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International Russlands Raumfahrt-Krise

Russland ist weltweit führend darin, Menschen und Satelliten ins All zu transportieren. Doch nach zwei Abstürzen hintereinander sind erst mal alle Flüge ausgesetzt. Nun schaltet sich die Politik ein.

Legende: Video Die russische Raumfahrt ist in der Krise abspielen. Laufzeit 01:51 Minuten.
Aus Tagesschau vom 24.05.2015.

Es war bereits die zweite schlechte Nachricht innert zwei Wochen: Am 15. Mai dieses Jahres startet die russische Rakete Proton auf dem Gelände des Weltraum-Bahnhofs Baikonour. Die Rakete transportiert einen mexikanischen Satelliten, den sie ins All bringen soll. Der Start verläuft erfolgreich, doch nach wenigen Minuten stürzt die Rakete über Ostsibirien ab. Der Gesamtschaden beträgt fast 400 Millionen Franken.

Die erste schlechte Nachricht war Ende April gekommen. Damals hatten die Russen die Kontrolle über den Weltraum-Frachter «Progress» verloren. Dieser verglühte ein paar Tage später in der Erdatmosphäre.

Häufige Probleme

Nach dem zweiten Absturz setzte die Regierung vorübergehend alle Transportflüge aus – und reagierte mit harscher Kritik. Alle Verantwortlichen müssten für den Schaden gerade stehen, sagte der russische Premierminister Dimitri Medwedew. Polternd fügte er an: Die betreffenden Personen «sollen mit ihren eigenen Rubel-Scheinen dafür zahlen.»

Die Nervosität von Russlands Regierung hat einen guten Grund. Zwar ist das Land führend darin, Menschen und Satelliten ins All zu transportieren. Aber es kommt auch überdurchschnittlich häufig zu technischen Problemen.

Bessere Löhne für Spezialisten

Russische Parlamentarier verlangen deshalb, den «Schlampereien» und der Korruption im Raumfahrtsektor ein Ende zu setzen. Dafür sollen die Spezialisten besser bezahlt werden. Um das Problem anzugehen, soll ein neuer grosser Staatskonzern entstehen, der alle Arbeitsschritte umfasst.

Legende: Video Aus dem Archiv: Schrott im Weltraum abspielen. Laufzeit 03:28 Minuten.
Aus 10vor10 vom 25.04.2013.

Dazu will die Regierung in den nächsten zehn Jahren 40 Milliarden Franken in das staatliche Raumfahrt-Unternehmen Roskosmos investieren. Kritiker warnen jedoch vor diesem Schritt: Ein so mächtiges Staatsunternehmen im Sowjetstil sei kaum innovativ und effizient genug, um sich langfristig gegen die internationale Konkurrenz durchsetzen zu können.

Entgegen dem Trend

Mit der Verstaatlichung der Raumfahrt setzt sich Russland dem internationalen Trend entgegen, der in die andere Richtung geht. In den USA zum Beispiel spielen inzwischen private Firmen eine wichtige Rolle. So befördert die Firma SpaceX für die US-Behörden Frachter zur Internationalen Weltraumstation.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Chauvet, Neustadt
    Diese Raketentechnik stammt noch aus Zeiten der UdSSR und ist veraltet, die Wissenschaftler hauen nach Westen ab. Bei einer Wirtschaftsleistung Russlands wie die Italiens, das allerdings nur 40 % der Einwohner RUS hat, ist man nicht in der Lage dieses sowjetische Erbe auf Dauer ordentlich fortzuführen. Nicht unberücksichtigt bleiben können geschätzte 50 Milliarden Euro, die Putin für "Urlaubs"abenteuer auf der Krim und der Ostukraine aus dem Fenster wirft, Geld das an anderer Stelle fehlt
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  • Kommentar von u.felber, luzern
    Back to the 60's. Also irgendwie kommt mir auch hier der Kalte Krieg in den 60ern in den Sinn. Die russische Raumfahrt wird verstaatlicht. Also es gibt wieder ein Wettrüsten im All, soviel ist sicher.
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    1. Antwort von peter müller, zürich
      Die Russen funktionieren zuverlässiger in einem einheitlichen System. Das sieht man mit den Flugzeugfirmen die in den letzten 10 Jahren vereinheitlicht wurden - da läuft es weit besser als integrierte Einheit. Aehnliches auch im Rüstungsbereich. Die Privatisierung hat z.B in den USA zum kompletten Tiefschlag mit dem Shuttle geführt. 50% Totalverluste - nur 4 statt 60 Starts je Jahr. Jedes Ziehl wurde mit den Shuttles verfehlt. Qualiätskontrolle ist mit verteilten Firmen weit schwieriger.
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  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    Wie bereits beschrieben gibt es Frachttransporter und Personaltransporter. Bei Frachttransporter wird auf Effektivität Wert gelegt. Bei wertvoller Fracht werden alle beteiligten Raumfahrtnationen auch auf Zuverlässigkeit achten. Auch Konkurrenz erhöht wie überall wie Qualität. Und da ein steigender Bedarf besteht, wird es auch Neuentwicklungen mit verbesserter, neuerer Technik geben. Nach wie vor ist aber die Raumfahrt eine Grenztechnik, in der es zu Ausfällen kommen wird.
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