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Schwangerschaft im Spitzensport
Aus Rendez-vous vom 03.01.2020.
abspielen. Laufzeit 04:28 Minuten.
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Schwangere Profisportlerinnen Plötzlich allein gelassen

Schwanger im Profisport: Geld ist dabei nicht das Hauptproblem, wie Stabhochspringerin Nicole Büchler erfahren hat.

Eine junge Stabhochspringerin nimmt in einer Trainingshalle in Magglingen Anlauf, springt über die Sprunglatte und landet auf der Matte. Nicole Büchler steht daneben und gibt ihr ein Feedback. Die bald 36-jährige Leichtathletin trainiert gerade ihre Freundin. Sie tut dies in ihrer Freizeit, deshalb habe sie ihr Kind dabei. Flynn, einjährig, sitzt weinend auf dem Boden. Büchler nimmt ihn auf den Arm.

Büchler die einzige Athletin mit Kind

Eine Spitzenathletin mit Kind sei noch immer eine Seltenheit, erklärt Philippe Bandi, Leiter Leistungssport beim Leichtathletikverband. «Es ist schwierig, Zahlen zu nennen. Im Nationalteam ist sie das einzige Beispiel in den letzten Jahren.» Viele Frauen beendeten immer noch erst die Spitzensport-Karriere, bevor sie eine Familie gründeten.

Anders war es bei Stabhochspringerin Büchler. Mit 34 Jahren wurde sie schwanger. Da merkte sie, dass für diesen Fall niemand vorbereitet war. Alles war vertraglich geregelt, nur die Schwangerschaft nicht.

So wusste Nicole Büchler nicht, ob sie weiterhin vom Verband und von Sponsoren finanziell unterstützt würde. «Was mich erwartet, wusste ich nicht. Ich habe sogar damit gerechnet, dass ich gar nichts mehr bekomme. In der Situation, in der ich war, war ich dankbar für alles, was ich noch erhielt.»

Grosszügige Förderer

Reich werde man als Athletin sowieso nicht, sagt die Stabhochspringerin. Doch plötzlich musste der Ehemann Einkommenslücken stopfen. Der Leichtathletikverband und die Sporthilfe zeigten sich zwar grosszügig und bezahlten gleich viel Geld wie vorher. Und auch von der Leichtathletikveranstaltung Weltklasse Zürich erhielt Nicole Büchler als Botschafterin denselben Betrag wie bisher. Allerdings fiel hier das Startgeld weg. Das ist rund die Hälfte des Betrags.

Nicole Büchler betont, dass sie für die Unterstützung durch den Leichtathletikanlass sehr dankbar sei. Sie hätte sich aber gewünscht, besser über die finanziellen Auswirkungen der Schwangerschaft informiert zu sein.

Aus dem Fall etwas gelernt

Bei Weltklasse Zürich nimmt man das Anliegen ernst: Künftig wolle man den Fall einer Schwangerschaft im Vertrag erwähnen, sagt Co-Direktor Andreas Hediger. «Das nehmen wir als Learning mit. Und zwar in dem Sinn, dass man in einer langfristigen Karriereplanung das Thema bespricht.» So wären die Athletinnen besser vorbereitet.

Nicht nur finanziell war Büchler nicht vorbereitet. Sie wusste auch nicht, wie sie während und nach der Schwangerschaft trainieren sollte. Denn die Athletin hatte weder einen Sportarzt noch eine Gynäkologin, die sich mit Schwangerschaft und Spitzensport auskannten. Büchler verliess sich deshalb auf die Anweisungen ihrer Physiotherapeutin.

Betreuung soll verbessert werden

Das sei sicher nicht der Idealfall, sagt dazu der Sportmediziner, Walter O. Frey von der Universitätsklinik Balgrist: «Wenn diese Betreuung fehlt, ist die Sportlerin so alleine, dass sie die Situation nicht optimal einschätzen kann und sich einem erhöhten Risiko aussetzt. Das könnte zu Problemen führen.» Frey ist Chefarzt vom Verband Swiss Ski.

Seit der Schwangerschaft von Büchler hat sich einiges bewegt. Der Dachverband Swiss Olympic ist daran, die ärztliche Betreuung für schwangere Spitzenathletinnen zu verbessern. Das Lehrgeld dafür bezahlt haben Nicole Büchler und ihre Vorgängerinnen.

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Aus dem Archiv: Nicola Spirig zwischen Training und Baby
Aus sportpanorama vom 03.02.2019.
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26 Kommentare

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  • Kommentar von martin blättler  (bruggegumper)
    Da wird versucht,eine neue Opferkategorie herbeizureden.
    Es wird Zeit,die Natur zu verklagen,die den Frauen so viele
    Nachteile mit auf den Weg gibt.Bald werden alle,die von keiner dieser
    Opferrollen profitieren können,die kleinste aller Opferkategorien sein.
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  • Kommentar von Sam Meier  (tsam39947)
    Die Situation wird so dargestellt, als wenn das angebliche vertragliche Versäumnis einzig und allein in der Verantwortung der Verbände und Sponsoren liegen würde. Allerdings ist auch den Sportlerinnen das Denken nicht verboten. Sie wissen, dass sie schwanger werden könnten und dürften sich schon vor Vertragsunterzeichnung die Frage stellen: Was dann?
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  • Kommentar von Donat Hunger  (Donat Hunger)
    Hier geht es nicht um ein Gejammer, es geht im Bericht darum, um aufzuzeigen, wie eine Schwangerschaft, das Leben einer Sportlerin verändern kann. Zum Punkt, dass es normal sei, dass der Mann die finanziellen Lücken schliesst. Die Kritiker wissen ja nicht, wie die finanziellen Verhältnisse der Familie sind, ich auch nicht. Darum sollte man mit pauschalen Argumente, disbezüglich vorsichtig sein. Und übrigens, als Spitzensportler muss man einen Egoist sein, sonst kommt man nirgends hin.
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