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International Russischer Minister soll angeblich Doper decken

Ein neuer ARD-Dokumentarfilm wirft Wellen: Er äussert den schwerwiegenden Verdacht, dass der umstrittene russische Sportminister Witali Mutko beim systematischen Doping seine Hände im Spiel habe. Doch das ist noch nicht alles, wie Filmautor Hajo Seppelt im Interview darlegt.

Waldimir Putin (links) sitzt in Winterjacke neben Witali Mutko (rechts) in Winterjacke.
Legende: Wie tief steckt Putins Sportminister Witali Mutko (r.) im Dopingsumpf? Keystone

In einer Woche wird entschieden, ob die russischen Leichtathleten an den Olympischen Spielen in Brasilien teilnehmen dürfen. Russlands Sportführung und der umstrittene Sportminister Witali Mutko geraten unter Druck.

Nach ARD-Recherchen soll trotz der Beteuerungen Mutkos der berüchtigte Geher-Trainer Wiktor Tschegin weiter mit den Top-Athleten arbeiten. Mutko soll zudem massgeblich an der Vertuschung eines Dopingfalls in Russlands oberster Fussball-Liga mitgewirkt haben.

Im Interview mit SRF News erklärt Hajo Seppelt, Autor des Dokumentarfilms «Geheimsache Doping – Showdown für Russland»: Doping funktioniert nur, wenn es geheim bleibt. Und wenn es mächtige Leute gibt, die allfällig positive Proben verschwinden lassen können.

SRF News: In Ihrem Film ist von einem Dopingfall im russischen Fussball die Rede. Ist das der Beweis, dass nicht nur in der Leichtathletik, sondern auch im russischen Fussball systematisch gedopt wird?

Hajo Seppelt: So weit würde ich nicht gehen. Ich würde aber sagen, dass mit «W-L» die Initialen von Vornamen und Vatersnamen Mutkos gemeint sind: Witali Leonjewitsch. Es ist in Russland üblich, dass man die Namen in dieser Weise abkürzt und verwendet. Es liegt damit ein massiver Verdacht vor, dass Sportminister Mutko über diese Probe informiert gewesen sein muss oder könnte. Das Interessante dabei ist, dass der Dopingfall nie publiziert wurde, dass es ihn offiziell also gar nicht gibt. Damit ist der Verdacht im Raum, dass in Russland der Sportminister höchstselbst darüber wacht, ob positive Doping-Testwerte veröffentlicht werden oder nicht. Der Mann ist russischer Regierungsverantwortlicher der Fussball-WM 2018 in Russland und Mitglied des Fifa-Councils. Da braut sich etwas zusammen, das nicht so richtig gut ist für den Weltfussballverband.

Was könnte das Motiv des russischen Sportministers sein, die positive Dopingprobe des Fussballers zu vertuschen?

Sein Motiv – wenn der Verdacht denn stimmt – wäre dasselbe wie beim Doping im Sport üblich: Doping-Schlagzeilen sind schmutzig fürs Geschäft. Es ist inzwischen ja aktenkundig, belegt und von der Welt-Antidopingagentur Wada bestätigt, dass eine ganze Reihe von positiven Dopingproben russischer Athleten vertuscht worden ist. Doping funktioniert nur dann, wenn es geheim bleibt; und wenn es Leute gibt, die dafür sorgen, dass eine allfällig positive Probe nicht öffentlich wird.

Wie verbreitet ist Doping denn im russischen Fussball?

Darüber kann man nur spekulieren. Aber die Tatsache, dass es um Russland geht, wo offenbar in grossem Stil in verschiedenen Sportarten manipuliert worden ist, legt nahe, dass der Fussball dabei nicht aussen vor geblieben ist. Weltweit und grundsätzlich ist die Dopingfrage im Fussball noch nicht genügend aufgearbeitet worden. Man kann überhaupt nicht sagen, wie verbreitet Doping im Fussball ist. Das liegt sicher auch daran, dass es jahrelang nur sehr lasche Kontrollen gab. Inzwischen hat sich das etwas gebessert. Klar ist: Im Fussball ist sehr viel Geld im Spiel und damit das Interesse der Leute, die dort das Sagen haben, nicht sehr ausgeprägt, diese Dinge ans Licht zu bringen.

Im Fussball ist sehr viel Geld im Spiel – und das Interesse, Dopingfälle aufzudecken, nicht sehr gross.

