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USA wollen China beeinflussen
Aus SRF 4 News aktuell vom 04.12.2019.
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Sanktionen wegen Uigurenlager «Das wird die Beziehungen zwischen USA und China weiter belasten»

Die USA sehen Strafmassnahmen gegen chinesische Regierungsvertreter, die für die Unterdrückung der Uiguren im Westen Chinas verantwortlich sind, vor. Ausserdem sollen Unternehmen sanktioniert werden können, die von der Internierung der Uiguren profitieren. Es ist das zweite Mal innert kurzer Zeit, dass die USA Einfluss auf die chinesische Innenpolitik nehmen wollen. Doch viele Chinesen interessiere die Lage der Uiguren nicht, wie China-Korrespondent Martin Aldrovandi sagt. Xinjiang sei schlicht zu weit weg.

Martin Aldrovandi

Martin Aldrovandi

Nordostasien-Korrespondent, SRF

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Martin Aldrovandi ist seit 2016 Korrespondent für Radio SRF in Nordostasien mit Sitz in Schanghai. Zuvor hatte er mehrere Jahre lang als freier Journalist aus dem chinesischsprachigen Raum berichtet.

SRF News: Wie reagiert die Regierung in Peking auf das neue US-Gesetz?

Martin Aldrovandi: Sehr deutlich. Das chinesische Aussenministerium liess verlauten, die USA solle dieses Gesetz nicht verabschieden. Dazu kam, was Chinas Regierung bei solchen Vorfällen jedes Mal sagt, nämlich, es sei eine innere Angelegenheit Chinas und man solle sich nicht einmischen. Es gehe in Xinjiang um Terrorismus- und Separatismusbekämpfung und nicht um Menschenrechte. Peking behält sich Gegenmassnahmen vor, falls die USA dieses Gesetz wirklich verabschieden sollten. Worin diese bestehen würden, ist offen.

Sofortige Auswirkungen hat der Gesetzesentwurf nicht.

Letzte Woche erst hatte Trump zwei Gesetze unterzeichnet, um die Demokratiebewegung in Hongkong zu unterstützen. Nun folgt dieses Gesetz zu den Uiguren. Ist man in China überrascht von der Häufigkeit, mit der die USA intervenieren?

Ja, und die chinesischen Medien berichten sehr breit darüber. Das wird die bereits angespannten Beziehungen zwischen China und den USA weiter belasten. Die Regierungen sind noch im Handelskonflikt verstrickt. Sofortige Auswirkungen hat der Gesetzesentwurf jedoch nicht. Der US-Senat hat im September einem ähnlichen Entwurf zugestimmt, die beiden Kammern müssten sich auf einen Entwurf einigen und das Gesetz müsste noch vom US-Präsidenten unterzeichnet werden.

Video
Uiguren Camps in China (unkomm.)
Aus News-Clip vom 25.11.2019.
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Die kürzlich bekannt gewordenen Berichte zu den Straflagern für Uiguren sorgten bei uns für viel Empörung. Unterstützt die chinesische Bevölkerung den Kurs der Regierung?

Die meisten Chinesen interessieren sich nicht speziell dafür. Xinjiang ist ganz im Westen des Landes, sehr weit weg von Shanghai oder Peking entfernt. Das heisst, im Alltag der meisten Chinesen spielt es keine grosse Rolle. Viele sagen, sie würden nicht dorthin reisen, weil es gefährlich sei, da gebe es Anschläge. Das hat es in der Vergangenheit gegeben. Die chinesische Regierung stellt sich auf den Standpunkt, dass ihre harten Massnahmen dazu geführt hätten, dass es in den letzten Jahren keine Terroranschläge mehr gegeben habe. Das sei gut für die Stabilität in der ganzen Region.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.

Video
Uiguren werden in China systematisch «umerzogen»
Aus Tagesschau vom 25.11.2019.
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7 Kommentare

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  • Kommentar von Kurt Wirz  (kuwi)
    Wenn Trump so auf die Achtung der Menschenrechte pocht, würde mich interessieren, weshalb er seinem Freund Erdogan alles einfach durchgehen lässt. Der Chinese ist mit Sicherheit eine langfristige Gefahr für die ganze Welt, aber was derzeit auf unserem Planeten abläuft ist einfach nicht zu fassen. Ich wünsche mir Politiker, die auf unsere Welt und die Menschen, die darauf leben, Acht geben und nicht ständig alles kaputt schlagen, gopfertelinomal.
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  • Kommentar von Andreas Meier  (Epikur)
    Trump ist definitiv ein Fehlgriff der Geschichte. Aber eins kann man ihm zu Gute halten: Er kuscht nicht vor der immer mächtiger werdenden, grössten Diktatur der Welt. Auch wenn die Beweggründe wohl kaum (ausschliesslich) dem Erhalt der Menschenrechte gelten, sind sie dennoch weit und breit die einzigen, welche den Chinesen Paroli bieten. Richtig so. Unfassbar eigentlich, dass ein Regime ein ganzes Volk in Umerziehungslager stecken kann, gegen die Orwells 1984 wie ein Kindergarten aussehen.
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  • Kommentar von R. Raphael  (R.Raphael)
    Ein weiterer verzweifelter Versuch der USA die Chinesen zurück zu binden, wobei auch diese angedrohten Sanktionen ihr Ziel verfehlen dürften, derweil die Uiguren Problematik für die Amerikaner zweitrangig sein dürfte.
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    1. Antwort von Andreas Meier  (Epikur)
      Sie scheinen geopolitisch auf dem chinesischen Auge blind zu sein. Sie sollte froh sein, dass die mächtigste Demokratie der Welt der grössten Deiktatur der Welt den Tarif durchgibt. Besser für die Welt, Freiheit u. die Demokratie, dass die USA auf absehbare Zeit die grösste Wirtschaft- und Militärmacht weltweit bleiben werden. Und was auch immer die Beweggründe hinter den Sanktionen sein mögen, die USA sind die einzigen, die nicht vor den Chinesen kuschen und diesen Gräuel einfach zuschauen.
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    2. Antwort von A. Keller  (eyko)
      Auch die internationale Gemeinschaft ist gefragt diese unwürdigen Zustände zu beenden. Wirtschaftssanktionen gegen China sollten alle gemeinsam entscheiden. China versteht keine andere Sprache. China wird auch in einigen Jahren eine Gefahr werden für Europa. China streckt ihre Krallen überall aus. Abwarten bis die Seidenstrasse von China bis Europa besteht, was eine falsche Entscheidung ist. Afrika leidet schon heute unter Schulden gegenüber China. Afrika wird ausgebeutet für Infrastrukturen.
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    3. Antwort von R. Raphael  (R.Raphael)
      Wenn ich mir die kriegerische Geschichte der USA vor Augen führe, dann bin ich echt froh dass sie allmählich zurückgedrängt werden. Solch hegemoniale Ansprüche sind für die zukünftige Welt völlig ungeeignet.
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    4. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Erst einmal abwarten wie China sich weiterentwickelt. In ein paar Jahren sagen wir vielleicht, hätten wir damals nur stärker protestiert, hätte die Wirtschaft nicht nur das Dollarzeichen vor den Augen gehabt. Sie sind auch militärisch enorm stark, nur lässt sich mit Geld und Geduld jetzt mehr machen. Plötzlich gehören China grosse Anteile in Europa. Die leise
      Unterwanderung ist genau so gefährlich.
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