Zu sehen, wie Flammen aus dem Dach der wichtigsten Kathedrale des altehrwürdigen Kiewer Höhlenklosters züngeln, zu erfahren, dass Geistliche mitten in der Nacht Ikonen, Kreuze und andere sakrale Gegenstände aus dem brennenden Gotteshaus retten mussten – das ist äusserst schockierend.
Angriff auf eines der grössten christlichen Heiligtümer
Der Schock ist vergleichbar mit jenem nach dem Brand der Kathedrale Notre-Dame in Paris. Beide Kirchenhäuser haben eine immense religiöse und spirituelle Bedeutung und sind eng mit der Identität ihres jeweiligen Staates verbunden. Nur: In Paris geriet der Dachstock der Kathedrale durch einen Unfall oder eine Unachtsamkeit in Brand. In Kiew haben wir es mit einer brutalen russischen Attacke zu tun – auch wenn noch nicht ganz geklärt ist, ob das Höhlenkloster gezielt angegriffen oder der Brand durch Trümmer einer abgeschossenen Drohne oder Rakete ausgelöst wurde.
Doch die Angreifer nahmen mit ihrer massiven Attacke auf das Zentrum der ukrainischen Hauptstadt die Zerstörung eines der grössten christlichen Heiligtümer in Kauf: eines Heiligtums, das im Jahr 1051 gegründet wurde und eines der wichtigsten Zentren des orthodoxen Christentums ist, also auch der russisch-orthodoxen Kirche und Kultur.
Zerstören, was man nicht erobern kann
Es bestätigt sich einmal mehr, dass der Kreml das zerstört, was er nicht erobern kann. Viele der Städte in der Ostukraine, die Russland angeblich befreit hat, sind nur noch Trümmerlandschaften. Die Bewohnerinnen und Bewohner: getötet oder geflohen.
Diese Zerstörungswut macht auch vor dem gemeinsamen ukrainisch-russischen religiösen Kulturerbe nicht halt. Hunderte von Kirchen und andere religiöse Einrichtungen sind seit Beginn der Grossinvasion 2022 Opfer dieser Zerstörungswut geworden. Doch noch immer behauptet der Kreml, er sei der Verteidiger christlicher Werte, und immer noch wird dies geglaubt und weiterverbreitet, auch im Westen.
Terror gegen Zivilbevölkerung
Die Zerstörung religiöser Stätten gehört zur Strategie des Kremls, das kulturelle Gedächtnis der Ukraine insgesamt zu vernichten. Bezeichnenderweise hat der nächtliche Angriff auch zu grossen Schäden im ältesten Filmstudio der Ukraine geführt. Die grösste und älteste Kostümsammlung der Ukraine wurde vernichtet; weitere Gebäude des Filmstudios wurden beschädigt.
Russlands Krieg gegen die Ukraine dauert nun schon länger als der Erste Weltkrieg. Die russischen Truppen stecken fest. Gleichzeitig steigert der Kreml den Terror gegen die ukrainische Zivilbevölkerung. Eine Statistik der UNO zeigt: Im Mai wurden mindestens 247 Menschen getötet, das sind so viele wie noch nie.
Russlands Krieg hinterlässt verbrannte Erde, Tod und Zerstörung. Grenzen scheint es dabei kaum zu geben.