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Kenia wird wegen teuren Masken kreativ
Aus HeuteMorgen vom 28.04.2020.
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Schutz gegen Coronavirus Kenianer produzieren ihre Gesichtsmasken selbst

Vom halben BH bis zum bunten Afrikatuch – Kenia wird kreativ, weil medizinische Masken teuer sind.

Auf dem Markt dreht sich kaum jemand nach Zainab Kangale um. Die 35-Jährige hat ihre Gesichtsmaske selbstgemacht – aus einem gebrauchten Büstenhalter. «Auf dem Fischmarkt erhielt ich sogar Komplimente dafür», erzählt die Kenianerin am Telefon.

Eine Frau und ein Kind mit Masken.
Legende: Zainab Kangale aus Kitale/Kenia hat ihre Gesichtsmaske selbst aus einem gebrauchten BH genäht. Ihre Nichte trägt die andere Hälfte. SRF/ZVG

Als die Regierung Anfang April eine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit einführte, fiel Kangales Blick auf den BH. «Er hat mehrere Stoffschichten und ist ergonomisch. Perfekt ist er sicher nicht, aber besser als die Stoffmasken, die man nun überall erhält.»

Preise sind explodiert

Masken aus ein oder zwei Stoffschichten gibt es in Kenia für weniger als einen Franken. Ob sie tatsächlich Schutz bieten, ist fraglich. Doch eine medizinische Einwegmaske kostet praktisch gleichviel, eine bessere Papiermaske sogar rund zehn Franken. Mehr als ein durchschnittlicher Tageslohn. Wegen des Preisanstiegs lohnt es sich nun, medizinische Gesichtsmasken herzustellen.

Eine Näherei in Kitui hat von Arbeitskleidung innert nur drei Tagen auf Schutzmasken umgestellt. Diese entsprächen internationalen Standards, erzählt Manager Mbuvi Mbathi stolz: «Die Materialien und Prozesse wurden inspiziert und bewilligt. Wir fabrizieren nun täglich 30'000 Einwegmasken.»

Mit Schulschliessungen, nächtlichen Ausgangssperren und der Abschottung gewisser Regionen hat Kenia es bisher geschafft, das Coronavirus im Zaum zu halten. Erst wenige hundert Menschen wurden im vergangenen Monat positiv getestet. Die Zunahme wächst nicht exponentiell. Das ist ein Erfolg, doch es könnte auch die Ruhe vor dem Sturm sein.

Masken vom Modelabel

Sogar Modelabel haben angefangen, Gesichtsmasken herzustellen. Der Kenianer David Wandere und die Schweizerin Isabelle Peter fabrizieren unter dem Label «Tengevuli» normalerweise Schirme und Westen aus farbenfrohem Kitenge-Tuch.

Eine Näherin an der Arbeit.
Legende: Das Modelabel Tengevuli in Nairobi/Kenia hat derzeit ganz auf die Produktion von Schutzmasken umgestellt. Eine Näherin an der Arbeit. SRF/Samuel Burri

Dementsprechend sehen auch ihre Gesichtsmasken aus, die sie mit finanzieller Unterstützung einer Hilfsorganisation in der Hauptstadt Nairobi herstellen.

Fertige Masken hängen an einer Wäscheleine.
Legende: Fertige Masken von Tengevuli hängen an der Luft zum Trocknen. SRF/Tengevuli

Die Maskenproduktion war eine Herausforderung, aber auch eine Chance, erzählt Wandere: «Die Aufträge brachen ein. Viele unserer Kunden haben ihre Geschäfte geschlossen.» Nun laufen die Nähmaschinen wieder, 1200 Masken sind bestellt.

Freiwillige verteilen Masken.
Legende: Nach der Fertigung werden die Masken an Personen übergeben, die sie im Slum verteilen. SRF/Tengevuli

Und auch danach will Wandere auf Schutzausrüstung fokussieren: «Wir wollen die Leute an der Front unterstützen, die etwa in den Armenvierteln Essen verteilen. Sie brauchen dringend eine anständige Ausrüstung.»

Freiwillige verteilen die Masken im Slum Kangemi
Legende: Freiwillige verteilen die Masken im Slum Kangemi und erklären, wie man die Maske korrekt anzieht. SRF/Kitusuru Citizen Forum

Was Masken, Lebensmittel und andere essenzielle Dingen anbelangt, können die Menschen Kenias derzeit nicht auf Hilfe aus dem Ausland warten. Initiative und Kreativität sind im Kampf gegen das Coronavirus gefragter denn je.

HeuteMorgen, 28.4.2020, 06:05 Uhr

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Claudia Beutler  (Claudia)
    Ich finde die Masken aus Kenia richtig stylisch. Die Stoffe sind sehr schön.
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  • Kommentar von Verena Schär  (Nachdenklich)
    Arme Menschen sind viel kreativer. Die Menschen können nicht immer auf den Staat warten. Ausserdem müssen die Menschen in Kenia eine Maske tragen sonst kostet das sehr viel Geld. Entweder in Form von (leider) Bestechung oder Busse.
    Ein Kenianer kehrte aus Europa positiv zurück (Malindi). Er sollte in Quarantäne bleiben. Er haute ab und trug das Virus weiter. Er bestach die Polizei. Alles flog auf (Gottseidank) und nun sitzt er im Knast.
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  • Kommentar von Enton Ultron  (Enton)
    Freut mich, dass Ihr darüber berichtet. Auf den Bildern sind jedoch nur Näherinnen zu sehen. Daher fände ich den Übertitel, “Kenianerinnen produzieren ihre Gesichtsmasken selbst” sinnstiftender.
    Oder sogar noch besser - da ja euch ein Manager involviert ist und sicherlich auch Näher -, einfach zeitgemäss: “Kenianer*innen [...]”.

    Lieb grüsst
    Enton
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    1. Antwort von Verena Schär  (Nachdenklich)
      Haben sie ein Bild von einem Näher, (ich stelle Näher nicht in Frage, denn viele Schneider sind Männer).
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