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Wie kommen Schweizer und Schweizerinnen heim?
Aus Rendez-vous vom 18.03.2020.
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Schweizer sitzen in Peru fest «Plötzlich hiess es: Die Grenzen schliessen innert 24 Stunden»

Der Bundesrat ruft alle Schweizerinnen und Schweizer im Ausland dazu auf, sofort in die Heimat zurückzukehren. Doch die Rückkehr in die Schweiz ist aus manchen Destinationen sehr schwierig. Die 21-jährige Schweizer Studentin E.S. (möchte nicht namentlich genannt werden) sitzt nach ihren Ferien mit fünf weiteren Landsleuten in Cusco, Peru fest.

SRF News: Seit wann versucht ihr, eure Heimreise in die Schweiz zu organisieren?

E.S.: Am Sonntag in der Früh haben wir erfahren, dass Perus Nachbarland Ecuador seine Grenzen geschlossen hat, was uns sehr verunsichert hat. Meine Reisekollegin und ich haben daraufhin umgehend beschlossen, dass wir sofort nachhause wollen. Wir haben uns dreifach abgesichert und für die kommende Woche verschiedene Rückflüge mit verschieden Airlines gebucht.

Wir dachten: Jetzt muss es irgendwie klappen!

Mit Air Canada über Toronto nach Zürich, mit einer lokalen Fluggesellschaft nach Costa Rica, mit Edelweiss nach Zürich und von Lima nach São Paulo und von dort mit der Swiss nach Zürich. Danach waren wir kurz beruhigt und dachten: Jetzt muss es irgendwie klappen!

Die Erleichterung hielt aber nicht lange an?

Nein, am Sonntagabend kehrten wir in unser Hostel zurück, wo pure Panik herrschte. Denn der Peruanische Präsident hatte soeben verkündet, dass Peru seine Aussengrenzen schliesst. Plötzlich hiess es: Ihr habt noch 24 Stunden, um das Land zu verlassen. Morgens um 3 Uhr standen wir dann mit tausenden von Touristen am Flughafen in Cusco und haben krampfhaft versucht, noch irgendwie einen Platz im Flugzeug in die Hauptstadt Lima zu ergattern, damit wir von dort das Land verlassen können.

Gepäck
Legende: Der Zeitpunkt für die Heimreise ist ungewiss. SRF

Zehn Stunden später mussten wir aufgeben. Es gab keine Möglichkeit mehr, irgendwo einen Platz zu kriegen. Dann kam der Aufruf des Bundesrates, dass alle Schweizerinnen und Schweizer sofort zurückkehren sollen.

Anschliessend habt ihr die Schweizer Behörden kontaktiert. Wen habt ihr erreicht?

Meine Mutter hat umgehend das EDA und die Botschaft der Schweiz in Peru kontaktiert. Dort hiess es, es sei schwierig, eine Ausreise zu organisieren. Denn der Peruanische Präsident müsse dies erlauben.

Bis jetzt herrscht Funkstille. Wir haben keine weiteren Informationen erhalten.

Wir konnten uns auf einer Liste eintragen, damit wir bei Neuigkeiten umgehend kontaktiert werden können – bis jetzt herrscht aber Funkstille. Wir haben noch keine weiteren Informationen erhalten. Auch das Konsulat in Cusco haben wir Schweizer zusammen aufgesucht. Dort machte man uns keine grossen Hoffnungen. Wir könnten frühstens in 15 Tagen mit einer Rückreise rechnen.

Wie sieht es bei anderen Touristen aus? Bekommen diese mehr Hilfe?

Vor allem Deutschland macht diesbezüglich mehr. Wir Schweizer hier im Hostel sind nun sogar auf der Liste der Deutschen gelandet und in einer Whatsapp-Gruppe mit der Deutschen Botschafterin in Peru. Dort erhalten wir wenigstens regelmässig Informationen. Momentan heisst es, die rechtliche Grundlage sei nun geschaffen, um die Deutschen Staatsbürger aus Peru zu holen. Wenn wir Glück haben, können wir uns da anschliessen. Unklar ist noch, welche Airline zum Einsatz kommt.

Hostel Zimmer
Legende: Momentan dürfen die Touristen das Hostel in Cusco nicht mehr verlassen. SRF

Wie sieht die Situation vor Ort aus? Könnt ihr euch frei bewegen?

Seit Montag hängen Zettel an den Türen unseres Hostels, dass der Strassenzugang eingeschränkt sei. Alle drei Tage können wir bei Angestellten des Hostels Lebensmittel bestellen. Sonst sitzen wir hier mit ungefähr 50 anderen Touristen fest.

Wie geht es für euch weiter?

Momentan ist unsere grösste Hoffnung, dass wir mit den Deutschen Touristen ausreisen können. Ob das in den nächsten Tagen passiert oder erst in ein paar Wochen, weiss niemand.

Das Gespräch führte Céline Meier.

