenig ab. Darum brauche die FPÖ den Radiosender. Ist an dem Vorwurf etwas dran?

Nur bedingt. Denn die FPÖ nimmt seit Jahren viele Pressetermine nicht wahr oder verweigert sich ganz einfach. So lädt etwa der ORF Spitzenleute der FPÖ regelmässig zu Nachrichtensendungen oder die ZIB ein, aber gerade Parteichef Kickl sagt regelmässig ab.

Für die FPÖ handelt es sich bei fast allen etablierten Medien um ‹Mainstream-Medien›.

Aus Sicht der FPÖ handelt es sich aber nicht nur beim ORF, sondern bei fast allen etablierten Medien um «Mainstream-Medien» oder sogar um «Lügenpresse». Die Partei versucht seit vielen Jahren, dieses Bild der etablierten Medien zu zeichnen im Sinne von: «Die erzählen euch nicht die Wahrheit, die wahren Informationen kriegt ihr nur auf unseren Kanälen.»

Die FPÖ will das österreichische Mediensystem erklärtermassen umbauen, wenn sie an der Macht ist – auch den ORF. Ist das «Austria First Radio» ein erster Schritt, um die Medienlandschaft umzupflügen?

Die FPÖ hat ein rechtspopulistisches, rechtsnationales Drehbuch, das sich nicht unterscheidet von den Drehbüchern, die es auch bei gleichartigen Parteien wie etwa der SVP in der Schweiz oder der AfD in Deutschland gibt. Oder in Ungarn bei Herrn Orban und neuerdings auch in Tschechien. Man will den öffentlich-rechtlichen Rundfunk schwächen, die etablierten Medien als «Lügenpresse» darstellen und dazu parallel ein eigenes Mediensystem aufbauen.

Viele Leute merken dann gar nicht, dass sie FPÖ-Radio hören – und so sickern die politischen Botschaften mit ein.

Und dass der neue FPÖ-Sender im Grunde klingt wie jeder andere Privatsender – aber mit den politischen Botschaften der Partei –, ist eine bewusste Strategie. Viele Leute merken dann gar nicht, dass sie jetzt FPÖ-Radio hören. Und so sickern die politischen Botschaften mit ein – und manche denken dann bei den FPÖ-gefärbten Nachrichten: «Ah, interessant, da höre ich ja etwas anderes als auf den anderen Sendern», und bleiben hängen. Da steckt also auch ein bisschen eine Täuschungsabsicht dahinter.

Das Gespräch führte Yves Kilchör.

SRF 4 News aktuell, 20.1.2026, 7:50 Uhr ; 

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