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«In Russland werden Journalisten vom Staat gebrandmarkt»
Aus Echo der Zeit vom 08.09.2021.
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Schikane statt Medienfreiheit Diese Frau hat der Kreml zur «ausländischen Agentin» erklärt

Was Journalistin Olga Tschurakowa schreibt, gefällt dem Kreml nicht. Nun wird ihr in vielem das Leben erschwert.

Journalist zu sein, das ist in Russland schon lange ein gefährlicher Beruf. Nun aber geht der Kreml noch perfider gegen kritische Medien vor. Mehrere Medienschaffende sind in den letzten Wochen vom Staat zu «ausländischen Agenten» erklärt worden. Ziel dieses «Etiketts»: Es soll das Leben so sehr erschweren, dass die Leute mit ihrer Arbeit aufhören – oder gleich auswandern.  

Olga Tschurakowa ist eine der Betroffenen: «Ich sass in einem Café und habe gearbeitet. Plötzlich kamen Eilmeldungen rein, dass unser Medium verboten wird – und dass wir persönlich zu 'ausländischen Agenten' erklärt wurden.»

Ein Schock sei das gewesen, so die 32-jährige Tschurakowa. Sie ist Vollblutjournalistin, hat für die Wirtschaftszeitung «Vedomosti» geschrieben, stand für den Nachrichtensender «Doschd» vor der Kamera. Zuletzt recherchierte Tschurakova für das Investigativ-Portal «Projekt». «Wir haben über Putin und seine Familie geschrieben, über Korruption und auch über die Geheimdienste», erzählt Tschurakowa. 

Ich musste alle meine Artikel löschen, die ich in den vergangenen Jahren geschrieben habe. Meine ganze Arbeit musste verschwinden.
Autor: Olga Tschurakowa Journalistin

Ihre Mitarbeit beim «Projekt» war es, was den Zorn des Kreml weckte. Das Internet-Medium scheut sich auch vor ganz heissen Themen nicht. So berichtete «Projekt» etwa über eine mutmassliche ehemalige Geliebte von Wladimir Putin, die auf unerklärliche Weise zu sagenhaftem Reichtum gekommen ist. 

In anderen Ländern würden Journalistinnen wie Tschurakova mit Medienpreisen überhäuft. In Russland werden sie vom Staat gebrandmarkt, zu «ausländischen Agenten» erklärt. «Ich musste alle meine Artikel löschen, die ich in den vergangenen Jahren geschrieben habe. Meine ganze Arbeit musste verschwinden. Das hat weh getan.» 

«Ausländische Agenten» müssen alle Ausgaben auflisten

Der Status «Ausländischer Agent» wurde ursprünglich Organisationen verliehen, die Geld aus dem Ausland erhalten – kritischen Medien oder NGOs zum Beispiel. Doch nun können auch Personen mit dem staatlich verliehenen «Schandmal» versehen werden. Rund zwei Dutzend betroffene Journalisten gibt es bereits. Die Folgen sind dramatisch. 

Es ist eine erniedrigende Prozedur.
Autor: Olga Tschurakowa Journalistin

Sie müsse bei jedem Text, den sie veröffentliche, einen Hinweis anbringen, dass sie «ausländische Agentin» sei, sagt Tschurakowa. Selbst, wenn sie auf Instagram ein Ferienfoto poste. Aber damit nicht genug: Darüber hinaus sei sie verpflichtet, gegenüber den Behörden sämtliche Ausgaben zu dokumentieren. Einkäufe im Supermarkt, ein neues Sommerkleid, ein Bier in einer Bar – Tschurakowa muss dem Staat quasi eine persönliche Buchhaltung abliefern. «Es ist eine erniedrigende Prozedur», sagt sie. 

Schikane soll Menschen das Leben erschweren

Mehrere Kollegen aus «Projekt» haben Russland inzwischen verlassen. Olga Tschurakova bleibt vorerst – auch wenn sie Mühe hat, eine neue Arbeit zu finden. Sie spüre, dass in der Medienbranche Angst herrsche, jemanden wie sie einzustellen.

Der Status «ausländischer Agent» ist eine staatliche Schikane, die den Betroffenen das Leben so schwer wie möglich machen soll. Das Etikett soll ausgrenzen, es soll unliebsame Bürgerinnen und Bürger zu Feinden abstempeln. 

Flucht ins Ausland mögliches Szenario

«Ich aber werde so schnell nicht klein beigeben», sagt Olga Tschurakowa. Zusammen mit einer Kollegin macht sie einen Podcast, in dem die beiden von ihrem neuen Leben erzählen. «Hallo, ich bin ausländische Agentin», heisst das Projekt. 

