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Serebrennikow-Prozess Neue Grenzen für Russlands Kunst

Legende: Video Russischer Regisseur steht vor Gericht und inszeniert in Zürich abspielen. Laufzeit 03:31 Minuten.
Aus Tagesschau vom 17.10.2018.

Nicht zum ersten Mal gerät das Bezirksgericht im Nordosten von Moskaus auch ausserhalb der Landesgrenzen in die Schlagzeilen: Vor demselben Gericht wurde dem russischen Oligarchen Chodorkowskij der Prozess gemacht. Wie im Fall von Chodorkowskij sprechen Kritiker von einer politisch motivierten Anklage. So zweifelt die russische Theaterkritikerin Marina Davydova an der Unabhängigkeit des Gerichtes.

Mit Kirill Serebrennikow standen heute drei weitere Leute vor Gericht. Neben dem Regisseur sind auch der Direktor und der Leiter des Theaters, sowie eine ehemalige Mitarbeiterin des Kulturministeriums angeklagt. Doch die Kameras waren auf Serebrennikow gerichtet, der in Russland für sein Theater und Filme weit über die Künstlerkreise hinaus bekannt ist.

«Nicht die Künstler sind schuld, sondern die Gesetzgebung»

Vorgeworfen wird den Angeklagten, staatliche Subventionsgelder veruntreut zu haben in der Höhe von umgerechnet rund vier Millionen Franken. Serebrennikow bestreitet die Vorwürfe. Die Buchhalterin hat mit den Behörden bereits im vergangenen Jahr kooperiert und stand deswegen heute nicht vor Gericht. Eine Mitarbeiterin des Theaters hat Russland in der Zwischenzeit verlassen und wurde von den Behörden zur Fahndung ausgeschrieben.

Dass es zu einem Verstoss gegen buchhalterische Vorschriften gekommen ist, bezweifeln auch Anhänger von Serebrennikow nicht. Doch die Theaterkritikerin Davydova sieht nicht die Künstler in der Schuld, sondern die Gesetzgebung, die es schlicht unmöglich mache, dass man sich an alle gesetzlichen Vorschriften halte. Während des heutigen ersten Prozesstages wurden administrative Fragen geklärt und keine inhaltlichen Punkte der Anklage vor Gericht verhandelt.

Während Stunden war unklar, wie lange der erste Tag sich hinziehen würde. Kurz vor 18 Uhr schliesslich wurde bekannt, dass der Hausarrest gegen den Regisseur um ein halbes Jahr verlängert wird bis im April 2019. Ein Freispruch der Angeklagten scheint unwahrscheinlich, denn in Russland kommt es in der überwiegenden Mehrheit aller Fälle vor Gericht zu einem Schuldspruch.

Keine fest geschriebenen Grenzen

Doch unabhängig vom Ausgang des Gerichtsfalls hat der Prozess eine nachhaltige Wirkung auf die russische Kunstszene. An Serebrennikow und seinen Theaterkollegen sei bereits ein abschreckendes Exempel statuiert wurde, ist Davydova überzeugt. Die Grenzen seien jedoch nicht etwa festgeschrieben, sondern würden willkürlich gezogen. Es sei jedem selbst überlassen, welches Risiko man mit seiner Kunst eingehen wolle, sagt Davydova.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Marc Bühler (Capten Demokratie)
    Wie Russland dämonisiert wird ist erbärmlich! Ich war diesen Sommer in Russland (nicht an der WM). Kultur an jeder strassenecke. Musiker, Künstler, sehr nette und intelligente Leute die ihren Humor nie verlieren. Auch wenn sie durch den Westen seit den 90ger nur Verarscht und belogen wurden sthen diese mehr zu Europa als die meisten Europäer. Doch wir lernen nichts aus der Geschichte. Russland hat Europa mehr als einmal den Hinntern gerettet und Russland ist Europas bessere Freund als die USA.
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  • Kommentar von Marc Bühler (Capten Demokratie)
    Liegen dem SRF Beweise vor dass dies eine Verschwörung gegenden künstler ist? Habt ihr Quellen die belegen das er kein Geld unterschlagen hat und ihm das nur angehöngt wird? Oder wie kommt so ein Artikel zustande? Es ist wie mit Chidorofski, dessen Schuld ist zweifelsfrei belegt. Der hat den Staat um Milliarden geprellt und bei uns gefeiert weil er Putin Kritisiert das er dem Russischen Volk nicht noch mehr Geld Stehlen kann. Es ist traurig wie der SRF mitlerweilen berichtet. Neutral war mal
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  • Kommentar von Steff Stemmer (Steff)
    Braucht es da ein Gericht? Putin soll doch einfach bestimmen wie lange die 'Entsorgungs-Strafe' dauern soll. Kommt wahrscheinlich auf das Selbe raus!?
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