Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Schüsse gefallen Philippinen: Ex-Polizeichef und Politiker igelt sich im Senat ein

  • Im philippinischen Senatsgebäude in der Hauptstadt Manila sind Schüsse gefallen.
  • Dies, nachdem mehrere bewaffnete Soldaten in Uniform das Gebäude des Senats betreten haben, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Berichten zufolge wurde niemand verletzt.
  • Im Gebäude befindet sich seit Tagen der ehemalige Polizeichef des Landes, Senator Ronald Dela Rosa, der offenbar festgenommen werden sollte.
  • Dela Rose wird per internationalem Haftbefehl gesucht.

Anwesende seien aufgefordert worden, in Deckung zu gehen, berichteten Augenzeugen der Nachrichtenagentur Reuters. Zuvor waren mehr als zehn Soldaten in Tarnkleidung eingetroffen, von denen einige Sturmgewehre trugen. Wer die Schüsse abfeuerte und warum das Militär anrückte, war zunächst unklar.

Es war erwartet worden, dass ein vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) per Haftbefehl gesuchter Senator festgenommen werden soll. Der 64-jährige Ronald Dela Rosa, der unter dem früheren Präsidenten Rodrigo Duterte als Polizeichef den blutigen «Krieg gegen Drogen» leitete, hatte auf Facebook seine unmittelbar bevorstehende Festnahme verkündet.

Nachtaufnahme des Gebäudes des Senats der Philippinen mit Autos und Menschen.
Legende: Der phlippinische Senator Roland dela Rosa befindet sich seit drei Tagen auf dem Gelände des Senats und hat den philippinischen Präsidenten Ferdinand Marcos Jr. gebeten, die Vollstreckung eines vom Internationalen Strafgerichtshof erlassenen Haftbefehls gegen ihn nicht zuzulassen. SRF

Er rief die Bevölkerung auf, sich zu mobilisieren und seine Auslieferung an den IStGH zu verhindern. «Ich appelliere an Sie, ich hoffe, Sie können mir helfen. Lassen Sie nicht zu, dass ein weiterer Filipino nach Den Haag gebracht wird», sagte Dela Rosa in einem Video aus seinem Büro im Senat, in dem er sich seit Montag verschanzt hält.

Haftbefehl wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Der IStGH hatte am Montag einen auf November datierten Haftbefehl gegen Dela Rosa wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit öffentlich gemacht. Wegen der gleichen Vorwürfe wurde bereits der 81-jährige Duterte im vergangenen Jahr festgenommen. Er wartet in Den Haag auf seinen Prozess.

Dela Rosa war als Polizeichef massgeblich für das harte Vorgehen der Behörden verantwortlich, bei dem Tausende mutmassliche Drogenhändler getötet wurden. Menschenrechtsgruppen werfen der Polizei systematische Morde und Vertuschung vor. Die Polizei weist die Vorwürfe zurück und erklärt, die mehr als 6000 bei Antidrogeneinsätzen getöteten Menschen seien bewaffnet gewesen und hätten sich ihrer Festnahme widersetzt.

Senator Dela Rosa in Sicherheit

Mutmassliche Beamte der Nationalen Untersuchungsbehörde (NBI) hätten versucht, in den Senat einzudringen, erklärte Senatssekretär Mark Llandro Mendoza. Beim Rückzug sei das Feuer eröffnet worden. NBI-Direktor Melvin Matibag teilte gegenüber einem lokalen Sender jedoch mit, dass keine Einsatzkräfte entsandt worden seien. «Ich habe mit dem Justizminister gesprochen, und er sagte mir, ich solle Anweisungen abwarten. Wir haben keinerlei Vorbereitungen getroffen», sagte er.

Der Leiter des Pressebüros des Militärs sagte gegenüber Reuters, der Senat habe um Hilfe gebeten, um «die Anlage zu sichern». Innenminister Jonvic Remulla erklärte, es sei unklar, wer die Schüsse abgegeben habe, und die Aufnahmen der Überwachungskameras müssten ausgewertet werden. Dela Rosa befinde sich in Sicherheit. Es werde keine Verhaftung erfolgen.

Die Regierung sei nicht involviert und habe keine Kenntnis über die Verantwortlichen, sagte der Präsident Ferdinand Marcos Jr. in einer Videobotschaft. Es gebe keine Anweisung, Ronald Dela Rosa zu verhaften. Dem Vorfall werde auf den Grund gegangen.

SRF 4 News, 13.5.2026, 20 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel