Zum Inhalt springen

Header

Audio
SRF-Mitarbeiter Rudolf Balmer zur aktuellen Debatte in Frankreich
Aus SRF 4 News aktuell vom 10.02.2020.
abspielen. Laufzeit 04:47 Minuten.
Inhalt

Sexuelle Übergriffe im Sport Missbrauchsskandal erschüttert Frankreichs Sportwelt

Darum geht es: Die ehemalige französische Eiskunstläuferin Sarah Abitbol wirft in einem Buch (Un si long silence – Ein so langes Schweigen) ihrem einstigen Trainer vor, sie Anfang der 1990er-Jahre, als 15-Jährige, vergewaltigt zu haben. Der Inhalt des Buchs bewegt seit Tagen die französische Öffentlichkeit.

Das hat das Buch von Sarah Abitbol in Frankreich ausgelöst: «Es hat schockiert», sagt Rudolf Balmer, Frankreich-Mitarbeiter von SRF. Ein Tabu sei gebrochen worden. Nach der Veröffentlichung des Buches wurden Missbrauchsvorwürfe von anderen Eiskunstläuferinnen bekannt – auch Fälle aus anderen Sportarten wie dem Schwimmen. Es entbrannte eine Debatte darüber, ob die Vorwürfe von Vereinen und Verbänden vertuscht worden sind.

Eiskunstläuferin
Legende: Die ehemalige französische Eiskunstläuferin Sarah Abitbol erhebt schwere Missbrauchsvorwürfe gegen ihren Ex-Trainer. Sie ist mehrfache französische Meisterin im Paarlauf. Reuters

Diese direkten Konsequenzen hatte der Fall bisher: Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete Vorermittlungen im Fall Abitbol ein. Am Wochenende ist zudem Didier Gailhaguet, der seit 21 Jahren amtierende Präsident des französischen Eissportverbands, unter dem Druck der Medien und auf Drängen der Sportministerin zurückgetreten. Der Verband hat eine Interimsvorsitzende eingesetzt, die den Kampf gegen sexuelle Aggressionen zu ihrer Priorität erklärt hat. Gailhaguet weist Vorwürfe, er habe Missbrauchsfälle vertuscht, zurück.

Mann hinter Mikrofonen.
Legende: Will keine Fehler gemacht haben: Didier Gailhaguet, der zurückgetretene Präsident des französischen Eissportverbandes. Keystone

Warum kommt die Debatte über sexuellen Missbrauch im Sport erst jetzt? Lange sei es Opfern sexueller Übergriffe schwer gemacht worden, an die Öffentlichkeit zu gehen, sagt Rudolf Balmer. «Man hat ihnen nicht geglaubt. Und wenn doch wurde das Ganze sehr schnell zu den Akten gelegt.» So sei bereits in den 90er-Jahren ein französischer Eiskunstlauftrainer nach einer Klage von sechs Läuferinnen wegen sexueller Gewalt zu 10 Jahren Haft verurteilt worden. Der Fall habe aber überhaupt keine Nachwirkungen gehabt, sagt Balmer. «Er wurde einfach unter den Tisch gewischt – ein bisschen wie ein störendes Familiengeheimnis.» Einer der Klägerinnen habe man gar zu verstehen gegeben, dass man es gar nicht schätze, dass sie einen Trainer «ins Gefängnis gebracht» habe.

Wird sich im französischen Sport nun etwas ändern? Zumindest ist das Echo auf Abitbols Vorwürfe enorm. Rund 50 Spitzensportler, darunter Judo-Olympiasieger Teddy Riner, haben dazu aufgerufen, dass nicht mehr aus Rücksicht auf das Image eines Sports oder Verbandes zu Missbrauchsfällen geschwiegen werden solle. «Es gibt auf jeden Fall Konsequenzen aus dieser Debatte», sagt Rudolf Balmer. So würden neue Regeln diskutiert, die verhindern sollen, dass Trainer zu engen Kontakt mit Kindern und Jugendlichen haben und das Risiko sexueller Aggressionen vermindern sollen.

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Kann nur meine Meinung über den Zweibeiner mit Denkapparat, zu welcher Spezies auch ich gehöre, wiederholen: Es gibt einfach zu viele, welche egoistisch, machtbesessen, intolerant, minimal kriminell oder für die Verfolgung ihrer Ziele über Leichen gehen. Dieser Fall in Frankreich verwundert mich keineswegs, der Fall von Sarah Abitbol dürfte einer von vielen sein - leider. Im Sport, Schule, Religion, Beruf, Freizeit, usw, überall übt eine nicht unbedeutende Minderheit von uns ihre Verbrechen aus.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Andrea Esslinger  (weiterdenken)
    Das ist erst der Anfang. Irgendwann werden auch die Männer nicht mehr schweigen, die als Kinder und Jugendliche von ihren Trainern und Coaches missbracht worden sind.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Ich glaube auch, dass man früher viel mehr Hemmungen hatte, sexuelle Uebergriffe anzuzeigen. Einerseits hat man sich geschämt, man hat den Opfern oftmals nicht geglaubt und da war vermutlich noch vor allem in Männerköpfen die Meinung, was ist da schon dabei. Ich erinnere mich oftmals gehört zu haben, man hat der Person doch eine Freude bereitet. Gut dass es heute besser ist, aber leider gibt es immer noch zu viele Täter, die ungeschoren davon kommen-
    Ablehnen den Kommentar ablehnen

Mehr aus InternationalLandingpage öffnen

Nach links scrollen Nach rechts scrollen