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Emmanuel Macron.
Legende: Emmanuel Macron hat mit tiefen Umfragewerten zu kämpfen. Seine Art wird als «abgehoben» wahrgenommen. Reuters
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Sinkende Popularität Macron enttäuscht das Volk

Emmanuel Macrons Umfragewerte sind im Keller. SRF-Korrespondent Daniel Voll erklärt die Gründe.

Emmanuel Macrons Popularität ist rund ein Jahr nach seinem Amtsantritt im Sinkflug. Nach Angaben des französischen Meinungsforschungsinstituts Ifop sind nur noch 31 Prozent zufrieden mit der Arbeit ihres Präsidenten. Selbst Vorgänger François Hollande war zum selben Zeitpunkt seiner Präsidentschaft populärer. Warum das so ist, erläutert SRF-Korrespondent Daniel Voll.

Daniel Voll

Daniel Voll

SRF-Korrespondent für Frankreich und den Maghreb

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Daniel Voll ist seit 2018 Frankreich-Korrespondent von Radio SRF mit Sitz in Paris. Der Maghreb gehört ebenfalls zu seinem Berichtsgebiet. Zuvor war er u.a. als EU-Korrespondent und Auslandredaktor für SRF tätig.

SRF News: Warum ist Präsident Emmanuel Macron derart unbeliebt?

Daniel Voll: Macron hat vor seiner Wahl viel versprochen und grosse Erwartungen geweckt. Im Unterschied zu Vorgänger François Hollande, wollte er kein «normaler Präsident» sein, sondern ein «Jupiterpräsident». Dieser Olympier-Anspruch war hoch gegriffen, Macron wirkte damit vor allem abgehoben. Entsprechend gross ist die Enttäuschung, die sich in den Meinungsumfragen spiegelt.

Wie fällt denn seine politische Bilanz bislang aus?

Mit Macron ist im vergangenen Jahr erstmals seit Jahrzehnten ein Zentrumspolitiker ins Präsidentenamt gekommen. Er hat davon profitiert, dass weder Sozialisten noch die traditionelle Rechte mehrheitsfähige Kandidaten hatten. Damit hat Macron auf beiden Seiten des Zentrums Stimmen gemacht. Die bisherigen Reformen bedienen allerdings klar die Interessen von Unternehmen und Vermögenden. Auch die Beschränkung von Asylrecht und der unsensible Umgang mit der Affäre Benalla hat ihm im Mitte-Links-Lager geschadet.

Auch bei der traditionellen Rechten hat er diese Verluste nicht kompensieren können. Denn für diese ist Macron weiterhin ein Konkurrent.

Macron hat kürzlich die Franzosen als «widerspenstige Gallier» bezeichnet und dafür breite Kritik geerntet. Wie kommt er zu der Aussage und wie kam sie an?

Eigentlich entspricht der «störrischen Gallier» dem Selbstbild, das sich Franzosen gerne machen. Asterix und Obelix sind nicht umsonst die Karikatur französischer Nationalhelden. Macrons Fehler war, dass er sie in Gegensatz zum Reformeifer der «lutherischen Dänen» gesetzt hat. Und er hat diese Kritik im Ausland, in Dänemark, formuliert. Das war Wasser auf die Mühlen der Opposition, die einmal mehr am Bild des abgehobenen «Jupiterpräsidenten» pinseln konnte.

Mit seiner Bewegung «La République en marche» schien sich Macron vom politischen Establishment distanzieren zu können. Hat ihn nun die Realpolitik eingeholt?

Ich bezweifle, dass sich Macron vom politischen Establishment absetzen wollte. Denn er kommt aus diesem Milieu in Politik und Verwaltung, das stark von den Eliteschulen geprägt wird, die auch Macron durchlaufen hat.

Aber er hat die Chance genutzt, dass die Bevölkerung zunehmend an der Gestaltungsfähigkeit der Politiker in den traditionellen Parteien gezweifelt hat. Darum hat er auch versprochen, engagierte Bürgerinnen und Bürger aus der sogenannten Zivilgesellschaft in die Regierung zu holen.