Wie lange das so weiter geht, ist unklar. Sie glaube nicht, dass der Staat sie künftig in Ruhe lassen werde, sagt die Journalistin. Die Repressionsmaschine laufe bereits – die sei schwer zu stoppen. Vielleicht müsse sie dann doch irgendwann ins Ausland. «Denn», sagt Olga Tschurakowa, «ins Gefängnis will ich nicht.»

Echo der Zeit vom 08.09.2021, 18 Uhr

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Peter Auer  (Ural620)
    Einmal mehr ist an den Kommentaren sehr gut zu erkennen, dass nicht Russland und deren Bevoelkerung als Problem dargestellt werden, sondern die repressiven Machenschafte und das Verhalten der Machteliten und schon beinahe in Form von Fanatismus auftretende Partei und deren Funktionaere von "ER = Einiges Russland" , welche sich jedes nur erdenkliche Recht und Mittel im Schutze des Kremls erlaubt, die Meinungsfreiheit jeglicher Berufsgattungen beschneiden, oder eindaemmen zu muessen.
  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Ich wette dass die Wenigsten die hier kommentieren jemals etwas von Tschurakowa gehört oder gelesen haben. Trotzdem maßt man sich eine Meinung an und hetzt völlig undifferenziert gegen einen Staat und seinen Präsidenten.
    In Russland liegt medial noch Vieles im argen. Das ist für mich aber kein Grund um dumpf und undifferenziert vom Einzelfall aufs Ganze zu schließen oder Tschurakowa nur als Opfer und nicht auch als mehrfach belastete Verbreiterin unbewiesener Anschuldigungen zu sehen.
    1. Antwort von Sancho Brochella  (warum?)
      Die Indizienlast durch die unzähligen, nicht mehr rechtsstaatlich begründbaren Vorkommnisse in Russland reicht mir seit langem aus, um mir ein kaum völlig falsches Bild von Russlands Politik und Putins Machtstreben zu machen. Aber Sie dürfen natürlich zu Russland anderer Meinung bleiben und dies bei jeder Gelegenheit schreiben.
    2. Antwort von René Baron  (René Baron)
      @Brochella:
      Keine Ahnung was sie unter "Indizienlast" verstehen und ich vermute, sie hätten Mühe dieses dumpfe Wort öffentlich mit Fakten zu untermauern denen sie selber auf den Grund gegangen sind, anstatt sich diese nur aus dem Narrativ unserer westlichen CopyPaste-Medien zusammenzubasteln.
      Werden Sie kritisch. Reden sie mit Russen die Russland aufbauen statt Leuten die nur schreiben, aber nichts bewegen, nichts helfen und oft ihr eigenes Leben nicht auf die Reihe kriegen.
    3. Antwort von Walter Matzler  (wmatz)
      Es spielt doch keine Rolle ob ich die Journalistin kenne. Was hier abläuft passt in das Bild, das Moskau seit längerem abgibt. Wer nach allem Vorgefallenem immer noch Putin unterstützt ist nach m.A. zu bedauern.
    4. Antwort von Sancho Brochella  (warum?)
      @R.Baron: Dann wissen Sie ja doch, was ich mit Indizien meine, wenn Sie ja wissen, woher ich diese habe ;-)
    5. Antwort von Sancho Brochella  (warum?)
      @R.Baron: PS. woher wollen Sie wissen, dass ich nicht schon mit Russen geredet habe. Und zwar mit in Russland lebenden Russen, nicht emmigrierte. Obschon ich auch das schon gemacht habe. Nur mit der armen Russenschicht hatte ich noch nie die Gelegenheit. Mal abgesehen davon gibt's in Russland auch die erfolgreichen. Die halten sich politisch eh bedeckt und dann die halberfolgreichen, die halten sich noch viel bedeckter. Allein das sagt schon viel über die Meinungsfreiheit im Land aus.
    6. Antwort von Hans Peter Auer  (Ural620)
      @ (René Baron): Zitat " Reden sie mit Russen die Russland aufbauen ". Dem gegenueber gibt es jedoch eben so viele Leute, welche noch Bestehendes und Aufgebautes schleichend und in egoistischer Weise zerstoeren. Reden Sie einmal mit diesen Personen und nein, es sind vorwiegend keine Opponenten und Antiputinisten, sondern jene, welche hauptsaechlich zu den kremlnahen Machteliten gehoeren.
    7. Antwort von Hanspeter Schwarb  (Ganymed)
      Herr Baron, niemand hetzt gegen Russland. Ich wüsste auch nicht welches Interesse ein westliches Medium insbesondere der Schweiz hat, Russland in ein schiefes Licht zu rücken. Der einzige, der ein veritables Interesse daran hat Falschmeldungen zu streuen ist Putin selber. Das Land ist von Aparatschniks und Oligarchen heruntergewirtschaftet. Deshalb lenkt er die Misere auf den Westen. Deswegen glaube ich im Zweifelsfall eher unseren Medien.
    8. Antwort von Hans Peter Auer  (Ural620)
      @Rene Baron: Zitat " Tschurakowa gehört ". Sie zaehlen sich demnach auch zu jenen, welche diesen Namen erstmals gelesen haben, denn in kremlnahen Medien, ist dieser Name zu Unrecht mit Staatshetze in Verbindung zu bringen. Dies beweisen zahlreiche Berichte in NOCH unabhaengig bestehenden, russischen Qualitaetsmedien. Lesen bildet und Sie kennen sich als selbsternennten Russland-Spezialist bestimmt damit aus, um sich eine Meinung zwischen differenzierten und undifferenzierten zu unterscheiden.
    9. Antwort von Hans Peter Auer  (Ural620)
      @Sancho Brochella: Chapeau!! Zitat " Mal abgesehen davon gibt's in Russland auch die erfolgreichen. Die halten sich politisch eh bedeckt und dann die halberfolgreichen, die halten sich noch viel bedeckter. " Ein Verfasser, der Russland und Teile seiner Bevoelkerung sehr gut durchschaut und analysiert hat. Da ist das Fehlen der Kontakte mit der armen Schicht nicht massgebend, was das machen von Politik und Meinungsfreiheit anbelangt, diese findet massgeblich in der kremltreuen Oberschicht statt
    10. Antwort von Silvan Marty  (Silvan Marty)
      Einzelfall?
      Hä?

