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Wie eine Luzernerin in ihrem Resort in Indonesien versucht, die Corona-Krise zu meistern
Aus Echo der Zeit vom 11.07.2020.
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Schweizerin in Indonesien «Es geht momentan nur darum, dass alle genug zu essen haben»

Ein Resort in Indonesien zu eröffnen war ihr grösster Traum. Nun kämpft die Luzernerin Maya Hadorn um ihr Lebenswerk.

Die Coronakrise trifft viele Schweizerinnen und Schweizer, die im Ausland wohnen, härter als uns in der Heimat. Denn während die Schweiz Firmen und Arbeitnehmern mit Kurzarbeit und Krediten unter die Arme greift, gibt es in vielen anderen Ländern keine vergleichbare Hilfe. So auch nicht in Indonesien: Das Beispiel einer Schweizer Unternehmerin zeigt stellvertretend für viele andere, was die Covid-19-Krise – weitab von der Heimat – bedeuten kann.

Die winzige Insel Pef in Westpapua in Indonesien ist ein Paradies. Die Luzernerin Maya Hadorn hat sich dort, dreieinhalb Bootsstunden von der nächst grösseren Stadt Sorong entfernt, vor 10 Jahren niedergelassen. Den letzten Rappen ihrer Ersparnisse hatte sie damals in ihr eigenes Tauch-Resort gesteckt. Inklusive Kredite hat sie zwei Millionen Franken investiert. Mittlerweile hat Hadorn über 60 Einheimische angestellt. Ausser dem Resort der Schweizerin gibt es auf der Insel Pef nichts.

Für 2020 war ihr Resort «Raja4divers» praktisch ausgebucht. Doch dann kam Covid-19: Indonesien schloss die Grenzen, untersagte jegliche touristische Aktivität. Alles stand still, wie Maya Hadorn SRF via Skype erzählt. Im Hintergrund rauscht das Meer, während sie sagt: «Seit März haben wir keine Gäste mehr. Finanziell ist das schon heftig.» Sie habe bereits Darlehen aufnehmen müssen, um den Gästen die gebuchten Reisen rückerstatten zu können. «Nur in ganz wenigen Fällen haben Reiseversicherungen aus Kulanz einen Teil übernommen.»

Anders als in der Schweiz gibt es vom indonesischen Staat keinerlei finanzielle Hilfe. Wenn Hadorn Mails von Bekannten aus der Schweiz erhält, die über Kurzarbeit klagen, muss sie schmunzeln. «Ich wäre noch so froh, ich könnte Kurzarbeit anmelden.» Aber jammern will sie nicht. «Ich kam freiwillig hierhin und ich wusste: Das ist ein Land, das anders organisiert ist.» Dass Indonesien nicht dasselbe bieten könne wie die Schweiz, sei ihr bewusst gewesen. «Aber schwierig ist es halt trotzdem.»

Froh ist Hadorn darüber, dass ihre Mitarbeitenden hinter ihr stehen. Im Gegensatz zu vielen anderen Firmen hat Hadorn sie nicht entlassen, sondern behält sie unter Vertrag – mit gekürzten Löhnen. Sie hat ihnen versprochen, sie weiterhin zu beschäftigen, sobald Indonesien die Grenzen wieder aufmacht und Flüge wieder stattfinden. Wann es soweit ist, steht in den Sternen.

Maya Hadorn und ihr Team.
Legende: Unterstützen sich in der Coronavirus-Krise gegenseitig: Hadorn und ihre Angestellten. ZVG

Solange muss die Schweizerin um ihr Lebenswerk bangen – und der Bevölkerung helfen, gegen den Hunger zu kämpfen. Denn Covid-19 ist in der Region von Westpapua in erster Linie eine Nahrungsmittelkrise: «Hier geht es momentan nur darum, dass alle genug zu essen bekommen.» Reis, neben Fisch das Grundnahrungsmittel, das es dreimal täglich gibt, wächst auf den Inseln nicht, er muss gekauft werden. «Reis ist wegen des Virus enorm teuer geworden – oder gar nicht erhältlich.»

Schon ganz zu Beginn der Coronakrise hat Hadorn deswegen das Projekt «Raja for rice» lanciert. Mit Spenden von Gästen und Bekannten hat sie Reis eingekauft, ihn auf die Insel geschifft und ein Lager angelegt. «So können wir den Angestellten und ihren Familien helfen, zu überleben», erzählt sie. Kommen neue Spenden rein, werden weitere Reissäcke gekauft.

Maya Hadorn mit Kindern.
Legende: Mit dem Hilfsprojekt «Raja for rice» versucht Hadorn, etwas gegen die Lebensmittelknappheit zu tun. ZVG

Auf die Frage, wie lange die finanziellen Mittel der Schweizerin noch reichen, um den ganzen Betrieb aufrecht zu halten, schweigt Hadorn eine Weile. Dann sagt sie: «Mit den Konditionen der Darlehen, wie sie im Moment sind, hab ich Schnauf bis September, vielleicht bis Oktober.» Wie es danach weitergeht, wisse sie nicht. Vor noch mehr Schulden hat sie Respekt – aufzugeben kann sich Hadorn aber genauso wenig vorstellen.

