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Rohstoffe und Militarisierung Im Land der Sami: Europas Urvolk kämpft um die Zukunft

Schwedens Regierung macht im hohen Norden des Landes mit dem Ausbau der Bergwerkindustrie und dem Aufbau von Militärstützpunkten vorwärts. Die Lokalbevölkerung hat dabei wenig zu melden.

Im kleinen Dorf Rensjön weit nördlich des Polarkreises herrscht an diesem Wintertag Hochbetrieb. Grosse Rentierherden ziehen durch die kleine Siedlung, gut dreissig Kilometer nördlich der Bergbaustadt Kiruna.

Mann, Frau und zwei Kinder stehen vor Rentier in traditionneller Samischer Kleidung.
Legende: Indigene Samifamilie im Zentrum der nordschwedischen Stadt Jokkmokk. SRF/Bruno Kaufmann

Hier leben Angehörige der Volksgruppe der Sami – die den höchsten Norden Europas seit Jahrtausenden bewohnt und seit dem Mittelalter gezielt auch mit Rentierherden wirtschaftet.

Das Land der Sami wird zum Hotspot

Immer wieder wird der samische Alltag in Rensjön von der Durchfahrt der bis zu 8000 Tonnen schweren Güterzüge übertönt.

Gut zwanzig Mal am Tag passieren die 68 Wagen umfassenden Erzzüge auf dem Weg ins norwegische Narvik am eisfreien Nordatlantik den kleinen Bahnhof in Rensjön, an dem seit Jahrzehnten schon keine Reisenden mehr ein- oder ausgestiegen sind.

Erzzug mit mehreren Waggons. Schneebedeckte Landschaft im Hintergrund, Sonnenuntergang.
Legende: Schwerer Erzzug vor der Abfahrt in Richtung Narvik in Kiruna. SRF/Bruno Kaufmann

Hier lebt die Rentierhirtin Karin Niia und ihre Familie: «Wir begleiten die Rentiere auf ihrem Weg und schützen ihren Lebensraum, doch jetzt droht all dies zu verschwinden», sagt Karin Niia.

Der Grund: die wachsende globale Nachfrage nach seltenen Erdmetallen und die zunehmende militärische Präsenz in der Arktis. So wird das Land der Sami zu einem wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Hotspot.

Frau mt rosa Mütze und schwarzem Wintermantel steht im Schnee. Im Hintergrund vereinzelt Häuser.
Legende: Die Rentierhirtin Karin Niia vor dem samischen Kulturzentrum in Kiruna. SRF/Bruno Kaufmann

Die Folge: Die schwedische Regierung vergibt im über 1400 Kilometer entfernten Stockholm ständig neue Förderlizenzen an Bergbaufirmen im Land der Sami und lässt mit Blick auf das nahe Russland viel Militär am Polarkreis aufmarschieren.

Ein Land zwischen den Grossmächten

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Das Land der Sami macht im hohen Norden ein sicherheitspolitisch immer wichtigeres Gebiet zwischen Russland im Osten und den USA im Westen aus. Nach den erst kürzlich vollzogenen Beitritten Finnlands und Schwedens zur Militärallianz Nato haben die Regierungen der beiden Länder damit begonnen, viel Geld in die Aufrüstung am Polarkreis zu investieren.

In Nordschweden sollen nicht nur bestehende Stützpunkte ausgebaut, sondern auch neue aufgebaut werden. Zudem werden im ganzen Gebiet Vorratslager für den Ernstfall aufgebaut. Für die bescheidene Strassen- und Bahninfrastruktur in Nordschweden bedeutet der militärische Aufbau eine zusätzliche Belastung. Schon die zunehmenden Gütermengen aus den Bergwerken setzt etwa der weitgehend eingleisigen Erzbahn zwischen Luleå an der Ostsee und Narvik am Atlantik immer wieder zu. So kommt es zu Entgleisungen und wochenlangen Unterbrüchen.

Die samische Bevölkerung hat dabei wie schon beim Thema Rohstoffabbau wenig zu sagen. Die schwedische Regierung hat zudem die Möglichkeiten der Gemeinden geschwächt, gegen Minen-Grossprojekte ein Veto einlegen können.

Letzte Rentierrouten sind bedroht

Die in Kiruna beheimatete staatliche Bergbaufirma nutze diese Entwicklung, so Karin Niia, um immer rücksichtloser mit den Interessen der Lokalbevölkerung umzugehen.

«Das Bergbauunternehmen hat den Gesellschaftsvertrag mit uns aufgekündigt, nun geht es nur noch um den Profit», so Karin Niia. Die samische Rentierhirtin verweist auf die Pläne des Unternehmens. Nördlich der jetzigen Eisenerzmine – Europas mit Abstand grösster ihrer Art – sollen Millionen von Tonnen «seltener Erden» abgebaut werden.

Mit diesen Metallen sollen die Elektromobilität und Windenergie ausgebaut und damit das Klima geschützt werden. Dieser Ausbau bedeutet aber auch, dass grosse Teile der Stadt Kiruna umziehen müssten und die letzten offenen Passagen für die Rentierherden unterbrochen würden.

Grosse schneebedeckte Mine im Hintergrund, davor eine Person von der man nur die Konturen sieht.
Legende: Die grösste Untertag-Erzmine der Welt soll weiter ausgebaut werden. SRF/Bruno Kaufmann

Für Henrik Blind, der als führender Lokalpolitiker in Jokkmokk in einem Bevölkerungszentrum der Sami in Schweden wirkt, ist es nun für die Sami höchste Zeit, politisch und juristisch in die Offensive zu gehen. «Ich kandidiere in diesem Herbst für einen Platz im nationalen schwedischen Parlament. Wir müssen mit unseren Anliegen an die höchsten Gerichte gelangen», sagt Blind.

Henrik Blind im Schnee vor Gebäude.
Legende: Der Lokalpolitiker Henrik Blind aus Jokkmokk hofft als einer der ersten Sami ins nationale Parlament einzuziehen. SRF/Bruno Kaufmann

Ihm werden gute Chancen eingeräumt, als einer der ersten Sami in den Stockholmer Reichstag gewählt zu werden.

Die Sami kämpfen vor Gericht

Während die schwedischen Gerichte lange den Interessen der Bergbauindustrie den Vorzug gaben, gewannen die Sami vor kurzem einen wichtigen Prozess. Das Urteil sichert ihnen die exklusiven Jagdrechte in Nordschweden zu.

Rentierherde überquert Strasse. Im Hintergrund wartet ein Auto.
Legende: In der Nähe von Rensjön passieren einige Rentiere die Europastrasse 10. SRF/Bruno Kaufmann

Im benachbarten Norwegen urteilte zudem ebenfalls das Höchste Gericht des Landes, dass beim Bau eines riesigen Windkraftparks die Menschenrechte der Sami verletzt wurden.

Verloren ist der Kampf des letzten Urvolkes Europas für die Zukunft seiner traditionellen Lebensweise im eigenen Stammgebiet nördlich des Polarkreises noch nicht.

Echo der Zeit, 13.02.2026, 18:00 Uhr; noes

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