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War Schwedens Corona-Sonderweg richtig?
Aus Info 3 vom 01.05.2020.
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Schwedens Corona-Sonderweg «Eher unwahrscheinlich, dass es noch zu einem Lockdown kommt»

Der schwedische Virologe Anders Tegnell hat international für Aufsehen gesorgt, weil er der Regierung riet, auf die Schliessung der Schulen zu verzichten und stattdessen an die Vernunft der Bürger zu appellieren. Sie sollten die Hygienemassnahmen beachten und möglichst Abstand halten – freiwillig. So richtig geklappt hat es offenbar nicht, denn das Virus hat sich auch in Schweden ausgebreitet, und die Todesfälle sind angestiegen, wie SRF-Nordeuropa-Korrespondent Bruno Kaufmann sagt.

Bruno Kaufmann

Bruno Kaufmann

Skandinavien-Korrespondent

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Bruno Kaufmann berichtet seit 1990 regelmässig für SRF über den Norden Europas, von Grönland bis Litauen. Zudem wirkt er als globaler Demokratiekorrespondent beim Internationalen Dienst der SRG, swissinfo.ch/directdemocracy, Link öffnet in einem neuen Fenster.

SRF News: Wie ist die Corona-bedingte Lage zurzeit in Schweden?

Bruno Kaufmann: Sie ist teilweise im Pflege- und Altersheim-Bereich in Stockholm sehr angespannt und kritisch. Ein grosser Teil der Corona-Todesfälle im April haben sich dort ereignet. Viele waren Menschen über 80 mit Vorerkrankungen.

Was sagt Chefvirologe Tegnell dazu?

Seinen anfänglichen Optimismus hat er ein bisschen verloren. Er glaubte zu Beginn, dass die Infektionsquelle rasch ausgemerzt sei und auch die Zahl der Toten sehr schnell wieder abflachen werde.

Schweden hat gute Voraussetzungen für den Weg der Freiwilligkeit, weil eine Mehrheit der Haushalte Einzelhaushalte sind.

Doch jüngst zeigte er sich angesichts der neuen Zahlen auch selbstkritisch und ist sich nicht mehr ganz sicher, ob Schweden wirklich den richtigen Weg durch diese Pandemie geht.

Gab es in Schweden keine Stimmen, die die Situation anders einschätzten als er?

Doch, es gab viele solche Stimmen, auch weil ja die Nachbarländer Dänemark, Norwegen und Finnland die Lockdown-Strategie gefahren sind. Kritisiert wird jetzt aber vor allem die Infrastruktur oder die Bereitschaft im Gesundheitswesen. Diese Krise hat die Schwächen des Gesundheitswesens tatsächlich deutlich aufgezeigt.

Schweden hat von Anfang an an die Vernunft der Bürgerinnen und Bürger appelliert. Nimmt die Bevölkerung diese Aufrufe ernst genug?

Meine Einschätzung ist, dass die Bevölkerung die Pandemie sehr ernst nimmt. Ob ernst genug, ist eine andere Frage. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass gut 98 Prozent der Schwedinnen und Schweden ihr Verhalten in den letzten Wochen verändert haben.

Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven hat fast an jeder Pressekonferenz damit gedroht, dass er einen Lockdown nicht explizit ausschliesst.

Schweden hat gute Voraussetzungen für den Weg der Freiwilligkeit, weil eine Mehrheit der Haushalte Einzelhaushalte sind. Es gibt viel Platz, und der Grad der Digitalisierung ist hoch. Deshalb hat es relativ gut funktioniert.

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Aus dem Archiv: Schweden verzichtet auf strengere Massnahmen
Aus Tagesschau vom 20.04.2020.
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Wird in Schweden kein Lockdown mehr verhängt?

Ministerpräsident Stefan Löfven hat fast an jeder Pressekonferenz damit gedroht, dass er einen Lockdown nicht explizit ausschliesst, und er hat auch die Kompetenzen dafür bekommen. Ich halte es eher für unwahrscheinlich, dass es in Schweden noch zu einem Lockdown kommt, vor allem, weil man damit rechnet, dass diese Pandemie noch Monate, wenn nicht Jahre dauert. Da muss man einen Weg finden, um sie durchzustehen.

Das Gespräch führte Danièle Hubacher.

Info 3, 01.05.2020, 12 Uhr;

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71 Kommentare

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  • Kommentar von Dani Furrer  (dani rider)
    Die Einzigen die es weltweit richtig gemacht haben! Bravo! Sie waren uns ja leider schon immer leicht überlegen, sei es im Sport oder mit anderen Dingen. Das muss man leider anerkennen. Wäre schön, wenn wir so ein intelligentes und mutiges Volk wären und nicht ein Heer an Denunzianten und Angsthasen. Sorry, aber das musste einfach mal klar gesagt sein, auch wenn's mich ja selber schmerzt!
  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Und wo sind die Zahlen? 19400 zu 2400, stimmt das.? Das ist doch bemerkenswert, oder nicht. Daseist nichts.
    1. Antwort von Daniele Röthenmund  (Daniele Röthenmund)
      Was haben den sie für Zahlen? Es sind 22086 Infizierte und 2669 sind verstorben. Nicht gerade gute Zahlen.
    2. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Immerhin um Grössenordnungen kleiner als modelliert. Natürlich kann man sich jetzt auf die Schulter klopfen, verhindert zu haben, was Schweden nicht verhindert hat - vor allem, wenn alles nicht so schlimm ist, wie befürchtet (oder?). Kein Mensch, der die Berechnungen gesehen und ernst genommen hat und die weiteren Prognosen kennt, wird aber jetzt Bilanz ziehen wollen. Das wahre Ausmass der Krise ist nach wie vor unsichtbar - menschlich, gesundheitspolitisch wie ökonomisch.
  • Kommentar von Walter Hasler  (Hoppschwyz)
    Leider ist man erst hinterher klüger. Ob Schwedens Weg funktioniert, wissen wir erst in ein paar Monaten. Aber wenn die Schweizer die immer noch nötigen Massnahmen so gut einhalten wie die Schweden (freiwillig!), kann eine 2 Welle vieleicht vermieden werden.
    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Ziemlich sicher sind wir durch den Lockdown in einer etwas schlechteren Ausgangsposition, da bei uns weniger Menschen das Virus gehabt haben dürften. Vielleicht gelingt es immerhin über den Sommer trotzdem auf mehr oder weniger freiwilliger Basis, sogar die Verbreitung hinreichend zu bremsen. Doch sollten wir von Schwedens Beispiel jetzt schon so viel lernen, die Alters- und Pflegeheime und allgemein die Risikogruppe so gut es geht zu schützen bzw. ihnen zu ermöglichen, sich gut zu schützen.