Mut macht ihr, dass sie weiss, dass sie kein Einzelfall ist. Sie ist im Kontakt mit anderen Auslandschweizern, die wegen Covid-19 ebenfalls drohen, unterzugehen – auf den Malediven, in Mexiko oder auch in Indonesien. Wie viele Auslandschweizer in einer ähnlichen Lage sind wie die Luzernerin, weiss niemand – auch nicht die Auslandschweizerorganisation (ASO) oder das Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

Auslandschweizer und Covid-19

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Leider gibt es keine Statistiken dazu, wie stark die rund 770'000 Auslandschweizer von Covid-19 betroffen sind. Bei der Auslandschweizerorganisation (ASO) heisst es auf Anfrage, man wisse auch nicht, wie viele Auslandschweizer und Auslandschweizerinnen Unternehmer und Unternehmerinnen seien und in der Folge finanziell von Lockdowns und Restriktionen wegen Covid-19 betroffen seien. Laut Bundesamt für Statistik sind 440'000 Auslandschweizer im erwerbsfähigen Alter. Ab nächstem Jahr will die ASO im Rahmen einer neuen Homepage-Registrierung erheben, wer Firmeninhaber oder Firmeninhaberin ist.

Auch das Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) führt keine Statistiken über Schweizer Bürger, die im Ausland unternehmerisch tätig und die allenfalls wegen Covid-19 in die Schweiz zurückgekehrt sind. Das EDA könne aber auch aus Daten- und Persönlichkeitsschutzgründen keine Angaben machen über die wirtschaftliche Lage von im Ausland wohnhaften Schweizer Bürgern, sagte ein EDA-Sprecher.

Immerhin: Das Bundesamt für Statistik (BfS) erfasst jährlich alle Schweizer Bürgerinnen und Bürger, die keinen Wohnsitz in der Schweiz haben. Und gemäss BfS-Zahlen lebte Ende 2019 mehr als jede zehnte Schweizer Person im Ausland. Fast zwei Drittel davon leben in Europa. In Asien sind es sieben Prozent. Die Zahl der Auslandschweizer nimmt tendenziell jedes Jahr leicht zu. Am stärksten wächst die Gruppe der Auslandschweizer in Asien.

Trotz allem bleibt Hadorn zuversichtlich. Am meisten Hoffnung setzt die Luzernerin in die Reiseversicherungen. Sie hofft, dass diese in Zukunft – anders als heute – das Risiko «Pandemie» mit abdecken werden. «Wir überlegen uns sogar, den Versicherungsschutz den Gästen zu offerieren. Falls wir eine Versicherung finden, die das Risiko Pandemie absichert.»

Bis jetzt habe sie allerdings noch keine gefunden. Zeit zu suchen hat Maya Hadorn momentan. Sie harrt mit der Hälfte der Belegschaft auf der Insel Pef aus. Es ist eine Art natürliche Quarantäne, weit weg von den Covid-19-Epizentren – und doch ist sie und ihr Team so unmittelbar vom Virus betroffen.

Echo der Zeit, Samstag, 11. Juli 2020, 18:00 Uhr

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Roland Brechbühl  (RoBre)
    Natürlich hat der indonesische Staat kein Geld den Einheimischen zu helfen. Schliesslich habe ich eben auf srf.ch gelesen, dass Indonesien zum wichtigsten Waffenimporteur von Schweizer Waffen geworden ist.....
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  • Kommentar von Ernesto Asher Meng  (Ashi Ernesto)
    Sehe das Kritisch. Es geht bei solchen Projekten, fast immer ums liebe Geld. Dass Einheimische da profitieren ist ehrenwert, aber meistens endet so ein Projekt, dass EuropäerinER reicher sind und Einwohner in diesen Länder noch ärmer geworden sind. Kenne einige Projekte die sehr gut laufen. Diese Europäer oder auch andere wollen nicht reich werden und übergeben diese Anlagen den Einheimischen und weiterhin ein Erfolg bedeutet. SRF hat darüber berichtet, leider Namen vergessen Glarner Lehrer.
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  • Kommentar von Peter Zuber  (Hä nuuh)
    Wer nach Indonesioen zieht sollte wissen was er/sie macht. Sonst wäre ein Platz in der Politik, am Besten grün, die bessere Alternative.
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    1. Antwort von Alessandro Guardia  (Nismo34)
      Ja also wirklich. Wer nach Indonesien wandert, sollte mindestens auf eine weltweite Krise, auf die ja sogar all die europäischen Milliarden-Firmen bestens Vorbereitet sind und keine staatlichen Hilfen brauchen, vorbereitet sein. Wie kann man nur so naiv sein und ein Hotel ohne ein finanzielles Polster für ein Jahr ohne Gäste eröffnen. Ach Herr Zuber, bei einem solchen Kommentar kann man Ihnen wirklich nur wünschen, dass Sie die Zeit gut überstehen und nicht eines Tages auf Hilfe hoffen müssen.
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