Zum Inhalt springen

Header

Video
Wien im Politchaos
Aus Rundschau vom 20.10.2021.
abspielen
Inhalt

Regierungskrise in Österreich «20 Minuten»-Verlag profitiert von österreichischem Steuergeld

Österreichische Zeitungen erhalten viel Geld über Regierungsinserate. Darüber freut sich auch ein Schweizer Medienhaus.

Österreich versinkt im Politchaos. Sebastian Kurz verkündete den Rücktritt vom Kanzleramt, nachdem publik wurde, dass er mutmasslich in Korruptionsgeschäfte mit der Mediengruppe «Österreich» verstrickt ist. Konkret soll er Zeitungen mit staatlichen Anzeigen bezahlt und im Gegenzug eine wohlwollende Berichterstattung und frisierte Meinungsumfragen erhalten haben.

Das österreichische Polit-Magazin «Falter» begleitet die Causa Kurz in diesen Tagen eng. Im Interview mit der «Rundschau» bilanziert Chefredaktor Florian Klenk: «Sebastian Kurz und seine engsten Freunde haben Steuergeld genommen, um Studien zu bezahlen und damit Fake News zu produzieren.» Danach habe man diese Fake News auch noch in Gratisblättern verbreitet, indem man Regierungsinserate schalten liess.

Video
Florian Klenk, Chefredaktor Falter: «Sebastian Kurz und seine engsten Freunde haben Steuergeld genommen, um Studien zu bezahlen und damit Fake News zu produzieren.»
Aus News-Clip vom 20.10.2021.
abspielen

Das System hinter dem Skandal

Der als «Inserateaffäre» bekannt gewordene Skandal zeigt einmal mehr die problematische Nähe von Boulevard und Politik in Österreich. Viele Medienhäuser erhalten über sogenannte Regierungsinserate Geld von der Bundesregierung und den Ministerien. Bezahlt von Steuergeldern.

Das allein ist nicht ungewöhnlich. Auch in der Schweiz inserieren Bund und Kantone in Zeitungen. Bemerkenswert sind allerdings die grossen Beträge, die von der österreichischen Regierung an einzelne Medienhäuser fliessen.

Der «Falter» kritisiert diese Vorgänge schon lange und bezeichnet sie als «Inserate-Korruption». Chefredaktor Klenk sagt zur «Rundschau»: «Es führt dazu, dass Medienmanager zu den Ministerien hin pilgern, um dort Vorschläge für Sonderbeilage oder Inseraten zu machen. Und hier kippt das System sehr oft.»

Video
Florian Klenk, Chefredaktor Falter: «Es führt dazu, dass Medienmanager zu den Ministerien hin pilgern, um dort Vorschläge für Sonderbeilagen oder Inserate zu machen. Und hier kippt das System sehr oft.»
Aus News-Clip vom 20.10.2021.
abspielen

Laut einer aktuellen Studie gaben das Bundeskanzleramt und die Ministerien letztes Jahr insgesamt 33.5 Millionen Euro für Regierungsinserate aus. Am meisten – nämlich 57 Prozent der Regierungsausgaben – erhielten die drei Boulevardblätter «Österreich», «Kronen Zeitung» und «Heute».

Mit «Heute» profitiert auch ein Schweizer Medienhaus von österreichischen Steuergeldern: Die TX Group ist an der Gratiszeitung «Heute» mit 25 Prozent beteiligt und am Onlineportal heute.at mit einem Mehrheitsanteil von 51 Prozent.

Geld von Inseraten fliesst in die Schweiz

Wie lukrativ die österreichischen Regierungsinserate für die TX Group sind, will Marcel Kohler, der zuständige Geschäftsleiter, nicht sagen. Er bestätigt aber: «Ja, wir sind an den Einnahmen über staatliche Anzeigen bei ‹Heute› beteiligt.»

Dass so viel Geld von der Regierung die journalistische Unabhängigkeit gefährdet, findet er nicht. Das Beispiel «Heute» zeige: «Wenn man journalistisch und unternehmerisch sauber arbeitet, dann ist das kein Problem.»

Video
Marcel Kohler, Mitglied Geschäftsleitung TX Group: «Wenn man journalistisch und unternehmerisch sauber arbeitet, dann ist das kein Problem.»
Aus News-Clip vom 20.10.2021.
abspielen

Gegen Sebastian Kurz und weitere involvierte Personen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Bis es zu einem Ergebnis kommt, wird es Monate dauern. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Rundschau, 20.10.2021, 20:05 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

55 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Userinnen und User
    An dieser Stelle schliessen wir die Kommentarspalte. Vielen Dank fürs Mitdiskutieren und hoffentlich bis morgen. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Brigitte Sponchia  (Brigitte Sponchia)
    Eine Partei bezahlt für Inserate um dafür eine wohlwollende Berichterstattung zu erhalten, finanziert mit Steuergeldern. Anders gesagt, eine Zeitung wird korrumpiert um die Wähler falsch zu informieren und für diese Fake News bezahlen die Österreicher mit ihren Steuergeldern. "Ja, da legst Di nieder!"
  • Kommentar von Dorothee Meili  (DoX.98)
    Um noch einmal bei diesem Thema bei uns in der Schweiz zu bleiben: Gerne weise ich auf das (ja abonnierte!) Internet-Magazin Republik hin. Da war eine ganz gründliche gute, mehrteilige Recherche zu lesen über das "Haus Tamedia" (wo bekanntlich u.v.a. auch 20Min dazu gehört); seither ist mir noch etwas flauer im Magen inBezug auf die CH-Medien-Konzentration; auch ein gutes, gründliches Interview mit Florian Klenk ist dort nachzulesen. Und jeder Artikel kann kommentiert/debattiert werden!!!