Nun haben innert einer Woche Umweltminister Nicolas Hulot und Sportministerin Laura Flessel die Regierung verlassen. Sind das Zerfallserscheinigungen der Regierung?

Ich denke, die Regierungsumbildung dieser Woche zeigt vor allem die Grenzen von Macrons Projekt «Zivilgesellschaft». Vor allem der Rücktritt von Umweltminister Nicolas Hulot illustriert, wie schlecht ein Minister ohne eigene Hausmacht seine Politik innerhalb der Regierung durchsetzen kann.

Der neue Umweltminister François de Rugy passt genau zu diesem Bild: Ein anpassungsfähiger Politiker, der vor allem loyal gegenüber seinem Präsidenten ist.

Das Gespräch führte Oliver Roscher.

Audio
Macron und die politischen Quereinsteiger
03:22 min, aus Echo der Zeit vom 04.09.2018.
abspielen. Laufzeit 03:22 Minuten.

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42 Kommentare

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  • Kommentar von Sebastian Demlgruber  (SeDem)
    Glückliches Frankreich, wo man mit einer einfachen Regierungsumbildung Politik neu justieren kann. Wenn in der Schweiz ein Bundesrat nicht zur Zufriedenheit des Volkes arbeitet, kann er - oder sie - trotzdem noch jahrelang am Sessel kleben und einfach weitermachen. Muss man sich nur mal das aktuelle Gremium anschauen - da ist so manche(r) nur noch wenig gelitten.
    1. Antwort von R. Sommerhalder  (rso)
      Der französische Präsident kann auch einfach weitermachen, denn er ist für 5 Jahre gewählt!
    2. Antwort von Sascha Stalder  (Sascha Stalder)
      Welche Regierung finden sie den aktuell besser als die Schweizer Regierung Herr Demelgruber?
  • Kommentar von Daniel Schmidlin  (Queren life)
    In einem Kommentar vom Mai 2017 habe ich ihm 2 Jahre gegeben bis das Kartenhaus zusammenbricht. Jetzt kracht es scheinbar noch früher zusammen. Ich erntete damals für meinen Kommentar zu über 90% nur Häme.
    1. Antwort von R. Sommerhalder  (rso)
      Ihre Analyse ist auf keinen Fall realistisch. Das "Kartenhaus Macron" wird in keinem Fall zusammenbrechen. Frankreich lebt über seinen finanziellen Verhältnissen und dies ist äusserst schwierig zu korrigieren. Frankreich hat auch einen aufgeblähten Beamtenapparat (pro 1000 Einwohner mehr Staatsangestellte als beispielsweise Spanien oder Italien)!
    2. Antwort von Toni Koller  (Tonik)
      Da bricht kein "Kartenhaus zusammen": Macron hat einfach eher schlechte Umfragewertevon den sowieso motzfreudigen Franzosen gekriegt - dass ergeht nach einer Weile allen Staatsleitern überall ähnlich. Ihr Kommentar ist blosses Wunschdenken.
    3. Antwort von Werner Christmann  (chrischi1)
      wenn ich mir so die Koller Kommentare anschaue muss man doch zunehmend von Wunschdenken und zunehmender Ohnmacht sprechen.
  • Kommentar von pius winiger  (süsse maus)
    Es ist wenig erstaunlich, dass die Umfragewerte tief liegen.Sobald ein Präsident die heiklen Themen angeht, beginnt es zu schmerzen. Macron legt seinen Finger in der ersten Periode seiner Amtszeit in die Wunde, wo es besonders schmerzt. Reformen müssen angegangen werden, solange sie nicht von Wahlkämpfen beeinflusst werden. In FR sind sie genauso notwendig wie in der EU. Das Ganze ist sehr schwierig anzugehen, weil die Interessen verknüpft sind & alles in einer sehr schwierigen Weltlage passiert
    1. Antwort von B. Moser  (moser.b)
      Man kann sicher in den Wettbüros von London wetten, ob Macron oder Trump länger im Amt ist. Die Weltlage ist für beide dieselbe.
    2. Antwort von Daniel Schmidlin  (Queren life)
      Trump wird acht Jahre die USA beflügeln und uns auf der Pelle sitzen. Auch die Illusionen von Macron bleiben uns noch eine Weile erhalten.