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International Schavan: Gemischte Bilanz in der Bildungspolitik

Nach tagelanger Debatte über ihre politische Zukunft zieht Annette Schavan die Reissleine. Sie tritt als Bundesbildungsministerin zurück – als Folge des Entzugs ihres Doktortitels. Sie bringt es auf fast 18 Ministerjahre in Land und Bund.

Legende: Video Annette Schavan tritt zurück abspielen. Laufzeit 03:05 Minuten.
Aus Tagesschau vom 09.02.2013.

Als langjährige CDU-Bildungspolitikerin benutzt Annette Schavan gern und häufig Begriffe wie Elite, Exzellenz, Hochbegabung und Leistung. In ihrer Dissertation jedoch – so begründet die Universität Düsseldorf den Entzug ihres Doktortitels – habe die junge Studentin Schavan über ihre ganze Arbeit hinweg «systematisch und vorsätzlich» gedankliche Leistungen vorgegeben, «die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte».

Schavan will gegen das harte Urteil des Philosophischen Fakultätsrates der Universität gerichtlich vorgehen. Ihr Amt als Bundesbildungsministerin hat es sie aber bereits gekostet.

Frau der Superlativen

Noch nie war ein Bundesbildungsminister so lange im Amt wie die 57Jährige. Und noch nie hatte ein Bundesminister für Bildung und Forschung so viel Geld zur Verfügung. Doch die Bilanz ist politisch äusserst strittig. Wurden mit diesem Geld auch die richtigen Anstösse gegeben?

Die milliardenschwere Exzellenzinitiative ihrer Amtsvorgängerin setzte sie erfolgreich fort, stärkte damit die Spitzenforschung. Andere Projekte kommen dagegen nicht voran. Etwa das «Deutschland-Stipendium» für besonders leistungsstarke Studenten. Die überfällige Bafög-Erhöhung zur Breitenförderung schiebt Schavan schon im zweiten Jahr vor sich her. Kritiker vermissen eine Struktur in ihrer Bildungspolitik.

Lange Zeit konservativ

Bevor Schavan 2005 den Ministerposten in Berlin übernahm, war sie zehn Jahre Kulturministerin in Baden-Württemberg – und obendrein Bildungssprecherin der unionsgeführten Bundesländer. In dieser Zeit stand sie für eine besonders konservative Bildungspolitik.

Lange hielt Schavan an der Hauptschule fest, stemmte sich vehement gegen mehr Gymnasiasten, Abiturienten und Studenten. Die vom Bund 2003 den Ländern angebotenen Milliarden zum Aufbau von Ganztagsschulen verspottete sie als «Suppenküchenprogramm». Das Bafög wollte die CDU-Politikerin komplett umwandeln in einen Mix aus Leistungsstipendien und Krediten – inklusive Studiengebühren.

In Berlin kamen die Erkenntnisse

Mit dem neuen Amt in Berlin folgten auch schnell neue Einsichten. Das Kooperationsverbot von Bund und Ländern in der Bildung – an dem Schavan als Landesministerin massgeblich mitgewerkelt hatte – engte nun ihren Spielraum stark ein. Schavan scheiterte mit ihrem Vorstoss, das Verbot mit einer Verfassungsänderung «light» wieder aufzulockern.

Der steile Aufstieg

Schavan studierte katholische Theologie, Philosophie und Pädagogik. Ihre Doktorarbeit ist ihr einziger Studienabschluss. Ihre Berufslaufbahn startete sie bei der Bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk in Bonn. Auch in der CDU machte Schavan schnell Karriere. Von 1998 bis 2012 war die enge Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel Partei-Vize.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Schavan hat nicht die allergeringste Chance, vom Verwaltungsgericht ein für sie günstiges Urteil zu bekommen. Das weiss sie auch selbst. Und auch A. Merkel. Letztere wird sich überlegen müssen, ob ihrem Image Assoziationen von Heuchelei und Verlogenheit politisch gut tun können. Die Sache aussitzen zu wollen, und sei es nur vorübergehend, schadet auch der politischen Kultur insgesamt in Deutschland.
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  • Kommentar von Bernd Kulawik, Einsiedeln
    Gemischte Bilanz? – "Gemischt" wäre sie nur, wenn hinter dem einzigen "positiven" Punkt ihrer Erfolgsliste ("Förderung der Spitzenforschung") irgendeine Substanz steckte. Tut sie aber nicht, oder können Sie Beispiel geben? Allein der Arbeitsaufwand zur Erringung der "Exzellenzförderung" überstieg die dann geförderte Arbeitszeit mehrfach. Schavans Wissenschaftspolitik hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen und Tausende fähigste Wissenschaftler ins Ausland oder Fremdjobs getrieben!
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  • Kommentar von Perrenoud, Neuchâtel
    J'approuve fermement la décision de l'Université allemande: je trouve normal que les candidats au doctorat ne soient pas admis à soutenir une thèse en plagiant les idées d'autrui ! Le genre de plagiat dont il s'agit ici est rarissime dans les universités suisses !
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    1. Antwort von Thomas Wille, Winterthur
      Je pense qu'il faudrait aussi se demander s'il n'y a pas une certaine responsabilité qui incombe à ceux qui délivrent le doctorat comme le superviseur de la thèse et les co-rapporteurs. On a l'impression que l'Allemagne est une usine à thésards dont la quantité prévaut sur la qualité. Je vous rejoins sur votre dernier point.
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