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Sein Mandat in Kiew endet Botschafter: «Nach drei Jahren Ukraine bin ich müde»

Drei Jahre lang war Félix Baumann Schweizer Botschafter in der Ukraine. Mitte Juli endet sein Mandat in Kiew. Im Gespräch blickt er zurück auf eine Zeit zwischen Sirenenalarm, eisigen Wintern und grosser Innovationskraft.

Félix Baumann

Schweizer Botschafter in der Ukraine

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Seit dem Sommer 2023 ist Félix Baumann der Schweizer Botschafter in der Ukraine. Der gebürtige Zürcher hat damit einen der heikelsten Diplomatenjobs der Schweiz.

SRF News: Sie verlassen die Ukraine nach drei Jahren. Sind Sie erleichtert oder verspüren Sie Wehmut?

Félix Baumann: Es ist beides. Einerseits ist nach drei Jahren eine grosse Müdigkeit da, das ist klar. Andererseits ist dieser Posten einzigartig. Die Intensität der Arbeit, die Solidarität, die Dankbarkeit, die man auf der Strasse von wildfremden Menschen erfährt, die froh sind, dass man im Land geblieben ist – das alles wird mir bleiben.

Allein 2025 waren es in Kiew zusammengezählt 740 Stunden mit Sirenenalarm – das sind 30 Tage.

Sie sprechen von Müdigkeit. Wie sah Ihr Alltag in Kiew aus?

Es ist ein Leben voller Kontraste. Einerseits geht das Alltagsleben weiter, andererseits gibt es sehr oft Luftalarm. Allein 2025 waren es in Kiew zusammengezählt 740 Stunden mit Sirenenalarm – das sind 30 Tage. Man lernt, die Töne einzelner Raketen zu erkennen. Der letzte Winter war besonders schwierig, mit Temperaturen von minus 20 Grad, dunklen Wohnungen und ausgefallenen Heizungen. Das ist einschneidend. Aber: Die Bevölkerung vor Ort leidet natürlich viel mehr, es geht um ihr Land, ihre Heimat. Als Ausländer ist man privilegiert.

Eine Gruppe von Menschen geht vor einem Flugzeug auf einem Flughafen.
Legende: Der Schweizer Botschafter Félix Baumann und der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski am Flughafen in Zürich-Kloten, aufgenommen am 14. Juni 2024. KEYSTONE / EDA / POOL / Michael Buholzer

Haben Sie heute ein anderes Bild von der Ukraine als vor drei Jahren?

Die Ressourcen, die dieses Land in seinem existenziellen Kampf freimachen kann, beeindrucken mich immer mehr. Die Innovationskraft der Gesellschaft, zum Beispiel in der Drohnenentwicklung, ist bemerkenswert. Oder wenn Tausende junge Menschen trotz Kriegsrecht auf die Strasse gehen, um die Unabhängigkeit der Antikorruptionsbehörden zu verteidigen. Das zeigt den unbedingten Willen für eine freiheitliche, nach Europa gerichtete Zukunft.

Ich habe viel Zeit gebraucht, um zu erklären, dass Neutralität nichts mit Gleichgültigkeit zu tun hat.

Die Schweiz liefert keine Waffen. Verstehen die Ukrainerinnen und Ukrainer die Neutralität der Schweiz?

Ich habe viel Zeit gebraucht, um zu erklären, dass Neutralität nichts mit Gleichgültigkeit zu tun hat. Die Schweiz hat die EU-Sanktionen übernommen und Zehntausende Flüchtlinge aufgenommen. In einem Land, das um seine Existenz kämpft, wird vieles schwarz-weiss wahrgenommen. Aber ich glaube, die differenzierte Positionierung der Schweiz als verlässliche Unterstützerin einerseits und als unabhängige Akteurin für den Frieden andererseits wird nicht nur verstanden, sondern auch geschätzt.

Der deutsche Kanzler Merz sprach kürzlich von einem möglichen Zeitfenster für Verhandlungen. Sehen Sie das auch so?

Die Positionen der beiden Parteien sind immer noch weit voneinander entfernt. Insbesondere die Forderung Russlands, die Ukraine solle sich aus dem Donbass zurückziehen, ist für die ukrainische Regierung und grosse Teile der Bevölkerung eine absolute rote Linie. Immerhin gelingt es beiden Parteien, immer wieder Kriegsgefangene auszutauschen. Das ist ein positives Zeichen. Die Schweiz bleibt bereit, ihre guten Dienste anzubieten, sobald sich ein Fenster öffnet.

Wer folgt auf Baumann?

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Botschafterin Heidi Grau übernimmt den Posten in der Ukraine, Félix Baumann wird Generalkonsul in New York.

Was raten Sie Ihrer Nachfolgerin?

Dieser Job ist sowohl ein 100-Meter-Lauf als auch ein Marathon. Man muss sehr schnell sein und Energie freisetzen können. Gleichzeitig muss man dafür sorgen, dass man selbst und das Team auch langfristig durchhält.

Das Gespräch führte Simone Hulliger.

Diskutieren Sie mit:

Tagesgespräch, 29.6.2026, 13 Uhr ; 

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