Russland könnte von der G8 ausgeschlossen werden

Mit der Aufnahme der Krim isoliert sich Russland zunehmend auch diplomatisch. Frankreichs Aussenminister Fabius sorgte für Irritationen, nach dem er mitgeteilt hatte, Russland sei aus der Gemeinschaft der führenden Wirtschaftsnationen (G8) suspendiert worden. Andere G8-Mitgliedstaaten dementieren.

Wladimir Putin am G8-Gipfel in Lough Erne, Nordirland, im Juni 2013. David Cameron (GB) und Barak Obama (USA) drehen Putin den Rücken zu. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Russland und Präsident Wladimir Putin isoliert sich mit dem Krim-Vertrag immer stärker. Keystone

Der umstrittene Vertrag zur Aufnahme der Krim in die Arme Russlands ist noch nicht einmal unterschrieben, prescht Paris schon mit einer ersten Reaktion vor: Russland sei aus der Gemeinschaft der führenden Wirtschaftsnationen (G8) suspendiert worden, sagte der französische Aussenminister Laurent Fabius dem Sender «Europe 1». «Wir haben beschlossen, Russlands Teilnahme auszusetzen.»

Auch über seinen Twitter-Account verbreitete Fabius die Information, dass für den 6. Juni der Präsident [Putin] eingeladen bleibe, aber die G8 die Teilnahme Russlands suspendiert habe:

Laurent Fabius präzisierte auf «Europe 1» die Position Frankreichs. Er erinnert daran, dass man die Sanktionen der EU und der USA Japans unterstütze. Selbst China, das gewöhnlich mit Russland stimme, habe sich im UNO-Sicherheitsrat zurückgehalten. «Russland ist total isoliert», sagte Fabius.

Dementi anderer G8-Staaten

Inzwischen relativierten andere G8-Mitglieder die Äusserung von Fabius. Trotz des Krim-Vertrags sei Russland weiterhin Mitglied der G8-Gruppe, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie stellte klar, dass lediglich die Vorbereitungen für das geplante G8-Treffen im Juni in Sotschi suspendiert wurden. «Darüber hinaus sind keine Entscheidungen gefallen. Was G8 anbelangt, gibt es keinen neuen Sachstand.»

Auch das britische Aussenministerium teilte mit, dass Russland nach wie vor Mitglied der G8 sei – schloss aber eine Suspendierung nicht aus. «Die G7 habe vergangene Woche klar gemacht, weitere Schritte vorzunehmen, wenn Russland die Krim aufnehmen würde.

Das japanische Aussenministerium teilte mit, Japan sei nichts bekannt über eine Entscheidung, Russland zu suspendieren und den G8-Gipfel nicht in Sotschi durchzuführen Auch das deutsche Aussenministerium teilte mit, keine Informationen über den Mitgliederstatus zu haben.

Das G8-Gipfeltreffen 2014 ist für den 4. und 5. Juni in der russischen Olympia-Stadt Sotschi geplant. Russland hat im laufenden Jahr die G8-Präsidentschaft inne.

Barack Obama lädt G7 ein

US-Präsident Barack Obama hat ein Treffen der sieben wichtigsten Industriestaaten (G7) ohne Russland und mit der Europäischen Union für die kommende Woche angekündigt. Das Treffen soll am Rande des Nukleargipfels in Den Haag am 25. und 26. März stattfinden. Das teilt das US-Präsidialamt mit.

Die Gruppe der acht grössten Industrienationen, G8 genannt, repräsentiert einen der mächtigsten Wirtschaftsräume der Welt. Die jährlichen Treffen ihrer Staats- und Regierungschefs gehen auf die erste Ölkrise zurück. 1975 kamen die Vertreter von sechs Ländern (Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, USA, Japan) zum ersten «Weltwirtschaftsgipfel» zusammen.

Später wurde diese G6-Runde um Kanada (1976) und Russland (1998) zur G8 erweitert. Auch die Europäische Union ist bei den Treffen vertreten.