Darf unter diesen Vorzeichen die Fussball-WM 2018 überhaupt in Russland stattfinden?

Wenn Sie mich fragen, würde ich sofort antworten: Notbremse ziehen, abblasen! Dasselbe ist bei den Leichtathleten der Fall, die jetzt vor dem Oympia-Aus stehen und bei denen eine grossflächige Manipulation bewiesen ist. Es wäre nichts als konsequent, wenn ein internationaler Sportverband einem solchen Land die WM wegnehmen würde. Allerdings geht es dabei um ganz andere Sachen wie Milliardengeschäfte und politische Gefälligkeiten. Auch angesichts der bereits getroffenen Vorbereitungen wäre es sehr schwer, den Russen die Fussball-WM wieder wegzunehmen. Deshalb halte ich dieses Szenario für wenig wahrscheinlich. Für sehr denkbar halte ich dagegen, dass an der Spitze des russischen Sportministeriums bald ein neuer Mann stehen muss.

In ihrem Film geht es nur in den letzten fünf Minuten um Doping im Fussball, zudem führen Sie nur einen einzigen Fall an. Haben Sie das Thema nicht ein wenig aufgebauscht?

Nein. Ausserdem hab ich auch nicht gesagt, Doping sei ein grosses Problem im russischen Fussball. Mir geht's um Sportminister Mutko. Er ist Sportverantwortlicher in einem Land, das ein grossflächiges Doping- und Betrugsproblem hat. Wenn wir nun in einem Fall nachweisen können, dass der Minister offensichtlich persönlich mit solchen Dingen zu tun haben könnte, ist es aus meiner Sicht journalistisch geboten, das öffentlich zu machen. Es geht nicht um Fussball-Doping. Es geht um die Frage der Verantwortung der russischen Regierung für die Machenschaften im russischen Sport.

In Online-Kommentaren wird Ihnen vorgeworfen, Sie würden systematisches Russland-Bashing betreiben. Doping im Fussball gebe es auch anderswo, in Deutschland oder England. Doch diese Länder würden Sie nicht unter die Lupe nehmen...

Das ist einfach nur Unsinn. Wer hat im April den Bericht über den Londoner Arzt veröffentlicht? Das war ich! Wir erzählen die Dinge, wie sie sind. Ob das nun Russland, England oder Deutschland betrifft.

Das Gespräch führte Tina Herren.

Vertuschter Dopingfall

Gemäss dem Film wurde am 17. August 2014 ein Fussballer des Clubs Krasnodar positiv auf Hexarelin getestet. Daraufhin habe ein Mitarbeiter vermerkt, die Entscheidung solle mit «W-L» abgestimmt werden. Dies ist eine Abkürzung für Sportminister Witali Leontjewitsch Mutko. Von der positiven Dopingprobe hat man danach nie mehr etwas gehört.

Hajo Seppelt

Hajo Seppelt

Der Journalist und Autor Hajo Seppelt gilt als Dopingexperte in Deutschland. Er arbeitet als freier Journalist u.a. für die ARD. Seit 1999 hat er mehrere Bücher, Artikel und Dokumentarfilme über die Dopingproblematik produziert.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Guggisberg (gugmar)
    Vertreter der ARD und des Journalisten Hajo Seppelt haben laut dem Anwalt Artjom Pazew bereits während des Rufschädigungsprozesses im vergangenen Jahr eingestanden, dass in der Doping-Doku zu Russland zitierte Aussagen unwahr sind !
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  • Kommentar von Peter Mueller (Elbrus)
    Seppelt sagt schlicht und einfach die Unwahrheit. Richtig ist, dass Seppelt ein abgebrochenes Studium hat - kein Russisch spricht und auch nicht als Fachmann gilt. Das Russische Labor hat in 2013 eine offizielle ISO 9001 Zertifizierung erhalten.Richtig ist auch, dass Russland zwischen 50 - 100% mehr Proben genommen halt als die USA. Viele Athleten die kurzfristig als Dopingsünder an den Pranger gestellt wurden sind mittlerweile frei - weil das CAS für die Athleten entschieden hat
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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Schon in der DDR wurde gedopt und zwar schwer. Ich las mal in einem Bericht, nicht nur bei Wettkämpfen sondern auch schon regelmässig im Training. Aber nicht nur Russland sondern auch die meisten anderen Länder machen das. Sonst könnten solche sportlichen Höchstleistungen gar nicht existieren.
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