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International Schritt zum Frieden oder nur Stück Papier?

Europas Mächtige sind uneins über den Wert des Vertrags von Minsk. Die Gemütslage reicht von resigniert bis hoffnungsfroh.

Legende: Video Was ist von der Waffenruhe in der Ukraine zu halten? abspielen. Laufzeit 02:02 Minuten.
Aus Tagesschau vom 12.02.2015.

Die Reaktionen in Brüssel auf das Minsker Abkommen im Ostukraine-Konflikt könnten unterschiedlicher nicht sein. Da sind zunächst diejenigen, die von exzellenten Neuigkeiten sprechen, beispielsweise der österreichische Bundeskanzler Werner Feymann. «Jeder Friedensplan beginnt mit einem ersten Schritt.» Dass es diesen ersten Schritt für den Frieden gebe, sei ein «besonderer Tag».

Ganz andere Töne schlug etwa die Präsidentin Litauens, Dalia Grybauskaite, an. Sie sprach von einem schwachen Abkommen. Einen Waffenstillstand habe man schon beim ersten Minsker Abkommen vereinbart, eingehalten wurde er nicht; zudem sage das jetzige Abkommen nichts zur Kontrolle der Grenzen. Russland könne die Rebellen nach wie vor mit Waffen beliefern.

Cameron: «Was zählt sind Taten, nicht Worte»

Auch der britische Premier David Cameron will ob einem Stück Papier, wie er das Abkommen nennt, nicht in Jubelstimmung ausbrechen. Putin müsse erst beweisen, dass er es ernst meine. «Was zählt sind Taten, nicht Worte», so das trockene Statement von Cameron.

Im gleichen Sinne äusserte sich auch Martin Schulz, der Präsident des EU-Parlaments. Er gab auch gleich zu bedenken, was auf dem Spiel steht, wenn das Stück Papier ein eben solches bleibt: «Ich hoffe dass der Waffenstillstand hält, sonst sind wir einer tiefen Krise.»

Merkel und Hollande zurückhaltend

Derweil trafen auch drei Protagonisten der letzten Nacht in Brüssel ein und äusserten sich zum Minsker Abkommen. Der ukrainische Präsident, Petro Poroschenko, der als Gast ebenfalls mit dabei war, betrat abgekämpft und kommentarlos das Ratsgebäude. Der französische Präsident François Hollande wies denn auch darauf hin, dass die Verhandlungen auch hätten scheitern können.

Gleichzeitig betonte auch er, dass das blosse Abkommen noch nichts garantiere: «Die Konfliktparteien müssen nun beweisen, dass sie es ernst meinen.» Europa müsse wachsam bleiben und insbesondere Russland weiter unter Druck setzen, bis man von einem stabilen Waffenstillstand sprechen könne, fügte Hollande an.

Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel äusserte sich sehr zurückhaltend: «Es ist ein Hoffnungsschimmer, nicht mehr und nicht weniger. Diesen versuchen wir zu nutzen. Aber es ist jetzt wichtig, dass den Worten Taten folgen.» Das heisst auch, dass eine Lockerung der EU-Sanktionen gegen Russland noch kein Thema ist.

Die Lage in der Ukraine

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20 Kommentare

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  • Kommentar von UdoGerschler, Frankenberg
    Warum erinnert sich keiner an die 3 EU Ausenminister deren Vertrag von den jetzigen Machthabern in Kiew gleich für ungültig erklärt wurde.Dem neuen wird es auch nicht anders ergehen.
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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Fakt ist doch: Den ersten Weltkrieg hat nicht Russland angefangen, den zweiten auch nicht & Russland wird auch nicht schuld daran tragen, sollte es einen dritten geben. Fakt ist zudem: Gewendet & gedreht, Pro & Contra abgewogen, WER profitiert von diesem Konflikt, kommt man ganz objektiv, ohne jeglichen Emotionen, Sympathien oder Anti-Sympathien zum Ergebnis: DIE AMERIKANER SIND ES! Nicht die EU, nicht Europa mit Russland. Amerika saniert sich grad auf Kosten von GANZ Europa. Punkt.
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    1. Antwort von H. Frühling, Bern / Zürich
      Können Sie den Gewinn der USA bitte einmal erklären? Ganz emotionslos, einfach nur die finanziellen Konstrukte, die hinter Ihrer Behauptung stehen.
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    2. Antwort von m.mitulla, wil
      Ganz einfach Herr Frühling. Die USA führen ihre Kriege grundsätzlich ausserhalb ihres Territoriums, d.h. sie müssen keine Aufbauarbeit leisten. Sie verkaufen Waffen (=Wirtschaft ankurbeln) und können hinterher sogar noch Reparationszahlungen von den Verlierern verlangen. DAS sind doch wohl Vorteile?
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    3. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Und durch die Sanktionen gegenüber Russland, schaden diese Europas Wirtschaft & dem Euro, während dadurch die Wirtschaft in Amerika einen Aufschwung verzeichnen darf & der Dollar gegenüber dem Euro zugelegt hat. H. Frühling glauben Sie wirklich, dass Amerika alles aus purer Menschenfreundlichkeit völlig selbstlos macht? Das ist alles Kalkül. Eiskalt nur zu Gunsten der Amerikaner berechnet worden.
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  • Kommentar von c.jaschko, Bern
    Hitler hatte damals vor in der Ukraine die Deutschen anzusiedeln deswegen hat er zirka um die 10 Millionen Menschen auf die grausamste Art eliminiert „Kind & Frauen inbegriffen“ Offene Erschiessungen, Massen-Vernichtungen, etc. Zirka weitere 3 Millionen Menschen deportiert ! Falls Deutschlands-Politik wirklich auch nur ein klein wenig aus der Vorgeschichte gelernt zu haben scheint, wieso haben die 500 Millionen EUR den Putschisten , Pro-Nazis und Volks-Unterdrückern zu Verfügung gestellt :-)
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