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Resilienz in Krisenzeiten Darum feiert Bargeld ein Comeback in Schweden

In Schweden bezahlen fast alle seit Jahren bloss noch digital. Doch jetzt verlangt ein neues Gesetz, dass Läden Bargeld annehmen müssen. Die Hintergründe erklärt SRF-Nordeuropa-Korrespondent Bruno Kaufmann.

Bruno Kaufmann

Nordeuropa-Korrespondent

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Bruno Kaufmann berichtet seit 1990 regelmässig für SRF über den Norden Europas, von Grönland bis Litauen. Zudem wirkt er als globaler Demokratie-Korrespondent beim internationalen Dienst der SRG mit.

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Was schreibt das neue Bargeldgesetz vor?

Ab sofort müssen Lebensmittelhändler oder Apotheker wieder Bargeld als Zahlungsmittel akzeptieren. Und Banken müssen den Bargeldbezug sowie Einzahlungen jederzeit ermöglichen. Das ist in Schweden nicht selbstverständlich: Nur noch acht Prozent der Einkäufe werden mit Bargeld bezahlt.

Warum kommt die Gesetzesänderung gerade jetzt?

Seit der russischen Vollinvasion in die Ukraine 2022 hat sich das Sicherheitsgefühl in Schweden fundamental verändert. Nach über 200 Jahren Neutralität ist das Land der Nato beigetreten, das Verteidigungsbudget wurde verdreifacht, das Konzept der Gesamtverteidigung aus dem Kalten Krieg wurde wieder aktiviert. Dazu gehört auch, dass der Geldverkehr jederzeit möglich sein muss. Und so empfiehlt die schwedische Nationalbank denn auch, stets mindestens 1000 Kronen (83 Franken) in bar zu Hause verfügbar zu haben.

Geht es beim Bargeldgesetz auch um Inklusion?

In der Tat haben gut eine halbe Million Menschen – viele ältere Personen – in Schweden nicht die Möglichkeit, digital zu bezahlen. Dass fünf Prozent im Land vom bargeldlosen Zahlungsverkehr ausgeschlossen sind, hat nun vor den Wahlen im Herbst die Parteien auf den Plan gerufen. Diese hätten teils noch weiter gehen und etwa auch den Zahnarzt oder beim Passbüro Barzahlung zulassen wollen. Das Gesetz ist daher eher ein minimaler gemeinsamer Nenner: Pro Einkauf müssen die Läden maximal 25 Münzen annehmen, zudem beträgt der Maximalbetrag 10’000 Kronen pro bar-Einkauf.

Wie steht es ums Argument: Bargeld schützt die Privatsphäre?

Die Schwedinnen und Schweden machen sich weniger Sorgen um den «gläsernen Bürger», als man das etwa in der Schweiz tut. So sind in Schweden persönliche Daten wie Geburtstag, Adresse oder Steuerrechnung schon jetzt öffentlich einsehbar. Und wer hier finanziell etwas zu verbergen hat, gerät schnell in Verdacht, etwas mit kriminellen Kreisen zu tun zu haben. Und das wiederum ist nach den Erfahrungen der letzten Jahre mit den eskalierenden Banden- und Drogenkriegen in Schweden sehr unpopulär.

Gibt es neben dem Bargeld weitere analoge Backslashs?

Etwa im Bildungsbereich ist das tatsächlich der Fall. Die papierlose Schule hat während der Corona-Pandemie einen Höhepunkt erreicht. Inzwischen sieht man die Folgen davon: Ohne Papier und Stift können viele Kinder nicht mehr schreiben. Das hat in den letzten zwei, drei Jahren zu einer Trendwende geführt. Auch wurden Mobiltelefone in den Schulen verboten. Wie weit diese Trendwende in Zukunft gehen wird, wird sich noch zeigen.

SRF 4 News aktuell, 2.7.2026, 7:20 Uhr ; 

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