Russland bezichtigt Westen der kolonialen Gewohnheiten

Russlands Auftritt im UNO-Sicherheitsrat barg kaum Überraschungen. Der russische UNO-Botschafter richtete aus, Russland habe den westlichen Protest zur Kenntnis genommen. Er zeuge von einer veralteten Anschauung.

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Krim-Krise erneut Thema im UNO-Sicherheitsrat

1:23 min, aus Tagesschau Nacht vom 19.3.2014

Die westlichen Proteste und Sanktionen als Antwort auf Moskaus Vorgehen auf der Krim hinterlassen im Kreml kaum einen Eindruck. Russlands UNO-Botschafter Witali Tschurkin kritisierte bei einer Sondersitzung vor dem UNO-Sicherheitsrat, «dass westliche Länder sich einfach nicht von ihren kolonialen Gewohnheiten lösen zu können scheinen, nach denen sie anderen Ländern immer ihr Verständnis aufdrücken müssen». Das Referendum auf der Krim sei frei und legal gewesen.

Und er ergänzte: «Ein wahrhaft historisches Ereignis hat stattgefunden: Die Wiedervereinigung von Russland und der Krim, etwas, worauf unser Volk seit sechs Jahrzehnten gewartet hat. Historisches Unrecht ist korrigiert worden.»

UNO-Botschafter Witali Tschurkin bei seiner Rede im Sicherheitsrat. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: UNO-Botschafter Witali Tschurkin bemüht in der Krim-Krise historische Vergleiche aus der Kolonialzeit. Keystone

Kritik an russischer Darstellung

Die meisten Mitglieder des UNO-Gremiums widersprachen jedoch dieser Darstellung. «Die Krim ist von Russland einfach annektiert worden», sagte der französische UNO-Botschafter Gerard Araud. Das Referendum sei ein «Spektakel» gewesen.

Samantha Power, die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, sagte, ihr Land werde das Referendum und dessen Ergebnis auf keinen Fall anerkennen. «Russland hat anscheinend vor, seine Grenzen zu verändern. Aber die Fakten kann es nicht verändern.»

Russland blockiert Resolution

Russland warf Power Diebstahl vor. «Ein Dieb kann Eigentum stehlen, aber damit geht der Besitz nicht automatisch auf den Dieb über. Was Russland getan hat, ist falsch in Hinblick auf das Gesetz, falsch im Hinblick auf die Geschichte und falsch und gefährlich als Taktik.» Botschafter Tschurkin warf den USA daraufhin vor, sich auf «Boulevardzeitungs-Niveau» herabzulassen und mit Beleidigungen um sich zu werfen.

Das Treffen war bereits die achte Sondersitzung des Gremiums zur Krim-Krise in rund zwei Wochen. Russland hatte am Samstag per Veto eine Resolution gegen das prorussische Referendum auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim verhindert.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Die EU berät morgen über schärfere Sanktionen

    Aus Tagesschau vom 19.3.2014

    Für die EU steht im Krimkonflikt einiges auf dem Spiel. In Frankreich zum Beispiel, ist ein Milliarden-Auftrag auf der Kippe. Die Auslieferung von zwei Kriegs-Schiffe, die in einer Werft in Westfrankreich im Bau sind, ist jetzt in Frage gestellt.