Rendez-vous; 18.03.20; 12:30 Uhr

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Oskar Schneider  (Oski2)
    Da gehen wir CHer zu tausenden rund um die Welt, mit dem grössten Vergnügen und bleibt man stecken da schreien weinend alle gleiche nach der Frau CH (dem Mami) um nach "Hause" gebracht zu werden. Finde das Ironisch auch wenn ich jetzt viele (oder alles nur) Negative bekomme. Neuer Begriff: HDF (Hilf dir Selbst) und fuhr immer gut damit. :)
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  • Kommentar von Martin Meier  (märtel)
    Hallo Bundesrat, auch schon mal daran gedacht, dass nicht alle mit dem Flugzeug im Ausland unterwegs sind?
    Wir sind mit unserem Wohnmobil in Portugal an der Algarve. Die Grenzübergänge sind für Tourismus zu! Euer undifferenzierter Aufruf verleitet Leute dazu den Camping zu verlassen, auf den sie dann nicht mehr zurückkehren können, weil die geschlossen sind oder niemanden mehr reinlassen zum Schutz der Anwesenden.
    Macht es wie wir: höhrt in diesem Fall nicht auf den Chef. Bleibt wo ihr seid.
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  • Kommentar von Anneliese Klingler  (Anneliese Klingler)
    @Thomas Leu: Es geht nicht vorrangig um die Kosten, sondern dass wir aufgerufen sind, schnellstens in die Schweiz zurückzukehren dies jedoch nicht können, weil die gebuchten Flüge ständig gecancelt werden, Hotlines überlastet sind und wir nirgends eine klare Information erhalten.
    Und nicht alle, die zurückkehren müssen, sind auf Ferienreise!
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    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Anneliese Klingler: Ich kann es auch nicht ändern. Wir haben ja nicht einmal ein Militärtransportflugzeug wie andere Länder, das Sie holen könnte. Bei uns wurde die Armee zusammengespart. Das rächt sich in Krisen und macht uns abhängig. Wenn's nach mir ginge, hätten wir mehr Mittel.
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    2. Antwort von Albert Bachmann  (AFB)
      @Thomas Leu
      Dafür braucht man definitv keine C17 oder C130! Momentan sind ja sowieso genügend Swiss-Flieger in Kloten, Genf und Dübendorf die nicht gebraucht werden...
      Es wäre aus Sicht des Transports einfach möglich diese Schweizerinnen und Schweizer zurück zu holen, wenn die diplomatische Seite geklärt wäre und genau dort müsste das EDA eingreiffen und sich für diese Leute einsetzen! So wie dies bei anderen Ländern, natürlich im Rahmen des Möglichen, offenbar gut funktioniert...
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    3. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Albert Bachmann: Die Lufträume sind geschlossen. Wenn Sie trotzdem ohne Erlaubnis in ein Land einfliegen, können Sie im schlimmsten Fall von dessen Luftwaffe abgeschlossen werden. Zudem: Glauben Sie, es ist für ein kleines Land ein Pappenstil 15'000 Leute zurückzubringen, jetzt wo alles gesperrt ist? Die Schweizer Armee hat es gerade geschafft 8'000 Soldaten aufzubieten. Wir haben hier auch noch Probleme in der Schweiz.
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    4. Antwort von Albert Bachmann  (AFB)
      @Thomas Leu
      Also erstens würde es sich bei Swiss-Flügen, die vom Bund lediglich organisiert werden, um zivile Flüge handeln, und da, in diesem Fall Peru, es sich um ein Mitglied der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) handelt, dürfte Peru einen Flug durch ihr Hoheitsgebiet nicht untersagen, sondern lediglich die Landung...!
      Zudem ist die Schweiz bekannt für ihre Diplomatie, was es eigentlich möglich machen sollte eine Vereinbarung zu finden, so wie andere Länder es auch können!
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    5. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Albert Bachmann: Das wird vermutlich alles getan, aber es braucht Zeit. Schliesslich muss sich die Regierung, zusätzlich zu den 15'000 über den Globus verstreuten gestrandeten Schweizern, auch noch um die 8'500'000 zu Hause gebliebenen kümmern. Wir haben bezogen auf die Einwohnerzahl viel mehr Infizierte als Peru. Im Moment sind Sie sicherer in Peru als in der Schweiz.
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    6. Antwort von Albert Bachmann  (AFB)
      @Thomas Leu
      Das schöne Wörtchen das Sie verwendet haben ist „vermutlich“. Auch wenn momentan Vorkehrungen getroffen würden, kommen diese Infos offenbar nicht bis zu den Reisenden durch, doch dies sollte als Minimum möglich sein. Zudem ist es ja das Eidg. Dep. für AUSWERTIGE Angelegenheiten... Es liegt nicht in deren Zuständigkeit sich um die 8.5 Mill in der Schweiz zu kümmern! Zudem ist Peru kein Erstweltland. Die Reisenden sind dort durch andere Dinge mehr in Gefahr, zB der Polizei...
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