«Schmutzige Bomben» verhindern

Am Atomgipfel in Den Haag zeichnet sich ein Erfolg ab. Immer mehr Länder verpflichten sich, radioaktives Material loszuwerden, das für den Atombombenbau verwendet oder in die Hände von Terroristen gelangen könnte.

Mehrere Meter hohe, weisse Container für radioaktive Abfälle stehen in einer Lagerhalle, davor ein oranges Schild mit der Warnung «Kein unnötiger Aufenthalt!» Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Im Zwilag in Würenlingen (AG) lagern hunderte Tonnen radioaktiver Abfälle – auch aus Spitälern. Reuters

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«Schmutzige Bombe»

«Schmutzige Bomben» bestehen aus einem konventionellen Sprengsatz, der bei der Explosion radioaktives Material in der Umgebung verteilt. Es sind keine Kernwaffen, da bei der Zündung keine Kernspaltung erfolgt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass waffenfähiges Uran oder Plutonium in die Hände von Terroristen gelangt, ist nicht sehr gross. Aber wenn es geschähe, wären die Konsequenzen grauenhaft. Das Video, das den Staats- und Regierungschefs am Nuklear-Gipfel in Den Haag vorgeführt wurde, zeigt ein Horrorszenario.

Nukleares Material sichern

Die bessere Sicherung von Nuklearmaterial, das zum Bau einer sogenannten schmutzigen Bombe missbraucht werden könnte, ist dringlich. «Eigentlich sollte man annehmen, das Thema stehe seit langem oben auf der politischen Agenda», sagt Deepti Choubey. Sie vertritt die Nuclear Threat Initiative, die wichtigste Nichtregierungsorganisation in Sachen nukleare Sicherheit.

Doch erst US-Präsident Barack Obama brachte das Thema mit den Atomgipfeln auf die Agenda. In Den Haag findet nun das dritte Treffen seiner Art statt. Bereits gebe es konkrete Erfolge, so Choubey. Ziel müsse sein, dass immer weniger waffenfähiges Material in immer weniger Ländern und an immer weniger Stätten gelagert werde.

Auch in Spitälern und Labors lagert radioaktives Material

Seit dem ersten Atomgipfel 2010 sank die Zahl der Länder mit solch radioaktivem Material von 39 auf 25. Österreich, Tschechien, Mexiko, die Ukraine und viele andere haben sich davon getrennt. Ebenso wichtig ist, die Lager besser zu sichern. Denn angereichertes Uran und Plutonium befinden sich keineswegs nur in relativ gut geschützten Atombombenarsenalen oder Kernkraftwerken, sagt Khammar Mrabit von der Uno-Atombehörde IAEA.

Viel leichter könnte es aus Forschungslabors an Universitäten, aus Spitälern oder Fabriken gestohlen werden. Seine Organisation unterstützt deshalb Länder dabei, solche Anlagen besser zu sichern. Auch das ist ein Resultat der Atom-Gipfeltreffen.

12 Länder haben in den letzten Jahren Ausbildungszentren für Atomsicherheitsexperten gegründet, acht weitere sind dabei. 28 Länder überwachen inzwischen ihre Häfen und Grenzen besser, um Atomschmuggel zu verhindern. Und immer mehr Staaten ratifizieren Abkommen über Mindeststandards bei der Atomsicherheit.

Atombomben sind kein Thema

Auch Bundespräsident Didier Burkhalter spricht von Fortschritten. Ihn stört jedoch, dass ein grosses Thema beim Gipfel praktisch ausgeklammert wird. «Man müsste die Agenda auf die atomare Abrüstung und Verhinderung von Weitergabe von Atombomben ausdehnen», sagt er.

Wolle man die Gefahr neuer Atombomben verringern, sollte man zunächst auf die vorhandenen verzichten. Burkhalter fürchtet eine Zweiklassengesellschaft, in der die Nicht-Atommächte vor allem Pflichten, die Atommächte hingegen vor allem Rechte haben.

Dennoch zeigt der Haager Gipfel: Obschon die atomare Abrüstung blockiert ist, lässt sich die nukleare Sicherheit verbessern. Man muss das eine nicht lassen, weil man das andere nicht tun kann.