      Wow ich lese das erste mal seit jahzehnten dass reporter beseitigt,verhaftet...
      Oder parteien zu cia agenten gemacht werden.
    11. Antwort von Silvan Marty  (Silvan Marty)
      Herr baron schteibt weiter unten wie ein souveräner staat ,höher bewertet sei als ein neutraler.
      Hä ,jeder staat ist ein staat- doch grenzen ziehen vielleicht herrscher und gesellschaften um ihr revier zu behaupten?
      Im the boss here
  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Die Meinungsfreiheit ist eine Sache.
    Dass dieser Artikel aber impliziert das willkürliche Behaupten einer MUTMASSLICHEN Putin-Geliebten ohne jegliche Beweise als schützenswert und preiswürdig erachtet, macht mir persönlich mehr Sorgen, weil DAS die Qualität der Schweizer Medien betrifft.
    Beim Verbreiten nicht bewiesener Gerüchte, wünschte ich mir auch in der Schweiz manchmal etwas mehr Putin! Oder wie war das z.B. mit dem Tee und der Unterhose bei Nawalny?
    1. Antwort von Urs Müller  (Jackobli)
      Ich weiss ja nicht, was Sie, Herr Baron, aus diesem Artikel herauslesen?
      Majestätsbeleidigung an Ihrem Zaren?
      Der Artikel zeigt doch nur auf, wie in Russland mit der Pressefreiheit umgegangen wird.
      Und das ist übelst. Solche Maulkorb-Gesetze sind eines Rechtsstaats unwürdig.
    2. Antwort von René Baron  (René Baron)
      @Müller: Russland hat keinen Zaren und von Gesetzen war auch keine Rede. Ihr Post ist 100% ad hominem und damit noch schlechterer Stil als die haltlosen Anschuldigungen und Vermutungen der - meiner Meinung nach - zu recht angegriffenen Journalistin.
      Wir haben es selber in der Hand auf einen guten Journalismus zu bestehen. Gut ist wenn er faktenbasiert und objektiv bleibt statt nur jeden Anlass wahr zu nehmen um wieder mal aus der neutralen Schweiz gegen einen souveränen Staat zu hetzen.
    3. Antwort von Hans Peter Auer  (Ural620)
      @ (René Baron): Zitat " mit dem Tee und der Unterhose bei Nawalny ". Koennen Sie aus vertrauten Quellangaben und mit 100% Garantie "Gegenteiliges" belegen?
    4. Antwort von Silvan Marty  (Silvan Marty)
      Hat ja gar nichts zu tun mit geliebten oder nicht in diesem bericht.
      Ein bericht und sie drehen durch dass putin eine geliebte gehabt haben könnte.
      Ist doch egal.